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Europa

Fenster auf Kipp? Bei uns nicht mehr!

Umweltbildung hat an deutschen Schulen Tradition und wird immer populärer. Sie setzt auf Experimente statt Expertenwissen, auf Taten statt Theorie, auf Ausprobieren statt Auswendiglernen.

(DW/Lydia Heller 2009)

Spielend lernt dieser Schüler, wie Windturbinen funktionieren

Jakob, Justin und Lennart kommen von der Grundschule im Grünen, der Berliner Vorzeigeschule in Sachen Umweltbildung. Seit der 4. Klasse haben sie Umweltlehre als Schulfach, sind engagierte Energiesparer - und jetzt auch: Energieberater. Im Rahmen des Projekts "fifty-fifty" vermitteln sie in anderen Schulen die Grundlagen des Energiesparens.

Projekte wie "fifty-fifty" sind typisch für die Umweltbildung an deutschen Schulen. Sie sind Wissensvermittlung und praktischer Umweltschutz zugleich - und beliebt sind sie auch: Rund 3500 Schulen bundesweit sind bei "fifty-fifty" bereits dabei. Angeleitet durch so genannte Energielotsen lernen Schüler und Lehrer, nirgendwo unnötig Licht brennen zu lassen, die Heizung richtig ab- und die Wasserhähne immer zuzudrehen. Dabei wird der Umgang mit moderner Messtechnik geübt und energietechnisches Wissen von Gebäudedämmung über Heizsysteme bis hin zu alternativen Energien vermittelt.

Weniger hohe Rechnungen

(DW/Lydia Heller 2009)

Malte Schmidthals zeigt den Kindern, wie man Lichtverhältnisse misst

Ganz nebenbei reduziert auf diese Weise jede beteiligte Schule im Jahresdurchschnitt so ihre CO2-Emissionen um 25 Tonnen und ihre Energierechnung um 5000 Euro. Und davon profitiere sie dann wiederum selbst, sagt "fifty-fifty"-Mitinitiator Malte Schmidthals vom Unabhängigen Institut für Umweltfragen in Berlin.

"Die Schule bezahlt ihre Energiekosten ja nicht selber, das macht der Schulträger", erklärt er. "Wenn die Schule Energie einspart, also beim Schulträger weniger hohe Rechnungen landen, dann ist es erfreulich, wenn sich der Schulträger entscheidet, die Hälfte des Geldes an die Schulen zurückzugeben. Da kommt dieses Schlagwort 'fifty-fifty' her."

Energiesparen sichtbar machen

Seit Anfang der 90er-Jahre ist das Institut einer der zentralen Akteure, wenn es darum geht, den Energieverbrauch an Schulen sichtbar, erneuerbare Energien für Schüler erlebbar und deren Nutzen für sie anschaulich zu machen. In enger Zusammenarbeit mit Pädagogen wurden unter anderem die "Renewables in a Box"-Materialkisten entwickelt, mit denen Schüler durch einfache Experimente die Funktionsweise von Turbinen, Windrädern und Solarzellen erforschen.

Von hier stammt auch die Idee, mit Hilfe von Displays im Schulflur die Aktivität der Solarzellen auf dem Schuldach sichtbar zu machen - und so den rund 7000 Photovoltaikanlagen auf deutschen Schuldächern auch einen pädagogischen Nutzen abzugewinnen. Finanzielle Rückendeckung für solche Maßnahmen gibt es durch den Bund.

Anfragen aus aller Welt

(Lydia Heller 2009)

Nebenbei reduzieren Schulen ihre Energiekosten

Rund vier Millionen Euro, bereitgestellt aus den Erlösen der Versteigerung von CO2-Zertifikaten, fließen in diesem Jahr in das "Aktionsprogramm Klimaschutz-Schulen". "Wir unterstützen Schulen bei der Durchführung von Klima-Aktionstagen, das heißt, wenn eine Schule einen Projekttag macht oder eine Projektwoche, dann bieten wir 500 Euro als Zuschuss", erklärt Achim Schreier, Bildungsreferent im Bundesumweltministerium. Damit könne die Schule sich einen Energieberater bestellen, der sie dann auf entsprechende Problemlagen in der Schule hinweise. Außerdem biete man den Schulen eine Reihe weiterführender Materialien für den Unterricht.

700 Schulen haben in den letzten drei Monaten Unterstützung für Klima-Aktionstage beantragt. 300.000 begleitende Schülerarbeitshefte wurden verschickt. Englische, französische und russische Übersetzungen seien bereits in Arbeit, erzählt Achim Schreier, und auch aus Polen, Tschechien, Japan und arabischen Ländern gebe es Anfragen, die Lehrmaterialien zu Umweltschutz und Erneuerbaren Energien nutzen zu dürfen.

An der Berliner Grundschule haben die Energielotsen derweil ihre Arbeit beendet. Erstes Fazit: Es wird Stoßlüftung statt Kippfensterlüftung eingeführt und die Hoflampe bleibt tagsüber aus.


Autorin: Lydia Heller
Redaktion: Sandra Voglreiter

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