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Fettiges

Ohne es können wir nicht leben. Zu viel davon ist ungesund. Zu wenig aber auch. Menschen, Tiere und Maschinen funktionieren nicht ohne es. In welcher Form es erscheint, ist unterschiedlich.

Es kann fest oder flüssig, natürlich oder synthetisch sein. In ganz bestimmten Verbindungen erscheint es als ungesättigte Variante, in anderen wiederum als gesättigte. Es lässt sich schmelzen, und wenn es schön flüssig ist, lassen sich allerlei Zusätze hineinmischen. Des Rätsels Lösung ist: das Fett.

Ohne Fett schmeckt's nicht so gut

Fett ist nicht nur nahrhaft, sondern auch Geschmacksträger. Und wenn dieser fehlt, schmeckt zwar alles außerordentlich gesund, aber der rechte Genuss will sich nicht einstellen. Deshalb laufen Genießer guten Essens und Trinkens Gefahr, Fett anzusetzen.

Ganz langsam und schleichend bilden sich Fettringe um Hüfte, Bauch und Taille. Die runden Wölbungen um die Gürtellinie sind bald nicht mehr zu übersehen.

Fettige Sünden rächen sich

Zwei Männer mit leichtem Bauchansatz in Badehosen am Strand

Zuerst bilden sich kleine Fettringe

Ein Fettansatz bildet sich schnell, wenn man nicht widerstehen kann: all den fetten Braten, Weihnachtsgänsen, den in schwimmendem Fett gebackenen Schmalzgebäck, das sich so harmlos Berliner nennt, den dicken Saucen, schweren Weinen und so weiter und so fort.

Irgendwann ist die Kleidung dann – meist um die Leibesmitte – so eng geworden, dass die Hose und der Gürtel spannen. Aus dem kleinen, harmlosen Fettansatz ist ein Fettwanst geworden – wanst ist eine alte Bezeichnung für Bauch. Wer als Fettwanst beschimpft wird, dessen Leibesfülle hat das normale Maß überschritten. Er besucht dann die Geschäfte für Übergröße. Wenn sein Arzt gar eine Fettleber diagnostiziert, sollte er schleunigst gesünder essen und weniger Alkohol trinken.

Eine kleine Fettkunde

Zwei Bauernkrapfen

Fettige sünden rächen sich irgendwann

Mit dem Fett ist das so eine Sache Da gibt es – ganz tückisch – die versteckten Fette in Wurst und vor allem Käse. Sie geben dem Käse etwa seinen extrafeinen, rahmig-cremigen Geschmack. Oder schmeckt Ihnen ein Mager-Camembert? Nun sind ja nicht nur 60-prozentige Camemberts fett, auch schmackhafte Cremetorten.

Es ist einfach traurig. Alles, was schmeckt, macht fett, also dick. Aber ganz auf Fette verzichten sollte man nun auch nicht. Fettbewusste Ernährung bedeutet nicht, dass man gar kein Fett mehr essen darf. Nur bewusst sollte man sie zu sich nehmen. So sind ungesättigte Fettsäuren gesünder als gesättigte.

Schützendes Fett

Fett hat auch eine schützende Wirkung. Wer kennt nicht die Wintermonate mit trockener Heizungsluft, in denen die Haut rissig und spröde wird. In denen man sich permanent die Hände mit fettiger Creme einreiben muss, damit sie geschmeidig bleiben, oder in denen man sich Fettstifte aus der Jackentasche zieht, um die trockenen Lippen wieder geschmeidig zu bekommen.

Auch Vögel können ohne das schützende Fett auf ihrem Gefieder nicht überleben. Die gefetteten Federn halten die Tiere im Winter warm. Lösen etwa Chemikalien die schützende Fettschicht auf, gefrieren die Federn zu Eisklumpen und die Tiere verenden. Eine Fettschicht futtern sich viele Tiere an, um die kargen Wintermonate zu überstehen.

Schwimmende Fettaugen

Eine andere Fettschicht bildet sich auf fettigen Suppen und Saucen, wenn sie erkalten. Früher galten Suppen als besonders nahrhaft und gesund, wenn Fettaugen auf ihnen schwammen, also kleine, runde Ansammlungen von Fett, die einen aus der Suppe angucken wie Augen.

Ein Hörer der Deutschen Welle schrieb einmal: "Die Deutsche Welle ist das Fettauge auf der trüben Suppe meines Lebens". Poetischer könnte man die Liebe zum Sender nicht ausdrücken. Weniger nett ist, wenn man einem dicken Menschen, der schwimmen gehen will zuruft: "Du gehst bestimmt nicht unter. Du weißt ja, Fett schwimmt oben".

Nur keine Fettnäpfchen!

Zwei Frauen sitzen voneinander abgewandt auf einer Parkbank

Da bin ich wohl in ein großes Fettnäpfchen getreten!

Dann könnte man nämlich in ein ganz großes Fettnäpfchen getreten sein. Man hat denjenigen – vielleicht sogar unbeabsichtigt – beleidigt. Ganz große und beliebte Fettnäpfchen, in die man treten kann, sind jemanden älter zu machen, als er oder sie ist.

Oder bei der besten Freundin über die Hässlichkeit von schweinchenrosa Pullovern abzulästern – und diese zieht ihre Jacke aus und trägt just einen Pullover in dieser Farbe. Eine Belastungsprobe für die Freundschaft!

Fettnäpfchen gab es aber wirklich einmal. In alten Bauernhäusern standen sie zwischen Ofen und Tür. Wenn jemand von draußen hereinkam, schmierte er die nassen Stiefel darin ein, damit das Leder nicht verdarb.

Sein Fett abkriegen

Wer jedoch sprichwörtlich ins Fettnäpfchen tritt macht sich nicht gerade beliebt und bekommt dann nicht selten sein Fett ab. Das heißt, er wird zurechtgewiesen, getadelt. Auch das Fett abkriegen war ursprünglich etwas ganz Konkretes.

Bei der Hausschlachtung bekam jeder sein Fett mit nach Hause. Aus welchem Grund der Ausdruck sein Fett abkriegen heute eine ausschließlich negative Bedeutung hat, bleibt unter einer sprachlich-historischen Fettschicht verborgen.

Fettflecken

Hoffentlich haben wir einige sprachliche Fettflecken hinterlassen. Nur einmal so, unter uns. Bitte keine Chemikalien anwenden, um sie zu entfernen. Das wäre schade. Vor lauter Frust müssten wir dann zur Schokolade greifen. Und die hat einen sehr hohen Fettanteil!

Fragen zum Text

Wenn jemand Fett ansetzt, dann …

1. mischt er Fett, um daraus eine Creme herzustellen.

2. nimmt er zu.

3. führt er eine Butterdose zum Mund.

In ein Fettnäpfchen getreten ist jemand, der …

1. jemand anderen lobt.

2. jemand anderen verärgert.

3. beim Schuhe putzen in die Creme tritt.

Sagt jemand "Du bist fett" ist das …

1. eine Beleidigung.

2. ein Kompliment.

3. eine Vorhersage.

Arbeitsauftrag

Überlegen Sie sich in der Gruppe, in welche Fettnäpfchen jeder von Ihnen einmal getreten ist. Schreiben Sie Ihre Geschichte auf und lesen Sie sie der Gruppe vor.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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