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Sport

FIFA sperrt Beckenbauer

Der Fußball-Weltverband sperrt Franz Beckenbauer provisorisch für 90 Tage für jegliche nationale und internationale Tätigkeit im Fußball. Beckenbauer wird fehlende Kooperation mit der Ethikkommission vorgeworfen.

Nun wird die FIFA also doch aktiv bei der Aufarbeitung des mutmaßlichen Korruptionsskandals um die Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 an Katar. Und sie sperrt dabei einen ihrer Kritiker, oder besser gesagt: einen der Kritiker von Weltverbandschef Joseph Blatter. Die deutsche Fußball-Ikone Franz Beckenbauer darf vorerst 90 Tage keine Funktion im Fußballsport ausüben. Die Sperre wurde vom stellvertretenden Vorsitzenden der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission, Alan Sullivan, auf Antrag des Vorsitzenden der Untersuchungskammer, Michael J. Garcia, ausgesprochen und gilt ab sofort. Das teilte der Weltverband am Freitagnachmittag mit. Das einzige offizielle Amt, das Beckenbauer derzeit bekleidet, ist das des Ehrenpräsidenten von Bayern München. "Ich habe erst einmal auf das Datum heute geschaut. Ich dachte, es wäre der erste April und damit ein Aprilscherz", sagte Beckenbauer bei "Sky Sport News HD".

Beckenbauer: "Falscher Ansprechpartner"

Hintergrund ist

Beckenbauers Verweigerung einer Aussage

gegenüber Garcia in Zusammenhang mit der umstrittenen WM-Vergabe 2022 an Katar. Beckenbauers Name war zuletzt erstmals von der britischen Zeitung "Sunday Times" ins Spiel gebracht worden. Die Lichtgestalt des deutschen Fußballs hatte sich gegen die Vorwürfe aber gewehrt. "Ehrlich gesagt: Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Ich habe oft genug erklärt, dass ich für das Thema Korruption der falsche Ansprechpartner bin", hatte er gegenüber der "Bild"-Zeitung erklärt.

FIFA Michael Garcia

FIFA-Chefermittler Michael Garcia soll mögliche Korruption in der und um die FIFA aufdecken

Die Entscheidung, ihn zu sperren, basiere auf den FIFA-Ethikreglements, da davon ausgegangen werden könne, dass es zu einem Vergehen gegen das Ethikreglement gekommen sei und dass es nicht möglich sein werde, früh genug eine reguläre Entscheidung zu treffen, teilte der Weltverband nun mit. Die FIFA wirft Beckenbauer fehlende Kooperation vor, obwohl er wiederholt angefragt wurde, in einem persönlichen Interview oder durch die Beantwortung schriftlicher Fragen, die in Englisch und Deutsch gestellt wurden, Informationen zu liefern. Der Fall unterliegt nun dem offiziellen Untersuchungsverfahren, das von Vanessa Allard, Mitglied der Untersuchungskammer, geleitet wird.

Unterschiedliche Interpretationen von Kooperation

Beckenbauer hatte zuletzt auch diesen Vorwurf bestritten. "Das ist ein bisserl andersherum. Ich war bereit, alle relevanten Fragen zu beantworten, nur die kamen in Juristen-Englisch, die ich bei einer so komplizierten Materie nicht vollständig verstanden habe", sagte er: "Ich bat daraufhin höflich um eine Unterredung in deutscher Sprache, und diese wurde abgelehnt. Daraufhin war meine Reaktion: dann eben nicht."

Video ansehen 02:25

DW-Redakteur Florian Zschiedrich zur Beckenbauer-Sperre

Beckenbauer kündigte gegenüber der "Bild"-Zeitung an, auf die geplante Reise nach Brasilien zu verzichten: "Die WM ist für mich gestrichen. Ich gehe davon aus, dass ich bei der Fifa nicht mehr willkommen bin." Eigentlich wollte er der WM ab dem Halbfinale beiwohnen.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hatte Beckenbauer zuletzt vehement in Schutz genommen. "Ich weiß, dass Franz ein absoluter Ehrenmann ist", sagte Niersbach am Rande des FIFA-Kongresses in Sao Paulo. Jede "wie auch immer geartete Unterstellung gegen ihn kann ich zurückweisen", sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Blatters Rache?

Es darf darüber spekuliert werden, ob das harte Durchgreifen gegen Beckenbauer im Zusammenhang mit der Oppositionshaltung des Deutschen Fußballbundes gegenüber FIFA-Präsident Blatter steht, der beim jüngsten Kongress in Sao Paulo entgegen früherer Ankündigungen seine

erneute Kandidatur

im Mai 2015 angekündigt hatte. Der DFB, wie auch

einige andere europäische Verbände,

drängen auf eine Ablösung des 78-Jährigen. Immer wieder gerät das Geschäftsgebaren Blatters und der FIFA-Spitze in die Kritik.

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