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Deutschland

Festnahmen nach Attentat auf Passauer Polizeichef

Nach dem Mordanschlag auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl hat die Polizei zwei Tatverdächtige vorläufig festgenommen.

Herrmann (l.) und Generalstaatsanwalt Christoph Strötz auf einer Pressekonferenz (AP Photo/PNP, Thomas Jaeger)

Herrmann (l.) und Generalstaatsanwalt Christoph Strötz auf einer Pressekonferenz. Herrmann: "Eskalation der Gewalt"

Ein Sprecher der Polizei in Regensburg bestätigte am frühen Montagmorgen einen entsprechenden Bericht der "Passauer Neue Presse" vom Montag (15.12.2008)

"Auf die beiden Personen trifft die Beschreibung von Herrn Mannichl zu, sie werden jetzt überprüft", hatte der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Walch der Zeitung zuvor gesagt. Näheres müsse sich aus den weiteren Vernehmungen ergeben. Am Montag werde entschieden, ob es zu einer Vorführung vor dem Haftrichter kommt.

Schwer verletzt, aber nicht in Lebensgefahr

Der Polizeichef von Passau war am Samstag Opfer eines Anschlags mit vermutlich rechtsextremem Hintergrund geworden. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sprach von einer neuen Dimension rechter Verbrechen in dem Bundesland. Durch den Messerangriff wurde der 52-Jährige schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonntag mit.

Der laut Polizei kahl geschorene, 1,90 Meter große Angreifer hatte am späten Samstagnachmittag an Mannichls Privathaus im Landkreis Passau geklingelt. Nachdem ihm der Polizeichef geöffnet hatte, hatte er diesen zunächst bedroht und ihm dann ein Messer in den Bauch gestochen. Anschließend sei er mit einem Auto geflüchtet. Ob der Mann das Auto selbst steuerte oder ein möglicher Mittäter darin saß, ist noch unklar.

Staatsanwalt: Versuchter Mord

Mannichl befindet sich nach einer Notoperation auf dem Weg der Besserung, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Der leitende Oberstaatsanwalt Helmut Walch stufte den Angriff als versuchten Mord ein, eine 20-köpfige Sonderkommission übernahm die Ermittlungen. Als rechtsextrem stuften die Beamten die Tat vor allem wegen der Äußerungen des Angreifers ein. Dieser habe sein Opfer mit den Worten "Viele Grüße vom nationalen Widerstand" angesprochen. Außerdem sagte er laut Walch: "Du linkes Bullenschwein, du trampelst nimmer auf den Gräbern unserer Kameraden herum."

Hakenkreuz im Grab

(AP Photo/Polizei Bayern)

Alois Mannichl auf einem von der Polizei Bayern herausgegebenen undatierten Archivbild

Mannichl hat den Ruf eines ebenso umsichtigen wie auch professionellen Polizisten. Er ist seit 35 Jahren bei der bayerischen Polizei und hat bereits eine ganze Reihe von Führungspositionen besetzt. Nach seiner Zeit bei der Grenzpolizei wurde er 1997 Chef der Abteilung für organisierte Kriminalität beim Regensburger Polizeipräsidium. Später wurde er zunächst stellvertretender Leiter der Passauer Polizei, ehe er im September 2004 zum Polizeidirektor in der niederbayerischen Dreiflüssestadt ernannt wurde.

Mannichl gilt seit einiger Zeit als Feindbild von Rechtsextremen. Da in diesem Jahr die Zahl der rechten Gewalttaten im Bereich seiner Polizeidirektion stark zugenommen hat, ging Mannichl bei Aufmärschen von Skinheads und in anderen Fällen konsequent gegen die Extremisten vor. Er wollte nicht zulassen, dass die Region immer mehr zu einem Zentrum rechter Umtriebe wird. Die Aussage des Attentäters "Du trampelst nimmer auf den Gräbern unserer Kameraden herum" könnte nach Einschätzung der Ermittler auf einen Vorfall vom Sommer zurückgehen. Damals war bei der Beerdigung des mit 79 Jahren verstorbenen Rechtsextremisten Friedhelm Busse eine Hakenkreuz-Fahne mit ins Grab geworfen worden, wie Polizisten beobachtet hatten. Daraufhin wurde das Grab nach der Beerdigung noch einmal geöffnet, die Fahne beschlagnahmt und ein Verfahren eröffnet. Bei der Beerdigung war auch NPD-Chef Udo Voigt anwesend, der auch Augenzeuge des Vorfalls war. Die Passauer NPD titelte auf ihrer Homepage: "Polizeidirektor Mannichl belästigt Trauergäste".

Innenminister: Eskalation der Gewalt

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte, sollte sich der Verdacht eines rechtsextremen Hintergrunds bewahrheiten, "hätte die Gewalt von Rechts eine völlig neue Dimension erreicht. Das ist eine Eskalation der Gewalt". Nach Angaben des bayerischen Innenministeriums hat sich die Zahl der polizeilich bekannten Straftaten aus dem Bereich des Rechtsextremismus bei der Polizeidirektion Passau im Vergleich zum vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Bisher seien 83 Straftaten polizeilich bekannt geworden, im gesamten Jahr 2007 waren es nur 40 Delikte. (mas/kap)