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Fußball

FIFA: Neue Erkenntnisse der US-Justiz

Nachdem am Donnerstagmorgen zwei FIFA-Vizepräsidenten verhaftet werden, gibt die US-Justiz bekannt, gegen 14 weitere Funktionäre wegen Bestechung zu ermitteln. Der Fußball-Weltverband bemüht sich derweil um Reformen.

US-Justizministerin Loretta Lynch bei einer Pressekonferenz (Foto: EPA/MICHAEL REYNOLDS)

US-Justizministerin Loretta Lynch und ihre Mitarbeiter setzen den Fußball-Weltverband weiter unter Druck

Ausgerechnet am Tag des geplanten "Neuanfangs" ist der Fußball-Weltverband FIFA wieder erschüttert worden. Am Donnerstagmorgen um 6.00 Uhr verhafteten die Schweizer Behörden im Züricher Fünf-Sterne-Hotel Baur au Lac die beiden Vize-Präsidenten Juan Angel Napout aus Paraguay und Alfredo Hawit aus Honduras. Wenige Stunden später gab die US-Justiz bekannt, dass gegen 14 weitere, teils hochrangige FIFA-Funktionäre, ermittelt werde. Acht Angeklagte haben sich nach Angaben von US-Justizministerin Loretta Lynch bereits schuldig bekannt.

Bei den Ermittlungen geht es um Bestechung in Millionenhöhe. "Die hochrangigen FIFA-Funktionäre sollen diese Gelder als Gegenleistung für den Verkauf von Vermarktungsrechten im Zusammenhang mit der Austragung von Fußballturnieren in Lateinamerika und von WM-Qualifikationsspielen erhalten haben", teilte das Schweizer Bundesamt für Justiz mit: "Die Straftaten sind teilweise in den USA abgesprochen und vorbereitet worden, zudem sind Zahlungen über US-Banken abgewickelt worden."

Hochrangige FIFA-Offizielle aus Amerika

Am Abend platzte die nächste Bombe: US-Staatsanwalt Roberto Capers erklärte, es handele sich bei den 14 weiteren Angeklagten um "hochrangige FIFA-Offizielle mit Spitzenämtern in der CONCACAF und CONMEBOL", den Verbänden von Nord-, Mittel- und Südamerika sowie der Karibik. Capers nannte die Verbände von Brasilien, El Salvador, Guatemala, Honduras, Bolivien, Ecuador, Paraguay und Peru. "Die Zahlen sind erschütternd", sagte Capers: "Was genug ist, ist genug." Unter den Angeklagten sind auch der bisherige Verbandschef Brasiliens, Marco Polo del Nero, der wegen der Ermittlungen sein Amt vorübergehend ruhen lässt, und der frühere brasilianische Verbandschef Ricardo Teixeira. Den Beschuldigten wird eine Verwicklung in Bestechung- und Korruptionsdelikte in Höhe von etwa 200 Millionen US-Dollar vorgeworfen. "Sie alle werden uns nicht entkommen", sagte Lynch.

Fahrzeuge der Schweizer Polizei fahren vor dem Eingang des Hotels Baur au Lac vor (Foto: picture-alliance/dpa/W. Bieri)

Wie bereits vor einigen Monaten griff die Schweizer Polizei im Luxushotel "Baur au Lac" zu

Die US-Justiz ermittelt seit Monaten gegen Funktionäre der FIFA, es geht vor allem um Ungereimtheiten bei vergangenen Großereignissen. Über amerikanische Banken scheint im großen Stil Geld gewaschen worden zu sein, zudem geht es um Betrug beim Dealen mit Fernsehrechten. Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt in einem weiteren Verfahren. Die FIFA selbst griff zuletzt über ihre unabhängige Ethikkommission durch und sperrte etliche frühere Machthaber. Die Prominentesten: Blatter und FIFA-Vizepräsident Michel Platini (60), Chef der Europäischen Fußball-Union (UEFA).

Reformen gehen im Skandal fast unter

Das am Donnerstag dennoch auf den Weg gebrachte FIFA-Reformpaket könnte ähnliche Auswüchse zumindest in Zukunft verhindern. Das Exekutivkomitee, kurz Exko, mit dem als DFB-Präsident zurückgetretenen Wolfgang Niersbach soll in eine Art strategischen Aufsichtsrat ("Council") umgewandelt werden, die Amtszeit der Entscheider einschließlich des FIFA-Präsidenten auf maximal zwölf Jahre begrenzt werden. Zudem soll die Anzahl der derzeit 26 FIFA-Kommissionen auf neun reduziert und mit mehr unabhängigen Mitgliedern besetzt werden. Es würde eine Frauenquote geben, die Gehälter der Führungsriege würden offengelegt.

FIFA-Interimspräsident Issa Hayatou spricht zu den Delegierten (Foto: Getty Imgages/AFP/F. Coffrini)

FIFA-Interimspräsident Hayatou: "Radikale Veränderung"

"Die Ereignisse vom Donnerstag unterstreichen die Wichtigkeit des Reformpakets. Wir haben einen großen Schritt unternommen", sagte FIFA-Interimspräsident Issa Hayatou: "Die Vorschläge zeigen den Weg zu einer Veränderung, die so radikal ist wie nötig." Dubiose Gestalten im Weltverband sollen künftig mit strengen Integritätschecks aussortiert werden, die Mitglieder des künftigen "Council" würden aber weiter von den Konföderationen entsandt. Endgültig verabschieden muss das Paket der FIFA-Kongress aller 209 Nationalverbände am 26. Februar.

Die offensichtlich geplante Aufstockung der Weltmeisterschaften auf 40 Teilnehmer ab der Endrunde 2026, die das Exko alleine hätte beschließen können, wurde dagegen verschoben - vielleicht in weiser Voraussicht auf das zu erwartende Medienecho. "Das Thema wurde zunächst zur weiteren Prüfung an die Administration gegeben", sagte Niersbach.

asz/rd (dpa, sid)

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