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Europa

Fenster auf Kipp? Bei uns nicht mehr

Umweltbildung an deutschen Schulen hat Tradition und wird immer populärer. Sie setzt auf Experimente statt Expertenwissen, auf Taten statt Theorie, auf Ausprobieren statt Auswendiglernen.

Junge bläst ein Modell einer Windtourbine. (Foto: UFU)

Windturbine zum Anfassen

Rund 3500 deutsche Schulen machen mit und sparen Energie. Das Projekt "fifty-fifty", an dem die Schulen teilnehmen, ist typisch für die Umweltbildung an deutschen Schulen. Das Projekt will Wissen vermitteln und Lehrern und Schülern dabei helfen, die Umwelt zu schützen.

So genannte Energielotsen wissen, wie Energiesparen geht: nirgendwo unnötig Licht brennen lassen, die Heizung richtig ab- und die Wasserhähne immer zudrehen. Auch moderne Messtechnik ist für die Kinder, die als Energieberater unterwegs sind, nicht nur ein "kompliziert" klingender Begriff. Im Unterricht wird geübt, was all diese fremd klingenden Worte wie "Gebäudedämmung" oder "erneuerbare Energien" bedeuten und wie beispielsweise "Heizsysteme" funktionieren. So werden die Kinder zu kleinen Energie-Experten.

Weniger hohe Rechnungen

Schüler messen Lichtverhältnisse und Umgebungstemperaturen (Foto: UFU)

Schüler messen Lichtverhältnisse und Umgebungstemperaturen

Ganz nebenbei reduziert jede beteiligte Schule auf diese Weise im Jahresdurchschnitt so ihre CO2-Emissionen um 25 Tonnen und ihre Energierechnung um 5000 Euro. Davon profitiere die Schule dann wiederum selbst, sagt "fifty-fifty"-Mitinitiator Malte Schmidthals vom Unabhängigen Institut für Umweltfragen in Berlin.

"Die Schule bezahlt ihre Energiekosten ja nicht selbst, das macht der Schulträger", erklärt er. "Wenn die Schule Energie einspart, also beim Schulträger weniger hohe Rechnungen landen, dann ist es erfreulich, wenn sich der Schulträger entscheidet, die Hälfte dieses Geldes an die Schulen zurückzugeben. Da kommt dieses Schlagwort 'fifty-fifty' her."

Energiesparen sichtbar machen

Seit Anfang der 90er-Jahre ist das Institut einer der zentralen Akteure, wenn es darum geht, den Energieverbrauch an Schulen sichtbar, erneuerbare Energien für Schüler erlebbar und deren Nutzen für sie anschaulich zu machen. In enger Zusammenarbeit mit Pädagogen wurden unter anderem die "Renewables in a Box"-Materialkisten entwickelt, mit denen Schüler durch einfache Experimente die Funktionsweise von Turbinen, Windrädern und Solarzellen erforschen.

Von hier stammt auch die Idee, mit Hilfe von Displays im Schulflur die Aktivität der Solarzellen auf dem Schuldach sichtbar zu machen - und so den rund 7000 Photovoltaikanlagen auf deutschen Schuldächern auch einen pädagogischen Nutzen abzugewinnen. Finanzielle Rückendeckung für solche Maßnahmen gibt es durch den Bund.

Anfragen aus aller Welt

Schüler besichtigen die Heizanlage ihrer Schule (Foto: UFU)

Schüler besichtigen die Heizanlage ihrer Schule

Rund vier Millionen Euro, bereitgestellt aus den Erlösen der Versteigerung von CO2-Zertifikaten, fließen in diesem Jahr in das "Aktionsprogramm Klimaschutz-Schulen". "Wir unterstützen Schulen bei der Durchführung von Klima-Aktionstagen, das heißt, wenn eine Schule einen Projekttag macht oder eine Projektwoche, dann bieten wir 500 Euro als Zuschuss", erklärt Achim Schreier, Bildungsreferent im Bundesumweltministerium. Damit könne die Schule sich einen Energieberater bestellen, der sie dann auf entsprechende Problemlagen in der Schule hinweise. Außerdem biete man den Schulen eine Reihe weiterführender Materialien für den Unterricht.

700 Schulen haben in den letzten drei Monaten Unterstützung für Klima-Aktionstage beantragt. 300.000 begleitende Schülerarbeitshefte wurden verschickt. Englische, französische und russische Übersetzungen seien bereits in Arbeit, erzählt Achim Schreier, und auch aus Polen, Tschechien, Japan und arabischen Ländern gebe es Anfragen, die Lehrmaterialien zu Umweltschutz und Erneuerbaren Energien nutzen zu dürfen.

Autor: Lydia Heller
Redaktion: Andreas Ziemons

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