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Welt

Festnahmen nach Anschlag in Marrakesch

Eine Woche nach dem Bombenanschlag auf ein Touristen-Café in Marrakesch mit 16 Toten hat die marokkanische Polizei drei Tatverdächtige festgenommen. Hinter dem Attentat wird Al Kaida vermutet.

Polizisten suchen nach Anschlag im Cafe Argana nach Spuren (Foto:AP)

Polizisten suchen nach dem Anschlag im Cafe Argana nach Spuren

Wie das marokkanische Innenministerium am späten Donnerstagabend (05.05.2011) mitteilte, gilt einer der drei Festgenommenen als Haupttäter. Er soll die Bombe gebaut haben. Der Mann habe einen islamistischen Hintergrund und gehöre zum Terrornetzwerk Al Kaida.

Marokkos Innenminister Cherkaoui (Foto: picture alliance)

Marokkos Innenminister Cherkaoui

Er habe zuvor mehrfach versucht, unter anderem mit Terroristen in Tschetschenien und im Irak in Kontakt zu treten, sich dann aber für einen Anschlag in Marokko entschieden.

Bauplan aus dem Internet

Seine Kenntnisse zur Herstellung des Sprengstoffs habe er im Internet erworben, hieß es weiter. Nach Angaben eines Vertreters der Sicherheitsbehörden wurden die drei Marokkaner in Safi, rund 350 Kilometer südlich von Casablanca, aufgegriffen. Sie seien der Polizei bereits bekannt gewesen und sollen in der Vergangenheit Kämpfer für den Irak rekrutiert haben.

Beliebter Touristenort

Das Kaffeehaus "Argana" in Marrakesch habe der Attentäter wegen dessen Beliebtheit bei marokkanischen und ausländischen Touristen ausgewählt. Zu den Todesopfern des Anschlags vom 28. April gehören acht Urlauber aus Frankreich. Das "Argana" gilt als Touristenmagnet in der Wüstenstadt Marrakesch. Es liegt am "Jamaa el-Fna", dem "Platz der Gaukler". Das von historischen Bauten umgebene Gelände gehört zum Unesco-Weltkulturerbe. Marrakesch ist die Touristenhochburg des nordafrikanischen Landes. Jährlich werden mehr als eine halbe Million ausländische Besucher gezählt.

Handschrift der Al Kaida

Hinter dem Anschlag hatten die Ermittler bereits vor einer Woche die Terrorgruppe "Al Kaida im islamischen Magreb" vermutet. Die Vorgehensweise der Täter trage die Handschrift dieser Organisation, hatte Innenminister Taieb Cherkaoui mitgeteilt. Der mit Nägeln gespickte Sprengsatz war nach derzeitigen Erkenntnissen ferngezündet worden. Bislang hat sich jedoch noch keine Organisation zu dem Anschlag bekannt.

Marokkanische Polizisten nehmen im März in Casablanca einen Demonstranten fest (Foto:AP)

Marokkanische Polizisten beim Einsatz im März in Casablanca

Nach übereinstimmender Auffassung von Regierung und Opposition zielte der Anschlag auf den Reformprozess, den König Mohammed VI. angekündigt hat. Auch in Marokko hatte es Demonstrationen für demokratische Reformen gegeben. Von politischen Unruhen und Umwälzungen wie in anderen arabischen Ländern ist Marokko aber bislang verschont geblieben. Unmittelbar nach dem Anschlag hatte Wirtschaftsminister Salahedin betont: "Wir werden dem Terror keinen Schritt weichen, die demokratische Öffnung ist nicht aufzuhalten." Vorbild des Königreiches sei "das europäische Modell".

Der Anschlag vom 28. April war der schwerste in Marokko seit einer Terrorserie in der Küstenstadt Casablanca im Mai 2003. Damals wurden 45 Menschen getötet, unter ihnen zwölf islamistische Selbstmordattentäter.

Autor: Michael Wehling (dpa/afp)
Redaktion: Sabine Faber

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