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Europa

Fiat-Arbeiter fürchten Einstieg bei Opel

Bei den Fiat-Mitarbeitern in Turin sorgt das Interesse des italienischen Autobauers an Opel für Skepsis: Sie fürchten, das Engagement sei keine Hilfe in der wirtschaftlich angespannten Situation.

Ein Logo von Fiat und von Opel über einer Lichtspur (Foto: dpa)

Die Mitarbeiter in Turin sind von den Plänen nicht begeistert

"Um zu spüren, wie viel Unsicherheit herrscht, reicht es, sich der Fabrik zu nähern", sagt Vittorio de Martino, Funktionär der Metallarbeitergewerkschaft FIOM-CGIL. Er vertritt die Interessen von 15.000 Fiat-Beschäftigten und denen, die in den Zuliefererbetrieben arbeiten. "Der Frust wächst und die Angst vor der Zukunft auch", prophezeit der Gewerkschafter.

Ähnliche Produkte und davon zu viele

Luftbildaufnahme von einem Fiat-Werk (Foto: dpa)

Die Fiat-Mitarbeiter in Turin sorgen sich um ihre Zukunft

Die Nachricht vom Interesse des Fiat-Konzerns an Opel erschreckt viele Arbeiter in Turin, weil die Produktpaletten sich ähneln und Überkapazitäten bereits heute ein Problem darstellen. "Keine Ahnung, ob ich mein Arbeitsleben bei Fiat beenden werde. Das Traurigste ist die Stimmung unter den Kollegen. Jeder ist für sich", sagt ein Arbeiter, ein anderer: "Niemand weiß, wohin diese Krise noch führt und deshalb schätze ich meine persönliche Zukunft als sehr unsicher ein."

Obwohl die Produktion, die Anfang 2009 gedrosselt wurde, inzwischen wieder auf vollen Touren läuft, ist die Stimmung in Turin gedrückt. Fiat hat von der Abwrackprämie in Deutschland stark profitiert und verzeichnet derzeit auch deshalb einen Umsatzschub, weil die italienische Regierung ähnliche finanzielle Anreize geschaffen hat wie die deutsche. Eine innovative Vision für die Zukunft kann der Gewerkschafter Fabio di Gioia aber nicht erkennen. Außerdem sei er sich nicht sicher, ob die Krise vielleicht vorweggenommen habe, was die Automobilindustrie sowieso erreicht hätte. "Ich glaube, dass wir diese Krise nicht einfach als Konjunkturschwäche abtun sollten, das wäre eine Fehleinschätzung", sagt Fabio di Gioria.

Mehr Geld für die eigene Forschung

Eine Messehostess steht vor einem Fiat (Foto: AP)

Innovative Konzepte sind gefragt, auch bei Fiat

Gefragt sind neue Konzepte und eine langfristige Perspektive für die Autoindustrie. Von außen betrachtet steht Fiat gar nicht schlecht da: Der Konzern verkauft Kleinwagen, die wesentlich weniger Kohlendioxid ausstoßen als Mittelklassewagen und dadurch nicht nur preisgünstiger, sondern auch umweltfreundlicher sind als die Wagen vieler Konkurrenten. Hier müsse mehr Geld in die Forschung investiert werden, fordert der Gewerkschaftsfunktionär Vittorio de Martino das Fiat-Management auf: "Wir riskieren sonst einen technologischen Rückstand und einen Nachteil gegenüber anderen Autobauern."

Doch die Finanzlage des Konzerns ist angespannt, die Ausgaben unterliegen einer strengen Kontrolle. Fiat hatte Ende vergangenen Jahres überraschend viel Kapital verbraucht. Im März 2009 lag die Nettoverschuldung bei mehr als sechseinhalb Milliarden Euro. Diese hohe Belastung könnte auch Fiats Handlungsfähigkeit bei der Suche nach Partnern einschränken. Die Arbeiter in Turin sehen in Opel eher einen weiteren Klotz am Bein als eine Hilfe.


Autorin: Kirstin Hausen

Redaktion: Sandra Voglreiter

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