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Filme

Femme Fatale und schwache Männer: Film Noir

Im Film Noir prallen die Geschlechter aufeinander. Das mögen die Deutschen offenbar. Der Film Noir ist ein Lieblingsgenre der Zuschauer hierzulande. Das hat einen einfachen Grund.

Bogart und Bacall in Filmszene aus Tote schlafen fest (picture alliance)

"Tote schlafen fest"

Im Gegensatz zu einigen anderen klassischen Hollywood-Genres haben sich die meisten Filme der Gattung gut gehalten. Bogart und Bacall, Lancaster und Stanwyck, das funktioniert noch immer. Mögen viele Western und Musicals im Laufe der Zeit Staub angelegt haben, der Film Noir mit seinen spannenden Kriminal- und düsteren Liebesgeschichten scheint an Aktualität nichts verloren zu haben.

Deutsche Einflüsse

Seine große Zeit hatte der Film Noir im Hollywood der 40er und 50er Jahre. Beeinflusst vom französischen Vorkriegsfilm, vom deutschen Expressionismus und dem amerikanischen Gangsterfilm, gelangen den Drehbuchautoren und Regisseuren zahlreiche Meisterwerke. "Die Spur des Falken" und "Tote schlafen fest", "Gefährliche Begegnung" und "Gilda" entwickelten sich im Laufe der Jahre zu Klassikern, die man auch nach einem halben Jahrhundert noch gut anschauen kann.

Joan Bennett liegt im Bett - Szene aus Gefährliche Begenung (picture alliance kpr)

"Gefährliche Begegnung"

Nachdem einige dieser Perlen schon seit längerem auf DVD vorliegen, kann man heute immer noch zahlreiche Entdeckungen machen. Besonders die "Film Noir Collection" (Koch Media) ist gar nicht genug zu loben. Hier erscheinen auch weniger bekannte Werke auf DVD, an denen sich manchmal noch besser studieren lässt, was das Genre so erfolgreich gemacht hat. Filme wie "Desert Fury" tauchen plötzlich aus der Versenkung der Filmgeschichte auf und liefern einen Beweis dafür, dass ein Film Noir sehr wohl auch Farbe verkraften konnte.

"Black Angel" ("Schwarzer Engel") 1946

Einer dieser typischen "kleineren" Filme Hollywoods ohne die großen Stars, ein Genre-Film mit Dan Duryea und June Vincent (und Peter Lorre und Broderick Crawford in Nebenrollen), kein gänzlich schwarzer Film, zumindest nicht, was Ausstattung und Licht betrifft. Dafür lässt "Black Angel" nach der Vorlage von Film Noir-Kultautor Cornell Woolrich seine Geschichte - eine Frau will die angebliche Unschuld ihres Gatten beweisen - auf ein bitteböses Ende zusteuern, das nun wirklich rabenschwarz ist.

Peter Lorre mit Pistole, davor Dan Dureya und June Vincent, Fotomontage aus Schwarzer Engel (koch media)

Peter Lorre mit Revolver im Hintergrund: "Schwarzer Engel"

"The Dark Mirror" ("Der schwarze Spiegel") 1946

Regisseur Robert Siodmak und Kameramann Eugen Schüftan (der hier als technischer Berater diente) hatten ihre Wurzel im deutschen Stummfilm. Und auch das Doppelgängermotiv des Films ist ein urdeutsches. Wirkungsvoll setze Siodmak gerade die ansonsten eher etwas biedere Olivia de Havilland als zwielichtige Zwillingsschwestern ein, tricktechnisch für die Zeit verblüffend. Die damals in Hollywood beliebte psychoanalytische Grundierung des Films erheitert dagegen heute.

"The Killers" ("Rächer der Unterwelt") 1946

BURT LANCASTER, ALBERT DEKKER, AVA GARDNER in The Killers, Szene aus dem Film (picture alliance)

"The Killers"

Unumstritten einer der Klassiker des Genres. Noch heute packt er den Zuschauer mit seiner Erzählstruktur, seiner düsteren Atmosphäre, seinem Fatalismus. Burt Lancaster in seinem Debüt ist unnachahmlich. Wie Lancaster sich im Netz verheddert, dass die böse Ava Gardner gesponnen hat, ist schlicht und einfach ergreifend. "The Killers" sei der "vielleicht reinste und rätselhafteste aller Films Noirs" schrieb ein Kritiker vor kurzem. Nach einer Kurzgeschichte von Hemingway hat hier der Deutsche Siodmak eines seiner Meisterstücke in Hollywood gefertigt.

"The Blue Dahlia" ("Die blaue Dahlie") 1946

Eines der klassischen Erfolgspaare aus Hollywood, Veronica Lake und Alan Ladd, veredeln diesen Film Noir zu einem der Höhepunkte des Genres. Auch wenn das Ende unbefriedigend erscheint und nur aufgrund der amerikanischen Militärzensur Einlaß in den Film fand - die Geschichte des Kriegsheimkehrers Jimmy Moore erzählt viel mehr als nur einen einfachen Kriminalfall. Der Film gibt tiefe Einblicke in die amerikanische Seelenlage zum Kriegsende. Das Originalscript stammte von Raymond Chandler.

"The Big Clock" ("Spiel mit dem Tode") 1948

Ray Milland und Charles Laughton vor großer Uhr, Szene aus The Big Clock (koch media)

"The Big Clock"

Charles Laughton als mordender Medienmogul ist sehenswert und auch sonst bietet der Film, der wegen seiner vielen originellen Einfälle und den Screwball-Anklängen an den frühen Hitchcock erinnert, eine gelungene Mischung aus Spannung und eleganter Unterhaltung. Und wer will, der kann im von Lauhgton dargestellten Zeitungszar ein visionäres Bild heutiger Medienmogule sehen. "The Big Clock" ist Film Noir mit einem Schuß Gesellschafts- und Medienkritik.

"Desert Fury" ("Liebe gewinnt") 1947

Die größte (Wieder-)entdeckung der Film Noir-Reihe bei "Koch Media". Eine pracht- und wirkungsvolle Kreuzung aus Melodrama und Film Noir, in Farbe und Technicolor, ein Film über Korruption und Eifersucht, über Gewalt und Begierde. "Desert Fury" ist ein Film Noir, weil er trotz seiner gleißenden Farben (der Film spielt vor allem in der Wüste vor klassischen Western-Panoramen) ungemein düster ist. Keiner der Protagonisten ist frei von persönlicher Schuld und die Last der Vergangenheit ist in jeder Szene deutlich spürbar.

"The Killers" ist beim Anbieter "Universum" erschienen, die anderen Titel sind die ersten 5 Folgen der von "Koch media" herausgegebenen Reihe "Film Noir Collection".

Autor: Jochen Kürten
Redaktion: Elena Singer

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