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Fokus Osteuropa

Festnahmen bei Gedenken an Doppelmord

Vor einem Jahr wurden der Anwalt Stanislaw Markelow und die Journalistin Anastassia Baburowa erschossen. Menschenrechtler kritisieren die Ermittlungen. Eine Gedenkaktion endete mit Festnahmen von Menschenrechtlern.

Demonstranten halten Markelows und Baburowas Portrait während einer Gedenkaktion wenige Wochen nach deren Ermordung in Moskau (Foto: RIA Novosti)

Gedenken an Markelow und Baburowa wenige Wochen nach deren Ermordung in Moskau

Genau ein Jahr nach dem Mord an dem russischen Menschenrechtsanwalt Stanislaw Markelow und der Journalistin Anastassia Baburowa haben in Moskau mehrere Hundert Menschen mit einer Kundgebung der Toten gedacht. Beide waren am 19.01.2009 auf offener Straße erschossen worden. Markelow hatte unter anderem die am 7.10.2006 ermordete regierungskritische Journalistin Anna Politkowskaja vertreten. Baburowa war freie Mitarbeiterin der Zeitung Nowaja Gaseta, für die auch Politkowskaja gearbeitet hatte.

Kritik an Sicherheitskräften

Behördenvertreter untersuchen am 19.01.2009 den Ort, an dem Stanislaw Markelow ermordet wurde (Foto: RIA Novosti)

Die Ermittlungen führten zu zwei Verdächtigten

Die Demonstration zum Gedenken an Markelow und Baburowa wurde von Aktivisten des "Komitees 19. Januar" organisiert. Nur mit Mühe erhielten sie eine Genehmigung. Den ersten Antrag, der Ende Dezember 2009 gestellt wurde, lehnten die Behörden ab. Ein weiterer Antrag vom 15.01.2010 wurde schließlich genehmigt. Diesen hatten zuvor auch die bekannten russischen Menschenrechtler Ljudmila Aleksejewa, Vorsitzende der Moskauer Helsinki-Gruppe, und Lew Ponomarjow, Führer der Bewegung für Menschenrechte, unterzeichnet.

Trotz der Genehmigung seien die Sicherheitskräfte eingeschritten, berichteten die Organisatoren. Offiziell hieß es, die Aktivisten seien von der Route abgewichen, die von den Behörden festgelegt worden war. Sondereinheiten der Polizei nahmen Dutzende Teilnehmer fest und zerrten diese in einen Bus. Die Polizei habe zudem die Demonstranten während des Marsches aufgefordert Transparente zu entfernen. Darunter seien sogar solche gewesen, die mit den Behörden der Stadt abgestimmt gewesen seien. Die meist jungen Demonstranten verweigerten dies aber.

Täter aus ultranationalistischer Szene?

Stanislaw Markelow wärend einer Pressekonferenz (Foto: AP)

Stanislaw Markelow vertrat die ermordete Journalistin Politkowskaja

In Zusammenhang mit dem Mord an Markelow und Baburowa wurden Anfang November 2009 die mutmaßlichen Täter Nikita Tichonow und Jewgenia Chasis festgenommen. Gegen beide läuft ein Gerichtsverfahren. Die russische Staatsanwaltschaft beschreibt sie als Mitglieder einer ultranationalistischen Bewegung.

Die Verhafteten hätten selbstständig aus persönlicher Überzeug heraus gehandelt. Sie hätten sich an Markelow rächen wollen, weil Markelow die Familie eines ermordeten 19-jährigen Antifaschisten vertreten habe, erklärten die Ermittler.

Markelow habe sich zudem dafür eingesetzt, dass die ultrarechten Gruppierungen, die an dem Mord beteiligt gewesen sein sollen, bestraft würden. Tichonow gestand zunächst die Tat, wiederrief aber später seine Aussage und erklärte, er habe sich nur unter Druck der Behörden selbst bezichtigt. Die mitangeklagte Chasis verweigert bislang jede Aussage.

Zweifel an Ermittlungserfolgen

Menschenrechtsaktivisten äußerten jedoch Zweifel an den bekannt gegebenen Ermittlungserfolgen. Sie zweifelten auch die These an, dass Tichonow und Chasis selbstständig gehandelt haben sollen.

Die Behörden machen seit der Festnahme der beiden Verdächtigen keine weiteren Angaben zum Stand der Ermittlungen. Der Öffentlichkeit liegen daher keine Informationen darüber vor, ob weitere Personen in den Fall verwickelt sind, oder ob die extremistische Gruppierung, der die mutmaßlichen Täter angehört haben sollen, weitere Verbrechen geplant hatte.

Autor: Jegor Winogradow / Markian Ostaptschuk
Redaktion: Fabian Schmidt

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