1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fußball

FIFA-Chef Blatter: "Keine Sorgen um mich"

Der wiedergewählte FIFA-Präsident Joseph Blatter weist jede Verantwortung für den neuen Korruptionsskandal von sich. Bei der ersten Pressekonferenz seiner fünften Amtszeit attackiert er seine Gegner aus Europa.

"Es ist wie im Fußball. Die, die verloren haben, können morgen wieder gewinnen", sagte der wiedergewählte FIFA-Präsident Joseph Blatter bei der Abschlusskonferenz des FIFA-Kongresses in Zürich. "Ich bin der Präsident aller Verbände, auch jener, die gegen mich waren." Blatter ließ sich jedoch nicht nehmen, seine schärfsten Kritiker zu attackeren. Es sei die UEFA gewesen, so der 79 Jahre alte Schweizer, die die FIFA-Pläne gestoppt habe, alle Funktionäre des Weltverbands einer moralischen und ethischen Prüfung zu unterziehen. Auf Betreiben der UEFA seien dafür immer noch die einzelnen Verbände zuständig. "Die Europäer sollten mit gutem Beispiel vorangehen und die Verantwortung übernehmen", sagte Blatter. Die persönlichen Angriffe einiger Gegner in den vergangenen Tagen hätten ihn "wirklich berührt", räumte der alte und neue FIFA-Präsident ein. "Es stimmt, ich vergebe, aber ich vergesse nicht." An einen Bruch zwischen dem Welt- und dem europäischen Verband glaubt Blatter indes nicht: "Die UEFA gehört zur FIFA, sie brauchen die FIFA und die FIFA braucht die UEFA."

"Schiff in ruhigere Gewässer führen"

Im Zusammenhang mit der jüngsten Korruptionsaffäre macht sich Blatter "keine Sorgen um meine eigene Person". Die Beschuldigten seien Einzeltäter gewesen. "Ich bin nicht verantwortlich für diese Menschen", sagte Blatter. Er habe keinen Grund deswegen zurückzutreten: "Der FIFA-Kongress vertritt die Meinung, dass ich der Mann bin, der die Probleme lösen muss und der sie lösen wird." Er werde gemeinsam mit dem Exekutivkomitee nach Wegen suchen, "das Schiff der FIFA wieder in ruhigere Gewässer und einen sicheren Hafen zu führen." Blatter war

am Freitagabend

in seine fünfte Amtszeit gewählt worden. Mit 133 Stimmen im ersten Wahlgang hatten ihm sieben Stimmen zur nötigen Zweidrittelmehrheit gefehlt. Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien, für den 73 Delegierte gestimmt hatten, verzichtete jedoch auf einen zweiten Durchgang.

Europa behält alle WM-Startplätze

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) erhält auch bei den kommenden beiden Weltmeisterschaften 2018 in Russland und 2022 in Katar 13 Startplätze. In drei Jahren werden mit dem festen Platz für den Gastgeber sogar 14 UEFA-Teams an den Start gehen. Das entschied das neu zusammengestellte Exekutivkomitee des Weltverbands FIFA mit DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bei seiner ersten Sitzung am Samstag. Alle Kontinentalverbände behalten damit ihren Status quo. Weiterhin stellt Afrika (CAF) fünf, Südamerika (CONMEBOL) 4,5, Asien (AFC) 4,5, Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik (CONCACAF) 3,5 und Ozeanien (OFC) 0,5 WM-Teilnehmer. Die halben Werte bedeuten, dass sich die Teilnehmer einem Play-Off-Duell mit dem Vertreter eines anderen Verbands stellen müssen. Im Wahlkampf um das Amt des FIFA-Präsidenten hatten die WM-Startplätze eine wichtige Rolle gespielt. Eigentlich wollten alle Konföderationen mindestens einen WM-Teilnehmer mehr. "Es gab ein wenig Gemurre", sagte Blatter über die Diskussion im Exekutivkomitee. DFB-Chef Niersbach kündigte an, dass schon bei der nächsten Sitzung mit Blick auf die Endrunde 2026 über eine Erhöhung der Teilnehmerzahl von jetzt 32 auf bis zu 40 gesprochen werden solle.

FIFA Kongress Blatter David Gill

Gute Miene zum bösen Spiel: David Gill (l.) und Joseph Blatter

Gill verzichtet auf Platz im Exekutivkomitee

Der Engländer David Gill hat seinen Platz im Exekutivkomitee aus Protest gegen den wiedergewählten Präsidenten Blatter nicht eingenommen. "Dieser Schritt fällt mir nicht leicht, aber die fürchterlich beschädigenden Ereignisse der letzten drei Tage haben mich überzeugt, dass es nicht angemessen ist, unter der aktuellen Führung ein Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees zu sein", sagte Gill in Zürich. Der frühere Club-Chef von Manchester United hatte den Platz als FIFA-Vizepräsident übernehmen sollen, der laut Statuten für die vier britischen Verbände reserviert ist. Wer sein Nachfolger werden soll, steht noch nicht fest. Gill galt gemeinsam mit Wolfgang Niersbach als europäische Speerspitze in dem FIFA-Gremium gegen Blatter.

Putin gratuliert Blatter

Der russische Präsident Wladimir Putin gratulierte Blatter zur Wiederwahl. Er sei zuversichtlich, dass "die Erfahrungen, der Professionalismus und das hohe Ansehen Blatter helfen werden, zur weiteren Verbreitung und weiteren Beliebtheit des Spiels in der ganzen Welt beizutragen", ließ der Kreml-Chef mitteilen. Zuvor hatte er die Korruptionsermittlungen gegen FIFA-Funktionäre als Versuch der USA verurteilt, Russland die Weltmeisterschaft 2018 zu entziehen. US-Präsident Barack Obama enthielt sich eines Kommentars zu Blatters Wahlsieg. "Das ist eine Entscheidung dieser Organisation, die sich gerade in schwerem Aufruhr befindet. Sie haben sie zu treffen, und wir lassen sie sie auch treffen", sagte Obamas Sprecher Josh Earnest.

Der Chef der US-Steuerfahndung geht davon aus, dass sich der FIFA-Korruptionsskandal noch ausweitet. "Ich bin ziemlich sicher, dass wir eine weitere Runde von Anklagen haben werden", sagte Richard Weber der Zeitung "New York Times". Bisher umfasst der Kreis der Beschuldigten 14 Personen, darunter neun FIFA-Funktionäre. Sieben von ihnen waren am vergangenen Mittwoch vor dem FIFA-Kongress in Auslieferungshaft genommen worden.

Die Redaktion empfiehlt