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Amerika

Fenster nach Deutschland

46 Millionen US-Amerikaner haben nach eigenen Angaben deutsche Vorfahren. Jetzt haben sie in der Hauptstadt Washington ihr eigenes Museum. Es zeigt die 400-jährige Geschichte der deutschen Einwanderer.

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Rüdiger Lentz ist in seinem Element. Er erzählt, was die Besucher in dem German-American Heritage Museum alles lernen können über die Deutschen in Amerika: "Um 1900 gab es in New York ein Little Germany, was etwa 400.000 bis 500.000 Leute umfasste", erklärt er und fährt fort: "Das war die drittgrößte deutschsprachige Stadt nach Berlin und Wien."

Untergebracht ist das Museum, das am Sonntag (21.02.2010) für das Publikum geöffnet wurde, in der Hockemeyer Hall, einem viktorianischen Haus im Herzen der US-amerikanischen Hauptstadt. Es wurde 1888 von dem wohlhabenden Kaufmann John Hockemeyer gebaut, damals mitten im deutschen Viertel. Auch heute noch herrscht hier reges Treiben, durch die geöffneten Fenster dringt Straßenlärm. Rüdiger Lentz setzt darauf, dass das Museum nicht nur eine feste Anlaufstelle bei Touristenführungen wird, sondern dass die zentrale Lage viel Laufkundschaft bringt. Das sei "genau die Kundschaft, die wir haben wollen", sagt er, "ganz normale Amerikaner". Und auch ein kurzer Besuch lohnt sich, denn der Eintritt ist frei.

Forschungsprojekt im Museum

German-American-Heritage Museum

Rüdiger Lentz mit einer überlebensgroßen Büste von Georg Friedrich Händel - eines der wenigen Artefakte im Museum.

Es sind vor allem die persönlichen Geschichten der deutschen Einwanderer, die der studierte Historiker und ehemalige Studioleiter der Deutschen Welle in Washington erzählen will. Dabei sollen sowohl die guten als auch die schlechten Zeiten vorkommen. Letztere begannen oft schon mit der Überfahrt nach Amerika: "Bis zu 20 Prozent der Leute kamen nie an in Amerika, die sind unterwegs an Diphtherie, fauligem Wasser, schlechter Ernähung gestorben", führt Lentz aus.

Mit Hilfe des interaktiven Projekts "Einsteinchen" können Besucher im Museum ihre persönliche Einwanderungsgeschichte aufzeichnen. So soll mit der Zeit ein Video-Archiv entstehen, das für Menschen auf der Suche nach den Erlebnissen ihrer Vorfahren genauso nützlich ist wie für die Wissenschaft.

Frisch und nicht altbacken

German-American-Heritage Museum

Ganz dürfen Dirndl und Lederhosen nicht fehlen - zusammen mit Bildern deutscher Einwanderer sind sie in einer Überseekiste ausgestellt, mit der die Immigranten einst ihr Hab und Gut über den Atlantik brachten.

Die lichtdurchfluteten Ausstellungsräume liegen im zweiten Stock des Hauses. Schon auf den Treppenstufen erfahren die Besucher, welche berühmten Amerikaner deutsche Vorfahren hatten: Elvis Presley etwa, Schauspielerin Doris Day, aber auch Präsident Dwight D. Eisenhower und Jeans-Erfinder Levi Strauss. Ausstellungsstücke gibt es nur wenige, nicht nur aus Platzgründen, erklärt Museumsdirektor Lentz: "Wir wollten auch ein bisschen weg von dem Geruch, etwa ein Heimatmuseum oder ein volkstümelndes Museum zu sein."

Man will informieren, junge Leute ansprechen und sie anregen, sich mit der eigenen Geschichte auseinander zu setzen. Zu den wenigen Ausnahmen gehört eine überlebensgroße Büste von Georg-Friedrich Händel in der Musik-Ecke, wo auch ein Konzert des Nordöstlichen Sängerbundes von Amerika aus dem Jahr 2009 zu sehen und hören ist. Denn die Deutschen, erklärt Lentz, hätten viele Kirchenlieder nach Amerika gebracht "und nach der Kirche dann in den Kneipen weitergesungen". Er ergänzt: "Das heißt, hier haben wir eine ganz starke Tradition von Gesangskultur, die deutschen Ursprungs ist und die sich zum Teil in Amerika bis heute erhalten hat."

Wechselausstellungen geplant

German-American-Heritage Museum

Viel Licht, klare Linien und das Spiel mit den deutschen Farben schwarz-rot-gold: Ein Blick in das Innere des Museums. Das Internetportal der Deutschen Welle dient unter anderem als "Fenster" zum aktuellen Deutschland.

Auf kleinem Raum gibt es viel zu entdecken. Eine Zeitleiste bildet 400 Jahre deutsche Emigration nach Amerika ab, große Tafeln schildern Porträts von deutschen Clubs, die es überall in den USA gibt. Einige Ausstellungsteile sollen immer wieder ausgewechselt werden, damit sich auch das Wiederkommen lohnt. Die meisten Informationen sind in englischer Sprache, aber es gibt auch deutsches Informationsmaterial. In einem Kiosk werden bald das Live-Programm von Deutsche Welle TV und der Internetauftritt des deutschen Auslandssenders zu entdecken sein, denn das Museum soll zweierlei, so Lentz: "Es hat den Auftrag, den Amerikanern und den Deutsch-Amerikanern die Geschichte ihres Landes über das Thema deutsche Einwanderung und die Leistungen der Deutschen näher zu bringen." Außerdem solle aber auch das heutige Deutschland dargestellt werden: " Wir wollen den Deutsch-Amerikanern auch den Blick öffnen in Richtung ihrer alten Heimat."

Die Deutsche Welle ist einer der Partner des Museums, das keine staatliche Unterstützung erhält und sich vor allem durch Spenden finanziert. Der Jahresetat von 400.000 Dollar sei für 2010 gesichert, erklärt Lentz. Er ist zuversichtlich, dass das auch in Zukunft gelingt. Denn das Interesse an dem ersten und einzigen Museum für deutsche Einwanderungsgeschichte in der US-Hauptstadt sei schon jetzt größer als erwartet, versichert er.

Autorin: Christina Bergmann

Redaktion: Oliver Pieper

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