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Kultur

Feministischer Ritter

Alice Schwarzer hat den radikalen Feminismus aus Paris nach Deutschland importiert. Jetzt ehrt Frankreich sie dafür mit dem Orden "Ritter der Ehrenlegion". Eine hohe Auszeichnung für Deutschlands Vorzeigefeministin.

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Alice Schwarzer erhält den Ritterschlag

Zum Glück ist sie doch nicht Sekretärin geworden. Wenn Alice Schwarzer am 8. Dezember 2004 in der Französischen Botschaft in Berlin den Orden "Ritter der Ehrenlegion" bekommt, kann sie ein weiteres Mal mit ihrem Lebensweg zufrieden sein. Sie hat schon Auszeichnungen wie das Bundesverdienstkreuz oder den Titel "Frau des Jahres" für ihre Arbeit als Journalistin und Feministin bekommen. "Ritter der Ehrenlegion" wird sie vor allem wegen ihrer Interviews mit Jean-Paul Sartre und dessen Lebensgefährtin Simone de Beauvoir.

In Paris Frauenrechte gelernt

1964 beginnt Schwarzers persönliche Frankreich-Geschichte. Sie ist 22, hat ihre kaufmännische Lehre abgebrochen und einen Job als Sekretärin geschmissen. An der Sorbonne studiert sie Sprachen. Nur kurz kehrt sie für ein journalistisches Volontariat nach Deutschland zurück. 1970 zieht es die gebürtige Wuppertalerin wieder zum Studium nach Paris. Sie schreibt sich für Psychologie und Soziologie ein, arbeitet aber auch viel als politische Korrespondentin für deutsche Medien. Ihre Kontakte zur Pariser Frauenbewegung helfen ihr dabei. Schwarzer wird selbst ein Teil der Bewegung.

Simone de Beauvoir

Simone de Beauvoir starb 1986 im Alter von 78 Jahren

Sie gehört dem "Movement de libération des femmes" an, der Bewegung des radikalen Feminismus. Diese geht von der Gleichheit der Geschlechter aus. Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen seien nur durch das Patriarchat geprägt, so die These. Die radikalen Feministinnen kämpfen dafür, dass alle Menschen nach ihren individuellen Neigungen und Eigenschaften leben können und sich nicht in Geschlechterrollen fügen müssen. Größtes Vorbild der Pariser Frauen ist damals Simone de Beauvoir mit ihrem Werk "Das andere Geschlecht".

Feminismus nach Deutschland gebracht

Es dauert nicht lange, bis sich Alice Schwarzer auch in Deutschland einen Namen macht. Sie kämpft gegen den Paragrafen 218, der Frauen die Abtreibung verbietet. Sie versorgt den "Stern" 1971 mit der spektakulären Titelgeschichte "Ich habe abgetrieben". Darin bekennen sich 374 Frauen zum Schwangerschaftsabbruch. Schwarzer selbst bezeichnet diesen Moment als "Beginn der Neuen Frauenbewegung" in Deutschland.

1974 kehrt sie aus Frankreich zurück nach Deutschland und nur ein Jahr später bringt sie das deutsche Manifest des Feminismus heraus: "Der kleine Unterschied" - nach dem Vorbild von de Beauvoir. Das Buch wird ein Riesenerfolg, sorgt für eine gesellschaftliche Kontroverse und das Label "Oberemanze", das Schwarzer wohl niemals loswerden wird, vielleicht aber auch nicht loswerden will. Von dem Geld, das sie mit ihrem Buch verdient, kann sie 1977 die Produktion der Frauenzeitschrift "Emma" finanzieren. Die Zeitschrift gibt es bis heute, die Zahl der Leserinnen hat sich allerdings halbiert.

Von Bambi bis Islam

Galerie Nobelpreis 2003 Shirin Ebadi Friedenspreis

Shirin Ebadi

Alice Schwarzer hat sich seitdem immer für ihre Sache stark gemacht - egal wo. Als schlagfertiger Gast macht sie eine gute Figur in Unterhaltungsshows wie "Wer wird Millionär?", wofür sie dieses Jahr einen Bambi bekommen hat. Gleichsam nimmt sie an intellektuellen Diskursen teil, ohne ein Problem mit der Glaubwürdigkeit zu haben. Sie hat dafür gesorgt, dass die Diskussion um Frauenrechte nicht nach den ersten Emanzipationserfolgen verstummt ist.

In der "Emma" stellen sie und ihre Autorinnen immer wieder den Zusammenhang zu anderen gesellschaftlichen Themen her. Themen wie Pornographie oder das Frauenbild in den Medien sind für Alice Schwarzer immer wieder Anlass, sich für die Rechte der Frauen einzusetzen - 2004 nicht weniger als 1970. Ihr nächster Termin: Ein Interview mit der iranischen Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi über Frauenrechte im Islam. (bde)

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