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Reise

Ferien im Literaturhotel

An einem Waldrand im Sauerland ist zwischen Forst- und Wanderwegen ein Hotel entstanden, das etwas Besonderes ist: Hier wimmelt es von Bestsellern, Klassikern und Krimis, die alle gelesen werden wollen und dürfen.

Die frühere Buchhändlerin und jetzige Hotel-Chefin Andrea Reichart (r) steht mit ihrer Geschäftspartnerin Hilla Holzhauer (l) vor dem Literaturhotel in Iserlohn. (Foto: dpa)

Andrea Reichart (r) und Hilla Holzhauer (l) vor ihrem Hotel im sauerländischen Iserlohn

Die Liebe ihrer Kunden zu Büchern hat Andrea Reichart auf eine neue Geschäftsidee gebracht: "Schließen Sie mich doch hier mal für eine Nacht mit einer Taschenlampe ein, dann könnte ich in Ruhe schmökern." Diesen Wunsch hörte sie in ihrer Essener Buchhandlung so oft, dass ihr 2006 die Idee kam, Ferien unter lauter Büchern anzubieten.

Von der Bauruine zum Hotel

Gedacht, getan. Ein vermögender Freund half die Idee in die Tat umzusetzen und vor rund einem Jahr war es so weit: Andrea Reichart eröffnete das "Literaturhotel Franzosenhohl" im sauerländischen Iserlohn. Am Waldrand zwischen Forst- und Wanderwegen gelegen wurde aus einer Bauruine ein elegantes Hotel mit einer Besonderheit: Es ist im Börsenverein des Deutschen Buchhandels eingetragen und wird wie eine Buchhandlung mit Freiexemplaren beliefert.

Keine alte Schinken

Andrea Reichart sitzt mit Hilla Holzhauer (r) in einem Zimmer des Literaturhotels in Iserlohn. (Foto: dpa)

In so einem Zimmer lässt es sich gut schmökern

Auf den Fluren, in Zimmern und in der Bar wimmelt es nur so vor Bestsellern. Viele Gäste des Hotels kommen nicht mal bis zur Rezeption, bevor sie das erste Buch in der Hand halten. Im Foyer des 25-Betten-Hauses ragen meterlange Bücherregale bis an die Decke, gemütliche Sessel tun ihr Übriges in dem ansonsten schlicht und modern eingerichteten Haus. Alte Schinken sucht man vergebens: "Wir sind kein herkömmliches Hotel, dass sich den Stempel Literatur durch ein paar abgegriffene Klassiker und ein Goethe-Zimmer verleiht", sagt Reichart.

Krimis für die Unentschlossenen

2700 Bücher und 40.000 Hörbücher warten auf die Gäste. Schon vorher fragt Reichart nach dem Geschmack und stellt ein paar potenzielle Lieblingsromane neben das Bett. "Wer sich nicht entscheiden kann, bekommt einen Krimi. Der geht immer", sagt die Hoteldirektorin. 30 bis 40 Prozent Zimmerbelegung hat das Haus bisher. Noch nicht spitze, aber Geschäftsführerin Hilla Holzhauer, Schwiegertochter des Investors, ist zuversichtlich. "Für das erste Jahr sind wir mit dem Ergebnis zufrieden, man muss ja auch erstmal über uns reden", sagt sie.

Schreibworkshops und Autorenlesungen

An fast jedem Wochenende gibt es Schreibworkshops oder Autorenlesungen. Reichart holt etwa Obama-Biograf Christoph von Marshall oder Krimi-Institution Horst Eckert nach Iserlohn. "Es ist schön, dass wir durch die Lesungen auch die Menschen aus der Region und dem Ruhrgebiet anlocken", sagt sie. Momentan besuchten das Hotel vor allem noch Geschäftsleute. Ihnen liege mehr an den eleganten Zimmern und dem guten Service des Hotels als an Büchern. Doch Reichart träumt davon, dass ihr Hotel zum Trend-Tipp für Literaten wird. "Es wäre schön, wenn schon morgens im Aufzug Buchtipps ausgetauscht würden oder sich Autoren hier zum Schreiben träfen." (pg/as/dpa)

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