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Aktuell Amerika

Fergusons Polizei macht erneut keine gute Figur

Die Polizei der US-Kleinstadt Ferguson macht aus dem 18-jährigen Michael Brown, der vor einer Woche von einem Polizisten erschossen wurde, einen Täter: Brown wurde vor seinem Tod des Diebstahls verdächtigt.

Die Wut der Bürger von Ferguson ist wieder gewachsen: In der Nacht auf Samstag zogen Randalierer durch die Kleinstadt und plünderten Geschäfte. Mehrere Bürger sollen Medienberichten zufolge gegen die Plünderer vorgegangen sein.

Auslöser war ein kurz zuvor veröffentlichter Polizeibericht. Darin gaben die lokalen Behörden erstmals den Namen des Polizisten bekannt, der vergangenen Samstag den unbewaffneten Schwarzen Michael Brown erschossen hatte – und beschuldigten Brown des Ladendiebstahls. So soll der 18-Jährige Minuten vor seiner Erschießung verdächtigt worden sein, Zigaretten im Wert von umgerechnet 37 Euro gestohlen zu haben. Die Polizei veröffentlichte auch Aufnahmen einer Überwachungskamera, auf denen ein Mann zu sehen ist, der dieselbe oder eine ähnliche Kleidung trägt, wie Brown an jenem Samstag.

Nähere Angaben zum Tathergang blieb die Polizei der Öffentlichkeit allerdings schuldig. So bleibt weiter unklar, was genau passiert ist: Während der Schütze angab, am 9. August von Michael Brown attackiert worden zu sein und aus Notwehr gehandelt zu haben, widersprach ein Zeuge dieser Darstellung. Brown habe zum Zeitpunkt seiner Erschießung die Hände hoch gehalten.

Was wusste der Todesschütze?

Stunden nach der Veröffentlichung des Berichts sagte Fergusons Polizeichef Tom Jackson auf einer Konferenz dagegen, dass der erste Kontakt zwischen Brown und dem 28-jährige Schützen, Darren W., "nicht mit dem Diebstahl" zusammengehangen habe. Darren W., den Jackson zuvor als "Gentlemen" bezeichnet hatte, den der Vorfall sehr zusetze, habe nichts von dem Verdacht gegen Michael Brown gewusst. Vielmehr sei es zu der Auseinandersetzung gekommen, nachdem der Polizist Brown dazu aufgefordert hatte, von der Straße auf den Bürgersteig zu gehen, da er den Verkehr blockiere. Bislang seien keine Maßnahmen gegen Darren W. eingeleitet worden, wie es am Freitag hieß.

Browns Eltern reagierten empört auf die Veröffentlichungen der Polizei. Diese würden ihren Sohn, der keine kriminelle Vergangenheit habe, in ein schlechtes Licht rücken. Keine der vorgelegten Fakten könne "die hinrichtungsartige Tötung ihres Kindes durch einen Polizisten rechtfertigen, während er die Hände hoch hielt, was weltweit das Zeichen des Sich-Ergebens ist", erklärten die Anwälte der Familie. Auch andere Bürger der Stadt und Menschenrechtsgruppen sehen die Veröffentlichungen als einen weiteren Beweis für den allgemeinen Rassismus, den sie der Polizei vorwerfen.

Unabhängige Ermittlungen

In Ferguson sind zwei Drittel der Bevölkerung schwarz, aber nur drei von 53 Polizisten. Nach tagelangen Zusammenstöße zwischen Demonstranten und schwer bewaffneten Polizisten waren am Freitag örtlichen Polizeikräfte abgezogen worden, die Verantwortung wurde der Polizei des Bundesstaates übergeben. Diese wird von einem schwarzen Beamten geführt. Die Lage beruhigte sich daraufhin zunächst.

Präsident Barack Obama hat inzwischen das Justizministerium und die Bundespolizei FBI gebeten, den Tod des jungen Mannes unabhängig zu untersuchen. Beide Behörden sagten, dass Ermittler und Anwälte bereits viele Zeugen verhört haben und auch weiter in der Gegend bleiben werden, um den Fall aufzuklären.

chr / ml (afp, dpa, reuters)