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Wirtschaft

Feuerland ist "abgebrannt"

Argentiniens Wirtschaft ist am Ende. Der Staat ist Pleite, die Menschen sind arm. In der Not erfinden die Argentinier ihr eigenes Geld: Die Wunderwährung "Credito".

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Krawalle in Argentinien

Argentinien muss neue Wege gehen, will es nicht in eine ökonomische Sackgasse fahren. Denn die Regierung und die Menschen tragen schwer an der derzeitigen Finanzkrise.

Private Tauschringe schießen wie Pilze aus dem Boden - eine "positive Interimslösung", wie Experten meinen. So beispielsweise der "Club del Trueque" - der "Klub des Tauschens" von Carlos de Sanzo. Vor etwa drei Jahren rief der Psychiater das Projekt ins Leben, nach der Devise "Selbst ist der Mann und die Frau".

Kräutertee und Haareschneiden

Um Mitglied im Tauschklub zu werden, bezahlt man eine einmalige Verwaltungsgebühr von zwei Dollar. Dafür gibt es

Argentinien: Warteschlange um Lebensmittel zu bekommen

Schlange stehen für Nahrungsmittel

eine Anleihe von 50 "Creditos" – der neuen Nicht-Regierungs-Währung. Zahnärzte, Taxifahrer, Frisöre – alle zahlen mit dem "Geld der kleinen Leute".

Die kleinen Leute haben ein großes Herz. Denn das Projekt erfordert einen gewaltigen Kraftakt: Es beruht auf reiner Selbstorganisation. In ehemaligen Fabrikhallen und auf Parkplätzen finden wöchentlich Tauschmärkte statt. Kekse, Fleischbällchen, Kräutertee, Haareschneiden, Taxifahren, Fliesenlegen – auf den legalen Schwarzmärkten Argentiniens bekommt man alles: Mit Creditos!

Parallelwährung mit Gewicht

Das Prinzip: Man tauscht eine Dienstleistung und legt noch Creditos drauf, je nachdem wie hoch man den Wert der Dienstleistung oder der Ware einschätzt. Für einen Haarschnitt und zwei Creditos bekommt man beispielsweise einen bunten Strauß Papierblumen.

Ein Kleidungsstück kostet auf dem Markt etwa 40 Creditos. Das sind ca. 30 Cent. Auch einige Stadtverwaltungen akzeptieren die Noten mit eigenem

Finanzkrise in Argentien

Die Bevölkerung ist arm

Wasserzeichen mittlerweile als legales Zahlungsmittel für kommunale Abgaben: Bezahlt man mit Creditos, bekommt man Essen in der Schule oder im Krankenhaus.

Angesichts der finanziellen Misere des Landes drücken die städtischen Behörden beim Tauschklub beide Augen zu: Eine Gewerbe- und Einkommenssteuer bezahlt niemand. Der Staat ist eher erleichtert, dass sich die Menschen selber helfen.

"Steueroase" Tauschklub

Mindestens 250.000 Menschen bezahlen jetzt schon mit dem neuen Geld. Allesamt Mitglieder in de Sanzos Klub. In einem Jahr werden fünf Millionen Argentinier mit Creditos bezahlen, schätzt er. Das ist jeder siebte Argentinier. Die neue offizielle Währung könnte dann in einigen Jahren vielleicht Credito lauten.

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