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Wirtschaft

Fiat-Chef Agnelli tot

Nur ein Jahr nach seinem Amtsantritt ist Unternehmenspräsident Umberto Agnelli in der Nacht zum 28.5. gestorben. Die Öffentlichkeit hatte erst vor wenigen Wochen vom Krebsleiden des 69-Jährigen erfahren.

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Nüchterner Fachmann: Umberto Agnelli führte Fiat aus der Krise

Umberto Agnelli blieben gerade einmal 15 Monate, um das angeschlagene Familienunternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Nach dem Tod seines Bruders Gianni im vergangenen Jahr hatte er dessen Posten an der Fiat-Spitze übernommen. Damals steckte der italienische Konzern tief in der Krise, er galt sogar als insolvenzgefährdet. Unter dem neuen Chef entstand ein Sanierungsplan, der neben einem drastischen Sparprogramm auch eine neue Struktur für die Fiat-Holding vorsah. Außerdem setzte Umberto Agnelli eine stärkere Fixierung auf das Kerngeschäft durch. In den folgenden Monaten zog sich das Unternehmen aus der Versicherungs- und der Flugzeugbranche zurück. Inzwischen konzentriert sich Fiat fast ausschließlich auf die Produktion von Autos, Industriefahrzeugen und Traktoren.

Im Schatten des Bruders

Gianni Agnelli

Charmanter Manager: Bruder Gianni Agnelli war lange Jahre einflussreicher Fiat-Chef

Agnellis Großvater hatte Fiat vor gut 100 Jahren gegründet, sein Enkel Gianni machte das Unternehmen in den 1960er Jahren zum Symbol des Wirtschaftswunders. Seitdem war der charismatische Gianni Chef des Familienbetriebs, bis zu seinem Krebstod vor eineinhalb Jahren. Seinem jüngeren Bruder verweigerte er lange Zeit eine wichtige Rolle im Unternehmen, Umberto musste sich mit Verwaltungsposten in der Konzernholding begnügen. Stattdessen baute Gianni Umbertos Sohn zu seinem Nachfolger auf. Als dieser an einem Krebsleiden starb, stieg Gianni wieder selbst in die aktive Konzernpolitik ein. Erst nach Giannis Tod ernannte die Familie Umberto zum neuen Firmenchef.

Der Mann der Zahlen

In den wenigen Monaten bis zu seinem Tod schuf Umberto Agnelli, den Kritiker als emotionslos und nüchtern bezeichneten, die Basis für eine wirtschaftliche Erholung des Konzerns. Auf der Hauptversammlung am 11.5.2004 konnte das Unternehmen den Aktionären eine deutliche Verbesserung der finanziellen Lage verkünden. Im ersten Drittel des Jahres lagen die Verluste nur noch bei 194 Millionen Euro, gegenüber 681 Millionen in den ersten Monaten des Vorjahres. Fiat-Vorstandschef Giuseppe Morchio würdigte Umberto Agnelli am Freitag als Mann, der durch "seine tiefe Liebe zu Fiat, sein Pflichtgefühl und seine Verantwortung" beeindruckt habe.