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Kultur

Feuchert: "Wir dürfen nicht schweigen"

Der Writers in Prison Day (15.11.) erinnert an verfolgte Autoren weltweit. Das deutsche PEN-Zentrum macht auf ihre Schicksale aufmerksam. Für viele ein wichtiges Zeichen, sagt PEN-Vizepräsident Sascha Feuchert.

Deutsche Welle: Herr Feuchert, jedes Jahr am 15. November erinnert der Writers-in-Prison-Tag weltweit an Schriftsteller und Journalisten, die in Haft sind oder verfolgt werden. Und jedes Jahr muss man erneut die Frage stellen: Wo sind Autoren besonders gefährdet?

Sascha Feuchert: Es gibt mehrere Brennpunkte auf der Welt. Das momentan gefährlichste Land für Journalisten und Autoren ist sicher Mexiko, denn dort sind sie nicht nur den staatlichen Repressalien unterworfen, sondern auch bedroht von Drogenkartellen. Wir haben gerade in unserem Writers-in-Exile-Programm eine Kollegin aus Mexiko hier in Deutschland, Ana Lilia Perez, die das Land schnell verlassen musste, weil sie dort mit massiven Morddrohungen konfrontiert war.

Wie ist es Ihnen denn gelungen, sie nach Deutschland zu holen?

Sie konnte ausreisen, und wir können mit unserem Writers-in-Exile-Programm den Kollegen Stipendien gewähren, die bis zu drei Jahren dauern. Die Mittel stammen aus dem Bundeshaushalt, sodass sie sich für drei Jahre hier konsolidieren und ihrer Arbeit in Sicherheit nachgehen können.

Inwieweit unterstützt das PEN-Zentrum, dass Autoren ihrer Arbeit nachgehen können und ihre Werke publizieren können?

Wir haben natürlich ein dichtes Netzwerk in Deutschland, wir sind wohl auch die größte Schriftstellervereinigung hier, sodass wir Kontakte herstellen können. Wir verschaffen ihnen Auftritte, Lesungen, Diskussionen, damit sie über ihre Arbeit und über ihr Schicksal berichten können.

Wir sprechen jetzt über ein Stadium, in dem Autoren schon das Land verlassen haben, in dem sie Repressionen ausgesetzt waren. Was kann denn das Writers-in-Prison-Komitee von Deutschland aus für Autoren tun, die in ihren Ländern inhaftiert sind?

Schreibmaschine vor trister Wand. (c) Fotolia

Das Writers-in-Prison-Komitee macht auf das Schicksal verfolgter Autoren aufmerksam

Da sind wir logischerweise ein kleines bisschen weniger erfolgreich. Aber wir können diese Fälle in die Öffentlichkeit bringen und sie in der Öffentlichkeit halten. Wir machen das einmal über unsere Homepage und Social Media Kanäle, natürlich auch durch Presseveröffentlichungen. In der Öffentlichkeit halten heißt oft, dass Diktatoren oder andere Unrechtsregime diese Menschen nicht einfach verschwinden lassen können. Öffentlichkeit ist hier sehr wichtig. Daneben versuchen wir selbstverständlich, mit den inhaftieren Kolleginnen und Kollegen in Kontakt zu treten, mit ihnen brieflich Kontakt herzustellen, sodass sie wissen, dass sie nicht vergessen sind und nicht allein. Das gelingt uns leider nicht in jedem Falle.

Wie bekommen Sie denn Rückmeldungen? Das ist ja nicht ganz einfach, wenn man - sagen wir - in Kasachstan in Haft ist.

Sie nennen gerade Kasachstan, da kann ich Ihnen den Fall des Dichters Aron Atabak nennen, wir haben brieflichen Kontakt mit ihm, wir haben ihm vor etwa 8 Wochen einen Brief geschrieben, und er konnte tatsächlich antworten. Er hat uns mit einem Gedicht geantwortet, das er uns gewidmet hat, und mit einem etwas längeren Brief. Selbstverständlich unterliegen diese Briefe häufig der Zensur. Manche inhaftierte Autoren erhalten zwar unsere Briefe, können aber nicht antworten. Von ihnen erfahren wir oft hinterher, dass sie die Briefe bekommen haben. Selbst wenn sie zensiert waren, war das für Viele sehr wichtige Zeichen.

Schauen wir mal zurück: Das Writers-in-Prison-Komitee gibt es seit mehr als 50 Jahren. Man kann nicht sagen, dass in dieser Zeit weltweit die Lage für Autoren besser geworden wäre. Wird Ihnen heute nicht Angst und Bange in einer Zeit, in der die Überwachung auch in Staaten um sich greift, die Rechtsstaatlichkeit und Freiheit für sich reklamieren?

Verschiedene Autorenlexika. (c) dpa - Bildfunk+++

PEN veröffentlicht halbjährlich eine Liste verfolgter Autoren

Natürlich! Das betrachten wir mit großer Sorge. In der Tat ist die Freiheit des Wortes ein so fundamentales Grundrecht, sodass es aus einer Demokratie einfach nicht wegzudenken ist. Und wir sehen mit großer Sorge, was jetzt auch in westlichen Ländern passiert - und äußern uns dazu auch. Sie haben sicherlich recht mit der Einschätzung, dass die Lage weltweit für verfolgte Autoren nicht besser geworden ist. Aber das heißt ja nicht, dass man deshalb aufgeben muss. Es handelt sich immer um Individuen, und für die kämpfen wir.

Sie haben gerade westliche Staaten angesprochen. Was unternimmt das internationale PEN-Zentrum konkret mit Blick auf die USA?

Wir haben und gerade zur NSA-Affäre, zur Snowden-Affäre sehr deutlich geäußert, wir haben Offene Briefe an die US-Regierung gerichtet, und wenn das der Internationale PEN macht, in dem wirklich große Namen versammelt sind, dann hört man auch zu - ich nenne nur mal den Schriftsteller Salman Rushdie als Beispiel. Ob das Folgen hat, das weiß ich nicht. Aber wir dürfen nicht schweigen, und wir tun das auch nicht.

Sascha Feuchert, geboren 1971, ist Beauftragter des deutschen Writers-in-Prison-Komitees. Feuchert ist auch Vizepräsident des PEN-Zentrums Deutschland, das seinerseits zur internationalen Schriftstellervereinigung P.E.N. gehört – den "Poets, Essayists, Novelists".

Das Gespräch führte Aya Bach.

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