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Kultur

Fern von Dakar

Sonne, Wüste, halsbrecherische Fahrmanöver, eine Heldin – und ein Toter. Die 25. Rallye Paris-Dakar bot wieder alles wofür sie berühmt und berüchtigt ist, auch wenn sie gar nicht nach Dakar führt.

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Über Sand und Steine

Zyniker könnten sagen, es passe zum Jubiläum: Bei der 25. Rallye Paris–Dakar gab es den 42. Toten. Der 48 Jahre alte Bruno Cauvy, vierfacher Familienvater, starb an einem Genickbruch, als sich auf dem zehnten Teilstück sein Auto bei einer Dünenpassage mehrfach überschlug. Die große Diskussion über Sinn und Unsinn der Veranstaltung blieb aus. Mit Autos, Motorrädern und LKWs Tausende von Kilometern über Sand und Stein durch die Wüsten Afrikas zu rasen ist als Großspektakel längst akzeptiert – und dass dieses regelmäßig Opfer fordert eben auch.

"Mehr oder weniger Verrückte"

Die Geschichte der Rallye Paris-Dakar begann 1977, als der Franzose Thierry Sabine in den Weiten der libyschen Wüste zeitweilig verloren ging - und angeblich kommt man ja in der Wüste auf die seltsamsten Ideen. So auch Sabine: Er dachte sich eine als Sport verklärte Tortur für Mensch und Material aus. Eine Rallye die in Europa startet und die Wüsten Afrikas durchquert. Wie zum Beispiel von Paris nach Dakar. Bereits im Winter 1978/79 verwirklichte sich Sabines Vision erstmals.

"Die Dakar hat mit dem Rallye-Sport überhaupt nichts zu tun", kritisierte einst der zweifache Rallye-Weltmeister Walter Röhrl. "Das ist etwas für mehr oder weniger Verrückte". Von diesen "Verrückten" wurde aber ein Mythos geboren: der vom vermeindlich letzten Abenteuer. Und der Mythos erwies sich als hervorragend verkaufbar: Medien bekommen atemberaubende Bilder geliefert, Autohersteller können sich kaum eine bessere Bühne die Möglichkeiten zur Darstellung ihrer Produkte wünschen.

Sandstürme, Unfälle, Minen

Dem Reiz der Dakar verfallen auch zahlreiche Prominente. Der monegassische Thronfolger Prinz Albert nahm zweimal teil, seine Schwester Prinzessin Caroline ein Mal. 1982 machte Mark Thatcher, Sohn der damaligen englischen Premierministerin Schlagzeilen, indem er ganze drei Tage verschollen blieb. Unfälle, unvorhergesehene Ausbrüche der Elemente, Minen und räuberische Überfälle gefährden den gesamten Rallye-Tross. Unter den Toten und Verletzten der Tour sind neben Fahrern auch Zuschauer, Journalisten und Ärzte. Ein Opfer seiner eigenen Idee wurde auch der französische Organisator Thierry Sabine. 1986 stürzte er in der Wüste in Nordafrika wegen eines Sandsturms mit einem Hubschrauber ab.

Der Attraktivität der Rallye scheinen die Toten aber eher noch zu helfen. Die Zahl der Teilnehmer und das Medieninteresse steigen kontinuierlich. Dieses Jahr gab es die Rekordzahl von 440 Teilnehmern. Erfahrungsgemäß werden zwei Drittel das Ziel der gut 10.000 Kilometer langen Strecke nicht erreichen.

Jeanne d`Arc der Dünen

Im Meer der Dünen wäre auch fast Jutta Kleinschmidt gestrandet. Die Kölnerin gehört spätestens seit 2001 zu den Legenden der Rallye. Als erste Frau gewann sie die Paris-Dakar - und das hauchdünn vor ihrem ehemaligen Lebensgefährten Jean-Louis Schlesser. Der Boulevard hatte seine Geschichte, "Emma" eine Titelheldin, die Rallye ihre Jeanne d`Arc und Deutschland die Sportlerin des Jahres 2001.

Bei ihrer 13. Teilnahme hatte Kleinschmidt allerdings Pech: nach einem kapitalen Motorschaden irgendwo in Libyen wurde sie mit stundenlangem Rückstand ins Etappen-Ziel geschleppt. Sie konnte das Rennen wieder aufnehmen und erreichte am Ende sogar noch den achten Platz. Dakar allerdings verfehlte Jutta Kleinschmidt in diesem Jahr trotzdem um tausende von Kilometern. Denn die Sieger wurden am Sonntag (19.1.2003) nicht in der senegalesischen Hauptstadt, sondern im ägyptischen Sharm-el-Sheikh am Golf von Akaba gekürt.

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