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Sport

Fiesta statt Frust

In Costa Rica herrscht seit dem WM-Eröffnungsspiel gegen Deutschland beste Stimmung. Hupkonzerte, Trommelwirbel und Freudenschreie tönen durch San José. Verlieren und trotzdem feiern - wie geht das?

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Ein jugendlicher Fan verfolgt in San José gebannt das Eröffnungsspiel der Fußball-WM

"Wir haben es ihnen gegeben“ - ruft Roberto Mendez, der die "Sele“, die Nationalmannschaft Costa Ricas, ordentlich angefeuert hat. Von seiner Stirn tropft noch der Schweiß. "Die Deutschen dachten sie könnten uns mal eben vom Platz fegen, aber von wegen. Wir haben gezeigt, dass wir ein starker Gegner sind.“ Zwei Tore gegen Deutschland - das ist mehr als viele zu träumen gewagt hatten.

Angst vor dem Riesen

Dabei schien sich das Spiel für die "Ticos“ schon kurz nach Anpfiff erledigt zu haben. Ein Rückblick: Tor für Deutschland nach sechs Minuten Spielzeit. Alle Erwartungen bestätigen sich: "Gegen den Fußball-Riesen haben wir keine Chance“, sagt ein älterer Herr. Eine junge Frau versteckt sich unter ihrer blau-weiß-roten Fahne. Lange Gesichter in den Kneipen, den Bars und vor den Leinwänden auf der Straße. Betreten schauen die Fans mit ihren roten T-Shirts zum großen Bildschirm auf der "Avenida Central.“

Seit Beginn des Spiels um zehn Uhr morgens Ortszeit liegt das ganze Land lahm. Die Geschäfte und Banken haben die Gitter zugezogen, die Busse den Betrieb eingestellt, die Straßen sind leer. Alles verfolgen gespannt, wie ihre Mannschaft in München die Weltmeisterschaft eröffnet. In San José scheint zum ersten Mal seit Tagen wieder die Sonne.

Superstar Wanchope

Fußballbegeisterung in Costa Rica

Beste Laune in San José

Nach weiteren sechs Minuten passiert das Unglaubliche: Paulo César Wanchope schießt ein Tor für Costa Rica. Die Fans schreien, jubeln, weinen. Jetzt singen sie wieder ganz laut, schwingen ihre Fahnen und rufen "Sí, se puede“ – „"ja, wir können es“ und "oe, oe, oe - ticoooos, ticooos“. Sie sind erleichtert, denn viele hatten befürchtet, dass Costa Rica nicht ein einziges Tor gegen Deutschland schaffen würde und eine peinliche Niederlage hinnehmen müsse. Aber jetzt scheint der Riese plötzlich nicht mehr so groß.

Ein als Superman verkleideter Fan betet: "Hilf uns, lieber Gott.“ Am Ende hat sein Gebet nicht geholfen: Costa Rica verliert 2:4 gegen Deutschland. Trotzdem pilgern die "Ticos“, wie nach jedem erfolgreichen Spiel, zum Brunnen "Hispanidad“. Inmitten eines vielbefahrenen Kreisverkehrs feiern sie ihre Mannschaft und vor allem den Nationalhelden Paulo César Wanchope. Autos fahren mit wehenden Nationalfahnen um den Platz.

Selbstbewusster

"Wir haben das Spiel verloren, aber an Selbstbewusstsein gewonnen“, kommentiert ein Journalist die Stimmung. Cynthia Sanchez, die das Spiel mit Freunden gesehen hat, findet, dass ihre Mannschaft "wunderschön“ gespielt hat. "Ich bin richtig stolz auf sie. Allerdings ist mir aufgefallen, dass die Deutschen nicht ihr Bestes gegeben haben.“

Jetzt träumen die Ticos weiter: "Wir haben Fehler gemacht bei diesem Spiel, doch das nächste Mal werden wir noch besser sein und weiter kommen.“ Die Welt soll sehen, dass das kleine Costa Rica keine Angst vor Riesen hat.