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Sprachbar

Feuerschlucker

Mit Feuer kann man Häuser heizen, Strom erzeugen und Suppe kochen. Mit dem Wort „Feuer“ kann man noch viel mehr. Die lodernden Flammen der sprachlichen Fantasie machen vor keinem Bereich des Lebens Halt.

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Feuerschlucker

Feuer ist nach alten griechischen Philosophen eines der vier Grundelemente des Lebens. Ohne das Feuer der Sonne könnten wir auf der Erde genauso wenig existieren, wie ohne Luft, Wasser und Erde. Vielleicht ist es diese elementare Bedeutung für jedes menschliche, tierische und pflanzliche Leben, die das Feuer auch zu einem wichtigen Element der Hochsprache und Umgangssprache gemacht hat. Zahllose Dichter und Schriftsteller haben die lodernden Flammen von Liebe und Leidenschaft beschrieben. Mit nichts lässt sich die Intensität dieser Gefühle deutlicher ins Bild setzen, als mit feurigen Beispielen – vom sanften Schimmer einer flackernden Kerze bis zu den alles verzehrenden Flammen einer Feuersbrunst.

Unvereinbar wie Feuer und Wasser

Eine brennende Pfanne

Öl und Feuer vertragen sich gar nicht!

Auch das Gegenteil der Liebe: Hass und Wut, Aggression und Abneigung, lassen sich mit den Erscheinungsformen des Feuers sprachlich gut in Szene setzen. Wenn man mit Worten oder Taten einen anderen zur Weißglut bringt, hat man gewaltigen Ärger und Erregtheit in ihm ausgelöst.

Menschen, die sind wie Feuer und Wasser können niemals miteinander auskommen. Sie sind derartig unterschiedlich und vielleicht auch noch gegeneinander eingestellt, dass ein Streit vorprogrammiert wäre. Wer solche Auseinandersetzungen gezielt fördert, der schürt das Feuer von Aggression und Streitsucht. Ist der Streit erst einmal entbrannt, sollte man versuchen, die Gegner zu beruhigen.

Zündeln an heißen Themen

Wald brennt auf einem Hügel in Spanien. Die Hälfte ist abgebrannt.

Ein Flächenbrand lässt nur "verbrannte Erde" zurück

Manch einer aber, ob von den Streitenden selbst oder von Außenstehenden, die aus der Auseinandersetzung ihren persönlichen Gewinn ziehen, gießt noch Öl ins Feuer. Mit einer kleinen Randbemerkung oder einer Anspielung auf vergangene Ereignisse gibt er dem Feuer des Streits Nahrung, weil er genau weiß, dass die Streithähne auf das Reizthema anspringen.

Solches Zündeln in böser Absicht – also das gezielte Anspielen auf Reizthemen – kann verheerende Auswirkungen haben, weil Streit ebenso wie Feuer unberechenbar ist und auf andere übergreifen kann. Auf diese Weise können geschickt platzierte heiße Themen, die sich Vorurteile und untergründigen Ärger anderer zunutze machen, einen Flächenbrand der Gewalt auslösen.

Funkensprühen

Adolf Hitler vor einem Mikrofon

Mit flammenden Reden kann man auch Feuer entfachen

Zum Glück gibt es viele andere Menschen und viele andere Ideen, die Streit verhindern und allen nutzen. Wie so oft, geht es auch hier darum, möglichst viele Menschen von den eigenen Ideen zu überzeugen. Besonders gute Redner, die auch noch eine zündende Idee haben, besitzen die besseren Voraussetzungen, damit der Funke überspringt und die Zuhörenden überzeugt werden.

Doch eine zündende Idee allein reicht nicht. Leider haben gute und schlechte Ideen gemeinsam, dass eine flammende Rede ihnen oft viele Anhänger bringt. Hat ein Teil des Publikums erst einmal Feuer gefangen und ist von den präsentierten Vorstellungen überzeugt, dann ist der Boden auch für extreme Vorstellungen bereitet.

Gebranntes Kind scheut das Feuer

Ein Mädchen greift mit den Händen auf eine Herdplatte

Beim nächsten Mal wird sie „das Feuer scheuen“

In jungen Jahren sind Menschen oft leicht mit griffigen, also leicht zu verstehenden und gut klingenden Sätzen für sich zu gewinnen. So ist manch einer zum leidenschaftlichen Anhänger einer politischen Ideologie geworden, ohne recht zu verstehen, was die Konsequenzen dieser extremen Ideen sind.

