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Aktuell Deutschland

Feuer in Tröglitzer Flüchtlingsheim wohl vorsätzlich gelegt

Die Gemeinde Tröglitz hatte zweifelhafte Berühmtheit erlangt, als ihr Bürgermeister wegen Neonazi-Anfeindungen zurücktrat. In dem geplanten Asylbewerberheim hat es nun gebrannt - die Polizei geht von Brandstiftung aus.

Das Feuer in dem geplanten Tröglitzer Flüchtlingsheim ist nach Erkenntnissen der Ermittler vorsätzlich gelegt worden. Das schrieb die Polizei Sachsen-Anhalt Süd in einer Mitteilung, die vor Beginn einer Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft in Halle auslag. Dort wurden auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff und Innenminister Holger Stahlknecht erwartet.

Bislang sei bekannt, dass eine oder mehrere Personen in das Haus eingebrochen seien und dort das Feuer gelegt hätten, hieß es weiter. "Dabei wurde mit großer Wahrscheinlichkeit auch Brandbeschleuniger verwendet."

Verdacht: Politisch motivierte Brandstiftung

Der Brand in der Ortschaft in Sachsen-Anhalt war in der Nacht zum Samstag ausgebrochen. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts auf politisch motivierte Brandstiftung. Zwei Bewohner des Hauses konnten sich unverletzt in Sicherheit bringen. Die beiden Deutschen seien derzeit die einzigen Bewohner des Gebäudes, teilte die Polizei mit.

Das gesamte Dach sei durch das Feuer zerstört worden. Nach ersten Schätzungen der Polizei entstand ein Schaden im sechsstelligen Bereich. Im Mai sollten die ersten Flüchtlinge in dem Gebäude untergebracht werden, insgesamt 40 Menschen bietet es Platz.

"Bleibende Schande für Tröglitz"

Der zurückgetretene Bürgermeister von Tröglitz, Markus Nierth, äußerte sich entsetzt über das Feuer. "Davon wird Tröglitz sich wohl nie erholen", sagte er dem Berliner "Tagesspiegel". Er sei "fassungslos, traurig und wütend zugleich." Davon, dass das Feuer vorsätzlich gelegt wurde, sei er überzeugt: "Da ist die braune Saat so weit aufgegangen, dass man nun lieber Häuser niederbrennt, in denen Familien eine neue Bleibe finden sollten." Den Brand nannte er "eine bleibende Schande für Tröglitz", die "noch viele unabsehbare Folgen haben wird".

Markus Nierth, ehemaliger Bürgermeister von Tröglitz (Foto: dpa)

Tröglitz sei kein "braunes Nest", verteidigte Markus Nierth seine Gemeinde

"Schlimmer Verdacht"

Bundesjustizminister Heiko Maas äußerte sich ebenfalls schockiert über die Möglichkeit einer Brandstiftung. "Wenn Flüchtlingsheime brennen, ist das beschämend", sagte der SPD-Politiker der Zeitung "Welt am Sonntag". "Wo immer Rechtsextreme Stimmung machen gegen Ausländer, müssen wir gemeinsam dagegen halten."

Von Rechtsextremismus bedroht

Seit

Nierth seinen Rücktritt erklärte

, war das 2500-Seelen-Dorf bundesweit in den Schlagzeilen. Rechtsextreme wollten direkt vor seiner Haustür gegen die geplante Unterbringung der Asylbewerber in Tröglitz demonstrieren. Der ehrenamtliche Bürgermeister fühlte sich von dem geplanten Aufmarsch bedroht und sah seine Familie nicht gut genug geschützt. Von Behörden, Parteien und der Nachbarschaft fühlte er sich allein gelassen. Nierth hatte bis dahin gegen alle Widerstände, auch aus der Bevölkerung, die Plänen für das Flüchtlingsheim durchgesetzt und für eine "Willkommenskultur" geworben.

"Zerfall der Demokratie"

Der Schritt des ehemaligen Tröglitzer Bürgermeisters löste eine bundesweite Debatte aus. Menschenrechtsgruppen, Bürgerrechtler und Landtagsabgeordnete beklagten eine Passivität der Staatsmacht. Es war gar vom "Zerfall der Demokratie" und einer "Kapitulation vor den Neonazis" die Rede.

Am vergangenen Dienstag hatte Götz Ulrich, der Landrat des zuständigen Burgenlandkreises, bei einer Bürgerversammlung mit rund 500 Teilnehmern über die Unterbringung der Flüchtlinge informiert. Bei dieser Gelegenheit räumte der CDU-Politiker auch Fehler ein: "Ich schließe nicht aus, dass ich und einige andere Verantwortliche im Vorfeld nicht ausreichend den Bewohnern zugehört haben".

nin/sti/jj (dpa, afp, epd)