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Sprachbar

Ferien

Jeder freut sich darauf und ist traurig, wenn sie zu Ende sind – die Ferien. Was bleibt ist die Vorfreude auf die nächsten schönsten Wochen des Jahres. Es sei denn, man ist ständig in Ferien. Auch das soll vorkommen.

Es gibt in jeder Sprache Worte, die schon wenn sie ausgesprochen werden, gute und angenehme Gefühle auslösen. Das liegt nicht allein daran, dass sie etwas Schönes bezeichnen, sondern auch an ihrer Zusammensetzung aus weichen Konsonanten und freundlichen Vokalen. "Ferien" ist so ein Wort.

Zeit des Nichtstuns

In der Tourismusbranche werden sie auch als "die schönsten Wochen des Jahres" bezeichnet. Das ist aus verschiedenen Gründen richtig. Erstens gibt es die Ferien nur in der Mehrzahl – darüber freuen sich nicht nur die Schulkinder – und zweitens braucht man in dieser Zeit nichts zu tun. Sollten Sie nach Italien fahren, sind Sie im Ursprungsland der Ferien.

Schon zu Zeiten der Römer gab es die "feriae" – und sie waren ihnen im wahrsten Sinne des Wortes heilig. Da gab es zum Beispiel vom Staat angeordnete Ruhetage nach der Aussaat im Frühjahr. Es wurden Opfer gebracht, um von den Göttern eine gute Ernte zu erbitten. Wer während dieser Zeit arbeitete wurde bestraft. Es gab im Römischen Staat auch schon so etwas wie "Große Ferien" und die hatten – wie bei uns auch – mit der Schule zu tun.

Angeordnete Ferien

Das Bildungswesen war allerdings Privatsache, das heißt, die Eltern mussten für den Unterricht bezahlen. Sie taten es nur von November bis Juni. Also hatten die kleinen Römerinnen und Römer Ferien bis Oktober. Der Schriftsteller Tertullian hat übrigens diesen langen Unterrichtsausfall bitter beklagt. Gegen die "feriae imperativae", die vom Staat befohlenen Ferien, hatte er nichts einzuwenden. Die wurden mit Zustimmung des Senats angeordnet, wenn die römischen Legionen einen Krieg siegreich beendet hatten. Das kam ziemlich oft vor.

Ein friedlicher Anlass für "feriae imperativae" waren die Markttage in Rom. Wenn die Bauern in der Stadt ihre Produkte verkauften, durfte niemand arbeiten. Auch die Gerichte blieben während dieser Zeit geschlossen. Übrigens kommt daher unser Begriff "Gerichtsferien." Aber keine Regel ohne Ausnahme. In ganz dringenden Fällen wurde und wird damals wie heute die Justiz tätig.

Ausnahmen von der Regel

Es gab übrigens römische Rechtsgelehrte, die eine Lockerung der staatlichen Ferienordnung forderten. Arbeiten, die niemand schadeten und vor allem die Götter nicht beleidigten, sollten erlaubt werden. Wer zum Beispiel einen Weinberg oder Olivenhain gepachtet hatte, der sollte auch an Ferientagen pflücken dürfen. Oder Vögel fangen. Allerdings nur schädliche. Wobei niemand so recht wusste, was nun ein schädlicher Vogel war.

Zur Kulturgeschichte unseres Stichworts "Ferien" wäre noch Einiges zu sagen. Zum Schluss aber noch ein kleiner Blick auf die Entstehung des Wortes selbst: Es ist aus dem lateinischen "fanum" abgeleitet; was so viel wie "das Heilige" bedeutet. So waren für die Römer die meisten Ferien heilige Tage; und es verwundert nicht, dass auf ihre Einhaltung so streng geachtet wurde. Das ist ja bei uns noch ganz ähnlich.

Feierabend: Die kleinste Ferien-Form

An gesetzlichen Feiertagen darf nicht gearbeitet werden. Außer in Notfällen. Der "Feierabend", den wir alle so schätzen und der vielen von uns sogar heilig ist, ist ja auch eine Zeit der Arbeitsruhe; und wenn man so will die kleinste Form von Ferien. Übrigens galt früher ausschließlich der Abend vor einem Festtag als Feierabend. Deshalb gibt es ihn –im Gegensatz zu den Ferien – auch in der Einzahl. Nun bleibt uns nichts mehr, als Ihnen wunderschöne Ferien zu wünschen. Also nur Festtage.

Fragen zum Text

Das Wort Ferien kommt aus dem …

1. Griechischen.

2. Lateinischen.

3. Hebräischen.

Die römischen Kinder hatten keine Schule von …

1. Juni bis Oktober.

2. November bis Juni.

3. Oktober bis Juni.

Feriae imperativae wurden angeordnet, wenn …

1. ein Krieg siegreich beendet wurde und Markttag in Rom war.

2. ein Krieg verloren ging und Olympiade war.

3. Schüler und Lehrer in Rom streikten.

Arbeitsauftrag

Stellen Sie sich vor, sich hätten im "alten Rom" gelebt. Beschreiben Sie in einem Text, wie Sie die Ferien verbracht hätten. Lesen Sie der Gruppe Ihre Geschichte vor.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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