Die Klugen erkennen nach einiger Zeit die Folgen der extremen Sicht und wenden sich wieder ab. Manche von den Enttäuschten möchten gar überhaupt nichts mehr mit Politik und politischen Ideen zu tun haben, getreu dem Motto: gebranntes Kind scheut das Feuer. Wer sich auf diese Weise die Finger verbrennt, schwenkt ins Gegenteil. Er versinkt in Apathie, tut gar nichts mehr, statt sich eine eigene Meinung zu bilden und sie zu vertreten. Die Enttäuschten spielen so den Extremen, die bewusst zündeln, nur in die Hände.

Für andere durchs Feuer gehen

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Wer will die Kastanien aus dem Feuer holen?

Die politisch Desinteressierten mögen zwar die Extremen nicht, überlassen ihnen aber das Feld und anderen die Arbeit, etwas gegen die Extremen zu tun. So lassen die Passiven die Aktiven für sich die Kastanien aus dem Feuer holen, weil sie sich selbst nicht die Finger verbrennen wollen. Aufrichtig engagierte Menschen mit Ausdauer sind leider die Ausnahme. Allerdings: Idealismus und Engagement sind im Prinzip gute Eigenschaften, sie müssen aber gut dosiert sein.

Für soziale Ideen und Menschen, die sie vertreten, durchs Feuer zu gehen, also sie leidenschaftlich und mit viel Energie zu unterstützen, ist prima. Aber alles hat seine Grenze. Die zu finden, ist das Schwierigste. Auch ist es verbindend und ehrenwert, für gute Freunde die Hände ins Feuer zu legen, also trotz heftiger Gegenwehr andere von der Anständigkeit der Freunde zu überzeugen. Doch auch hier sollte gelten: eine Freundschaft darf nicht alles rechtfertigen.

Feurige Energie

Am besten ist es immer, sich auf alle Möglichkeiten und Schwierigkeiten vorzubereiten und für jede Situation gleich mehrere Eisen im Feuer zu haben. Das braucht die Leidenschaft nicht zu bremsen. Von Menschen, die ganz viel von dieser Leidenschaft und reichlich Energie besitzen, sagt man gerne ironisch, dass sie Feuer im Hintern haben. Verbrennen können sie sich aber nicht daran, allenfalls wenn die Funken ihrer Leidenschaft allzu weit sprühen. Sich mit viel Gefühl zu begeistern und mit Feuer und Flamme einer Sache zu widmen, bringt meistens viel mehr, als sich nur aus Verpflichtung und Korrektheit ihrer anzunehmen. Stellen sich Mensch oder Sache aber als Irrtum heraus, bleibt nur eines übrig: am besten aus Herz und Seele löschen – wie ein Feuer, das man erstickt.





Fragen zum Text

Menschen, die wie Feuer und Wasser sind, …
1. wirken aufeinander sehr ausgleichend.
2. vertragen sich überhaupt nicht.
3. sind vollkommen neutral im Miteinander.

Wer sich von anderen sprichwörtlich die Kastanien aus dem Feuer holen lässt, …
1. überlässt zum Beispiel schmerzhafte Dinge anderen, weil sie es besser können.
2. will sich beim Rösten von Kastanien nicht die Finger verbrennen.
3. ist ein bequemer und feiger Mensch, der andere für sich notwendige Arbeiten erledigen lässt.

Als zündende Idee bezeichnet man …
1. eine Idee, die ohne jede Rücksicht auf andere ausschließlich die eigenen Interessen im Blick hat.
2. eine Vorstellung, die nach langer Überlegung großen Erfolg verspricht und überzeugt.
3. eine Idee, die sich als nicht realistisch und durchführbar herausstellt.


Arbeitsauftrag
Redewendungen, die den Begriff Feuer verwenden, können sowohl Negatives als auch Positives beschreiben. Liste die Redewendungen auf, die Positives bedeuten und die, die eine negative Bedeutung haben. Bilde anschließend zu jeder Redewendung einen Beispielsatz.

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