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Amerika

Festnahmen wegen Mordes an Eduardo Frei

1982 starb Chiles Ex-Präsident Eduardo Frei Montalva angeblich an den Folgen einer Routine-Operation. Jetzt wurden sechs Männer wegen Mordes an Frei verhaftet - sechs Tage vor den Präsidentschaftswahlen.

(Foto: AP)

Am 8. Dezember kam es zu Demonstrationen am Grab Eduardo Freis

Die chilenische Polizei nahm am Montag (07.12.2009) sechs Männer fest, die des Mordes an Edurado Frei Montalva verdächtigt werden. Wie die chilenische Tageszeitung "La Nación" berichtete, veranlasste Richter Alejandro Madrid die Inhaftierung von vier früheren Ärzten, einem ehemaligen Geheimdienstagenten und dem damaligen Fahrer Frei. Die Justiz geht davon aus, dass Frei Montalva während eines Klinikaufenthalts vergiftet wurde.

(Foto: AP)

Freis Christdemokraten unterstützten anfänglich Pinochets Putsch

Der charismatische Politiker, von 1964 bis 1970 Präsident Chiles, war am 22. Januar nach einer harmlosen Operation wegen eines Leistenbruchs im Alter von 71 Jahren verstorben – nach offiziellen Angaben an den Folgen des Eingriffs. Laut Haftrichter starb Frei Montalva jedoch durch toxische Substanzen, die erst jetzt nachgewiesen werden konnten. Demnach wurde er mit Sarin vergiftet.

Vom Bündnispartner zum Gegner Pinochets

Frei Montalva gewann 1964 die Präsidentschaftswahlen gegen den linksgerichteten Kandidaten Salvador Allende. Zu Allendes ab 1970 regierender Volksfront stand der Christdemokrat Frei in scharfer Gegnerschaft und tolerierte anfänglich ihren Sturz durch den Militärputsch am 11. September 1973. In der Folgezeit wandte sich Frei jedoch gegen die Junta unter General Augusto Pinochet. 1976 klagte er in einer Streitschrift deren "faschistischen Charakter" an. Dennoch wurde Frei 1982 in einem Staatsbegräbnis beigesetzt, an dem - unter dem Protest der Bevölkerung - auch Staatschef Pinochet und die Regierung teilnahmen.

Präsidentin Michelle Bachelet, die selbst während der Militärdiktatur Pinochets (1973- 1990) im Gefängnis saß und deren Vater nach Folterungen in Haft starb, begrüßte die richterliche Anordnung: "Die Gerechtigkeit braucht ihre Zeit, aber sie kommt", sagte Bachelet. Sie äußerte die Vermutung, Freis Kritik am Pinochet-Regime könnte Anlass für seine Ermordung gewesen sein.

Opposition kritisiert Zeitpunkt der Verhaftungen

(Foto: AP)

Präsidentschaftskandidat Eduardo Frei Ruiz-Tagle

Kritik kam dagegen aus den Reihen der konservativen Opposition, die die Pinochet-Diktatur unterstützte. Zwar sei das ganze Land für die Aufklärung dieses Falles, sagte der Generalsekretär der rechtskonservativen UDI, Víctor Pérez, und ergänzte mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen am Sonntag: "Aber es wäre ein Zeichen äußerst schlechten Geschmacks, wenn daraus politisches Kapital geschlagen werden sollte." Frei Montalvas Sohn, Eduardo Frei Ruiz-Tagle, von 1990 bis 1994 bereits einmal Präsident Chiles, tritt am Sonntag als Kandidat der regierenden Mitte-Links-Koalition an.

Autor: Sven Töniges (dpa/epd)

Redaktion: Mirjam Gehrke