1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sport

FIFA: Es gibt keinen Plan B

Es werde Ruhe einkehren in Brasilien, "sobald der Ball rollt": Da hatte sich der Chef des Fußball-Weltverbands, Blatter, schwer geirrt. Nun ist die FIFA in Sorge über das aktuelle Confed-Turnier - und auch über die WM.

Die Sicherheitslage im Fussball-Land Brasilien wird immer prekärer, das lässt auch den Weltverband FIFA nicht länger kalt. Unter dem Eindruck der sozialen und politischen Massenproteste versuchten die Fussball-Spitzenfunktionäre Druck auf das Gastgeberland auszuüben, vor allem mit sorgenvollem Blick auf die Weltmeisterschaft im Jahr 2014, schreiben brasilianische Medien. "Der Confederations Cup findet in Brasilien statt, und die WM muss es auch. Es gibt keinen Plan B", wird Generalsekretär Jerome Valcke nach einem Treffen der FIFA mit dem brasilianischen Verband CBF im Copacabana Palace Hotel in Rio de Janeiro zitiert.

Er hoffe, sagte Valcke weiter über die landesweite Demonstrationswelle, das dies "nicht weitergeht bis nächstes Jahr". Und: "Brasilien muss dieses Problem lösen! Es ist kein Problem der FIFA. Wir sind das falsche Angriffsziel. Wir sind unverschuldet in dieses Durcheinander geraten und haben nichts verbrochen", beklagte der derzeit starke Mann des Weltverbandes vor Ort. Am Vortag hatte der Weltverband mit Dementis auf Berichte reagieren müssen, dass wegen der eskalierenden Gewalt im Lande bereits ein vorzeitiges Ende des Confed-Turniers erwogen werde. 

Wir brauchen keine Weltmeisterschaft - Proteste in Rio de Janeiro auch gegen die FIFA (foto: Getty Images)

"Wir brauchen keine Weltmeisterschaft" - Proteste in Rio de Janeiro auch gegen die FIFA

Valcke bestätigte aber Gespräche mit den Behörden in Sachen Sicherheit. "Wir haben darum gebeten, dass die Sicherheit gewährleistet wird, damit wir den Confed Cup bis zum Ende durchführen können. Den Umfang der Sicherheitsmaßnahmen bestimmt aber die brasilianische Regierung." Laut Valcke wurden die Sicherheitsmaßnahmen für Objekte mit FIFA-Symbol wie Abholstellen für Tickets, Hotels oder Fahrzeuge erhöht.

Die Proteste für mehr Geld in staatliche, soziale Einrichtungen und für mehr Bildung richteten sich immer auch gegen die milliardenschweren Großprojekte und teure Mega-Events wie Confed Cup, WM sowie deren Organisatoren. Die Vorfälle in Salvador da Bahia, wo zwei parkende Minibusse der FIFA mit Steinen beworfen worden waren und Demonstranten versucht hatten, das offizielle Hotel des Weltverbandes zu stürmen, nannte Valcke schlicht "traurig". 

Im Schweinwerferlicht der Weltpresse

Sein Chef, FIFA-Präsident Joseph S. Blatter, der zwischenzeitlich aus Brasilien abgereist ist, hatte sich in Interviews zuversichtlich geäußert und gründlich geirrt. Fussball und die Anwesenheit der internationalen Presse würden immer wieder als willkommene Plattform für Proteste genutzt, so der Schweizer Funktionär. "Der Fussball ist aber stärker als die Unzufriedenheit der Menschen", so sein Credo. Ähnlich äußerte sich einer der wichtigsten Sponsoren der FIFA: "Sobald die WM beginnt, sind die Demonstrationen vorbei", hoffte Herbert Hainer, Chef des Herzogenauracher Sportartikel-Konzerns adidas.  

In die Debatte um Sinn und Unsinn der gigantischen Sportveranstaltungen auch mit Blick auf die Entwicklung eines Landes mischte sich auch der Vizepräsident des deutschen Olympischen Komitees, Thomas Bach, ein. Er lobte sie als "großartige Katalysatoren" für Veränderungen in Gesellschaft und Wirtschaft mit einem "enorm positiven Beitrag" für Infrastruktur, Verkehr und Wohnraum. Genau dies wird von Kritikern im In- und Ausland bezweifelt. Sie erinnern an die entsprechend enttäuschenden Fortschritte während und nach der Fussball-WM in Südafrika.

SC/uh (sid, dpa, afp, APE)

Audio und Video zum Thema