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Wirtschaft

Fernbusanbieter schließen sich zusammen

Neue Übersichtlichkeit am Fernbusmarkt: Drei Viertel des bundesweiten Angebots kommen unter ein Dach. Doch Deutschland ist dem neuen Marktführer nicht genug.

Nach dem Fernbusboom in Deutschland wollen MeinFernbus und FlixBus gemeinsam ein europaweites Netz aufbauen. Die beiden größten deutschen Anbieter kündigten am Mittwoch an, sich zusammenzuschließen und mehr Fahrten ins benachbarte Ausland anzubieten. In Deutschland sind zusätzliche Expressverbindungen ohne Zwischenhalte, dichtere Takte und neue Ziele geplant. Näheres will der neue deutsche Marktführer an diesem Freitag bekanntgeben.

"Wir bündeln unsere Stärken zu einem gemeinsamen Ziel und nehmen jetzt Kurs auf Europa", sagte FlixBus-Gründer Jochen Engert. MeinFernbus-Gründer Torben Greve kündigte dichtere Fahrttakte und mehr Expressverbindungen an. In den nächsten Monaten wollen beide Anbieter ihre Streckennetze flächendeckend verbinden.

Liberalisierung vor zwei Jahren

Der seit der Liberalisierung vor zwei Jahren boomende Fernbusmarkt bleibt damit in Bewegung. MeinFernbus hatte im vergangenen Jahr 7,2 Millionen Fahrgäste befördert, FlixBus 3,5 Millionen. Gemessen an den Fahrgästen dürften beide damit insgesamt gut die Hälfte des Fernbusmarktes abdecken, gemessen am Angebot sind es nach Zahlen des Berliner Iges-Instituts sogar drei Viertel.

Die MeinFernbus GmbH beschäftigt an ihren Sitz in Berlin 250 Menschen, die Flixbus GmbH in München 230. Hinzu kommen mehrere Hundert Fahrer und Disponenten bei den mittelständischen Partnern. Zum Sitz des fusionierten Unternehmens machten die Beteiligten am Mittwoch keine Angaben. Nach Informationen der Berliner Industrie- und Handelskammer wird es die Bundeshauptstadt sein. "Berlin ist schon heute das wichtigste Drehkreuz im Fernbusmarkt", teilte die Kammer mit. Allein am Berliner Zentralen Omnibusbahnhof seien 2014 mehr als 170.000 Busse abgefertigt, 70 Prozent mehr als im Vorjahr. Zudem halten Fernbusse am Ostbahnhof, am Südkreuz und am Alexanderplatz.

Greift das Bundeskartellamt ein?

Das Bundeskartellamt kann die geplante Fusion aus Sicht der Bus-Unternehmer nicht stoppen. Denn verglichen mit Flugzeug, Auto und Bahn deckt der Bus nur einen kleinen Teil des Fernverkehrsmarktes ab. Allein die Bahn hatte 2013 in ihren ICE-, IC- und EC-Zügen 131 Millionen Fahrgäste.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen widersprach. "Ich bin nicht sicher, ob das Kartellamt da mitmacht", sagte Verkehrsexpertin Marion Jungbluth und warnte vor einem Monopol.

Über die finanziellen Details des Geschäfts sei Schweigen vereinbart worden, hieß es. Beteiligt ist auch der Wachstumsfinanzierer General Atlantic. Dessen Deutschlandchef Jörn Nikolay sprach von einem enormen Wachstumspotenzial im europäischen Fernbus-Linienverkehr.

Harter Wettbewerb

Laut dem Verkehrsforschungsinstitut Iges sind derzeit 28 Fernbus-Betreiber auf dem Markt; sie bieten 249 Linien an und rund 7100 wöchentliche Fahrten. Der Fernbusmarkt in Deutschland ist hart umkämpft. Seit der Marktöffnung für Fernbusse sind die Preise nach Angaben des Marktforschungsunternehmens um 14 Prozent gefallen: Mussten die Kunden zunächst im Schnitt zehn Cent pro Kilometer zahlen, waren es Anfang Dezember 2014 nur noch 8,6 Cent.

Anfang November meldete der Fernbus-Pionier DeinBus.de aufgrund des hohen Wettbewerbs und Kostendrucks Insolvenz an. Zudem zog sich der Automobilclub ADAC aus dem Markt zurück und stieg ebenfalls im November aus dem gemeinsam mit der Deutschen Post gegründeten Unternehmen ADAC-Postbus aus.

ul/fab/hb (dpa, afp)