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Kultur

Fengshui-Meister mit sehr männlichen Schwächen

Gute Krimis können von überall kommen. Zum Beispiel aus Asien, zum Beispiel von Nury Vittachi. Seine asiatischen Mitmänner kommen dabei gar nicht gut weg.

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Nury Vittachi

Auf dem deutschen Buchmarkt hat diese Internationalisierung längst stattgefunden; in den letzten Jahren wurden Kriminalschriftsteller aus aller Herren Länder ins Deutsche übersetzt. Gute Kriminalromane werden heutzutage fast überall geschrieben, in Angola und auf Kuba ebenso wie in der Türkei und Frankreich. Oder aber in Asien, wo die schrägen Romane von Nury Vittachi angesiedelt sind.

"Schlechte Energien fixieren"

Nichts geht nicht; alles, was vorstellbar ist, lässt sich auch erzählen. Außergewöhnliche Charaktere sind eher die Regel als die Ausnahme. Trotzdem gibt es immer wieder Kriminalschriftsteller, der mit völlig absurd klingenden Ideen aufwarten. Zum Beispiel Nury Vittachi aus Hongkong. Sein Ermittler ist ein Fengshui-Meister. "Ein Fengshui-Meister ist jemand, der die Energien an einem Ort spürt, gute und schlechte", sagt der Autor. Sein Held sei nur etwas ungewöhnlich, weil er sich auf Schauplätze von Verbrechen spezialisiert hat. Das beruht auch auf der Realität, meint Vittachi. "Wenn es in Asien einen Mord, eine Vergewaltigung oder einen Raubüberfall gibt, ruft die Familie die Polizei, und die überprüfen Fingerabdrücke, DNA und so weiter. Aber sie rufen meist auch einen Fengshui-Meister, um die schlechten Energien zu fixieren, so dass das Haus dann wieder in Ordnung ist."

Und so einer ist auch C.F. Wong. Allerdings liefert sich der Fengshui-Dektektiv in den Geschichten von Nury Vittachi in der Regel einen Wettkampf mit der Polizei, um den Fall vor den Behörden zu lösen und so Belohnungen und Honorare einzustreichen. C.F. Wong, meint Nury Vittachi, ist ein typisch asiatischer Mann. "Der typisch asiatische Mann - und ich kann das sagen, denn ich bin einer - ist nicht sehr heldenhaft. Wir denken viel zu viel über Geld nach, wir tendieren zum Sexismus, wir sind Rassisten, keine sonderlich großartigen Charaktere ", sagt der Autor. "Ich wollte einen realen asiatischen Mann aus ihm machen. Männer wie C.F. Wong treffen Sie überall in Asien."

Alt-jung, Ost-West, Mann-Frau

C.F. Wong ermittelt zusammen mit Joyce, einer knapp 20jährigen, kanadischen Praktikantin. Fast unüberbrückbar scheinende Gegensätze treffen da aufeinander: Zwischen Asien und dem Westen, zwischen Mann und Frau, zwischen Alt und Jung. Nur, wenn die beiden sich immer wieder zusammenraufen, können sie die anliegenden Fälle lösen. Die Lehren des Fengshui baut Nury Vittachi dabei inhaltlich korrekt, im Ton aber liebevoll ironisch ein.

Reisen in den Kopf

Angesiedelt sind seine Geschichten überall in Asien. Vittachis neues Buch "Der Fengshui-Detektiv und der Computertiger" entführt zum Beispiel nach Hongkong, Singapur, Thailand, Vietnam und Indien. "Ein Buch ist für mich eine Art Flugschein. Ein Ticket, mit dem man durch verschiedene Länder, durch die Zeit, zu anderen Planeten reisen kann oder aber zum interessantesten Platz der ganzen Welt: In den Kopf eines anderen", sagt Vittachi. "In diesem Buch nehme ich meine Leser mit in den Kopf eines Westlers und in den eines Asiaten. Ich hoffe, dass ich meinen Lesern etwas beibringen kann, während ich sie unterhalte. Sie glauben, dass sie unterhalten werden, aber heimlich informiere ich sie darüber, was in Asien vor sich geht."

Nury Vittachi selbst lebt mit seiner Familie in Hongkong, wo der Autor als Kolumnist und Stand Up-Comedian bekannt ist wie hierzulande Harald Schmidt. Nur dass der Mittvierziger eben auch schreibt. In Interviews bezeichnet sich Vittachi dabei immer wieder mal gerne auch als militanten Asiaten. In punkto Kultur und Unterhaltung seien für Asiaten nach wie vor Europa und die USA das Nonplusultra, analysiert er, asiatische Autoren seien dagegen international kaum bekannt. Das will Nury Vittachi ändern, indem er junge Autoren fördert - und indem er selbst ganz demonstrativ als asiatischer Autor auftritt. Allerdings nicht in Konkurrenz zum Westen, sondern als überfällige Ergänzung im globalisierten Miteinander.

Die Benetton-Familie

Nury Vittachi kam in Sri Lanka zur Welt, seine Frau kommt aus dem Westen, ihre drei Adoptivkinder sind Chinesen. "In den Klatschkolumnen in Asien nennen sie uns die Benetton-Familie, weil wir drei verschiedene Hautfarben in einer Familie haben", erzählt der Autor. "Ich glaube, wir alle sind heutzutage Benetton-Familien. Egal, wie unsere Hautfarbe ist, innen drin sind wir alle multikulturell. Und ich glaube, wenn wir das erkennen, ist das die Lösung für die Welt."

Nury Vittachi: Der Fengshui-Detektiv und der Computertiger. Aus dem Englischen von Ursula Ballin. Unionsverlag, 2004. 287 Seiten. ISBN 3-293-20322-1, Euro 9,90.

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