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Aktuell Europa

Festnahmen in Mordfall des Publizisten Busina in Kiew

Zwei Monate nach der Ermordung des regierungskritischen Journalisten Busina hat die ukrainische Polizei drei Männer unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Der Mord hatte international für Aufsehen gesorgt.

Vor der ukrainischen Botschaft in Moskau ist ein Bild des Journalisten Oles Bursina mit Blumen geschmückt (Archivbild vom April: TASS)

Vor der ukrainischen Botschaft in Moskau ist ein Bild des Journalisten mit Blumen geschmückt (Archivbild vom April)

Die Mörder des prorussischen Journalisten Oles Busina sollen durch DNA-Spuren "überführt" worden sein. Dies teilte Innenminister Arsen Awakow in der Hauptstadt Kiew mit. Vonseiten der Staatsanwaltschaft hieß es, die beiden unter dringendem Tatverdacht Festgenommenen seien Mitte 20 und Kiewer Bürger. Der Publizist war am 16. April vor seinem Wohnhaus in Kiew erschossen worden.

Zu dem Mord hatte sich eine nationalistische Gruppe namens Ukrainische Aufständische Armee (UPA) bekannt. Darüber hinaus übernahm die Gruppe die Verantwortung für den Mord an dem Ex-Abgeordneten Oleg Kalaschnikow und für weitere Attentate. In E-Mails drohte die Organisation damit, weitere "antiukrainische" Personen zu töten. Ein Sprecher des Innenministeriums bezeichnete die Absender als Psychopathen.

Mitglieder des ultranationalistischen Rechten Sektors in Kiew (Archivbild vom Februar 2014: ITAR-TASS)

Mitglieder des ultranationalistischen "Rechten Sektors" in Kiew (Archivbild vom Februar 2014)

Der extremistische Rechte Sektor in Kiew hatte Medien zufolge zuerst über den Mord an Busina berichtet. Dort diskutierten Rechtsextreme mögliche nächste Opfer unter ihren politischen Gegnern.

Der prowestliche ukrainische Präsident Petro Poroschenko zeigte sich damals besorgt über die Vielzahl an Todesfällen in den Reihen der Regierungskritiker. Medien berichteten von mindestens zehn weiteren Todesfällen, die meisten davon angeblich "Selbstmorde". Poroschenko sprach von einer Serie politischer Verbrechen. "Das ist eine bewusste Provokation, die Wasser auf die Mühlen unserer Feinde gießt", sagte Poroschenko nach Businas Tod. Die Taten sollten die innenpolitische Lage im Land destabilisieren. Er verlangte eine lückenlose Aufklärung.

Verschwörungstheorien in Kiew

In Kiew ist die Meinung verbreitet, dass Russland die Morde an Busina und Kalaschnikow initiiert hat. Die Verbrechen sollen demnach die Gesellschaft in dem von einer Wirtschaftskrise und einem Krieg gegen Separatisten erschütterten Land weiter spalten. Das russische Außenministerium wies solche Vorwürfe empört zurück. Sollte die Ukraine die Bluttaten nicht schnell und lückenlos aufklären, drohe dem Land eine langfristige Destabilisierung und "politischer Terror", hieß es.

Auch die Vereinten Nationen hatten eine völlige Aufklärung gefordert. Die Verbrechen seien beunruhigend, sagte eine Sprecherin des UN-Hochkommissars für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, in Genf. Nötig seien eine "schnelle, unabhängige und glaubwürdige Untersuchung" sowie die Bestrafung der Verantwortlichen.

Ukrainische Experten untersuchen nach dem Mord den Tatort (Foto: dpa)

Ukrainische Experten untersuchen nach dem Mord den Tatort

Der 45-jährige Busina hatte seit Jahren mit seinen auflagenstarken Büchern zu Geschichtsthemen und als Kolumnist der Tageszeitung "Segodnja" polarisiert. Er war ein Gegner der proeuropäischen Proteste auf dem Maidan im vergangenen Jahr gewesen. Er galt aber als unabhängiger Kopf mit Distanz auch zu dem gestürzten Staatschef Viktor Janukowitsch. Als Schriftsteller hatte Busina zuletzt "Zensur" durch die neuen prowestlichen Machthaber sowie ein Auftrittsverbot im Fernsehen beklagt. Er legte unlängst seinen Posten als Chefredakteur der Zeitung "Segodnja" nieder.

In dem angeblichen Bekennerschreiben drohten die Verfasser mit der "vollständigen Ausrottung" der Feinde der Ukraine. "Wir entfalten einen gnadenlosen aufständischen Kampf gegen das antiukrainische Regime der Verräter und Moskauer Speichellecker", heißt es etwa. Der Name Ukrainische Aufständische Armee spielt auf eine nationalistische westukrainische Partisanenorganisation während und nach dem Zweiten Weltkrieg an. Die Mitglieder waren für Massaker an Polen und Juden 1943 in Wolhynien verantwortlich.

stu/wl (dpa, ap)

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