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Kultur

Feucht oder trocken

Der "David" des Michelangelo muss generalüberholt werden. Doch wie soll der Schmutz von anderthalb Jahrhunderten entfernt werden? Die Antwort auf die Frage hat einen internationalen Streit unter Restauratoren ausgelöst.

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Im Mittelpunkt einer Kontroverse: "David" von Michelangelo

Nachdem die Reinigungsversuche mit Pinseln und Tupfern nicht den gewünschten Erfolg hatten, machen die Italiener jetzt kurzen Prozess: Staub und Schmutz soll mit Wattebäuschen zu Leibe gerückt werden, die mit doppelt destilliertem Wasser getränkt wurden. Doch internationale Kunstexperten laufen Sturm gegen die Entscheidung, die bekannteste Skulptur der Welt mit der "feuchten Reinigungsmethode" wieder auf Hochglanz zu bringen.

Wer sind die wahren Experten?

Auch in Italien ist die "Waschung" nicht unumstritten, doch die Verantwortlichen in Florenz weisen die Kritik als unbegründet zurück. "Die Statue ist ja nicht aus Schokolade. Die Reinigung ist risikolos", sagt Antonio Paolucci, Chefkurator der Museen von Florenz. Elf Jahre lang hat ein Team unter Paoluccis Leitung Davids Schadstellen und Schönheitsmakel digital kartiert. Die Kritik kommt vor allem von amerikanischen und britischen Kunstexperten. Die Methode könne den Carrara-Marmor beschädigen, aus dem Michelangelo zwischen 1503 und 1504 die über vier Meter hohe Statue gemeißelt hat, sagen sie.

Die Gruppe "Artwatch International", die von Professor James Beck von der Columbia University geleitet wird, plädiert dafür, David so zu lassen, wie er ist. Beck hat einen Appell initiiert, der von rund 40 Angehörigen seiner Zunft unterschrieben worden ist. Doch darunter seien auch Kunstexperten, "die sich nicht mit Restaurierung auskennen", wischt Paolucci die Warnungen vom Tisch. "Wir Italiener akzeptieren von niemandem Lektionen in dieser Materie, in der wir Weltspitze sind".

Doch der Kurator bekommt auch Gegenwind aus den eigenen Reihen. Im Frühjahr 2003 trat die mit den Restaurierungsarbeiten betraute Expertin Agnese Parronchi zurück, weil sie die Wasser-Methode ablehnte. Sie bestand darauf, die Skulptur mit Hilfe von Lederlappen, Pinseln und Gummi einer "sanften" Reinigung zu unterziehen.

Im September soll jetzt die Italienerin Cinzia Parnigoni mit der umstrittenen Arbeit beginnen. Ihre Methode sieht vor, die 5,6 Tonnen schwere Statue mit Packungen aus destilliertem Wasser zu reinigen. Die Wickel sollen 15 bis 20 Minuten einwirken und den Schmutz aufsaugen. Bis zum 500. Jahrestag der Enthüllung der Statue am 8. September 2004 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Wechselvolle Geschichte der Skulptur

Der berühmte Skulptur hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Der 26-jährige Michelangelo bekam 1501 von der Stadt Florenz den Auftrag, die Statue zu meißeln, die eine der Hauptattraktionen der Stadt werden sollte. Michelangelo wählte just einen Marmorblock aus, der 40 Jahre lang unbenutzt in einem Marmor-Steinbruch gestanden hatte. Andere Künstler hatten ihn als nicht gut genug befunden. Schon 1527 war die Skulptur schwer beschädigt worden, als im Zuge von Unruhen der linke Arm abgebrochen und notdürftig wieder angebracht wurde.

Anfang des 19. Jahrhundert wurde sie erneut beschädigt, als Restauratoren den David mit einer Säurelösung reinigen wollten. Dies sei "barbarisch" gewesen, meinen die Experten heute. Fast 400 Jahre lang stand der David vor dem Palazzo Vecchio auf der Piazzadella Signoria. 1873 wurde beschlossen, den David nicht länger der Hitze und dem Regen auszusetzen und ihn in die Galleria dell' Accademia zu bringen. Seitdem steht vor dem Palazzo Vecchio eine Kopie. (arn)

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