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Aktuell Afrika

Feministin Fatima Mernissi ist tot

Die marokkanische Soziologin und Autorin galt als eine der bekanntesten Frauenrechtlerinnen der muslimischen Welt. Jetzt starb sie im Alter von 75 Jahren in Rabat, wie die spanische Tageszeitung "El Mundo" berichtet.

Sie galt als "Grande Dame" der marokkanischen Demokratiebewegung. Zeitlebens befasste sich Fatima Mernissi vor allem mit der Rolle der Frau im Islam. In Fès geboren, studierte Mernissi politische Wissenschaften in Marokkos Hauptstadt Rabat sowie Soziologie in Paris und Massachusetts. Sie lehrte als Professorin an der Universität in Rabat und arbeitete als Beraterin der UN-Organisation für Erziehung und Wissenschaft (UNESCO). 2003 erhielt Mernissi gemeinsam mit der US-amerikanischen Schriftstellerin Susan Sontag im nordspanischen Oviedo den Prinz-von-Asturien-Preis für Geisteswissenschaften und Literatur.

"Geschlecht, Ideologie, Islam"

International bekannt wurde sie vor allem mit ihrem Werk "Geschlecht, Ideologie, Islam". Das 1975 erstmals auf Französisch erschienene Buch gilt als Standardwerk der interkulturellen Geschlechterforschung und wurde wie viele andere ihrer Publikationen in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Ein weiteres bedeutendes Buch, das auch auf Deutsch erschien, ist: "Der politische Harem - Mohammed und die Frauen". Darin untersucht Mernissi die Rolle der Frau in der muslimischen Geschichte und argumentiert, der Koran rechtfertige keine Frauenunterdrückung.

Die Feministin betonte stets, Frauen in der muslimischen Gesellschaft seien keine unterdrückten Opfer, sondern mächtige Strateginnen. Kopftuch, Schleier oder Burka, deren koranische Verankerung sie in Frage stellte, sah sie vor allem als weibliches Instrument: "Der Schleier ist eine Art zu sagen: Hör mal, ich bin hübsch, ich bin nicht schlecht, oder?", erklärte sie.

Mit Susan Sontag (r.) bekam Mernissi 2003 den Prinz-von Asturien-Preis für Geisteswissenschaften und Literatur

Mit Susan Sontag (r.) bekam Mernissi 2003 in Oviedo den Prinz-von Asturien-Preis für Geisteswissenschaften und Literatur

Immer wieder Kritik ausgesetzt

Auch mit der marokkanischen Zivilgesellschaft setzte sich die Soziologin literarisch auseinander. Kritik erfuhr die wohl bekannteste Frauenrechtlerin des Maghreb von vielen Seiten, auch für ihre bisweilen allzu positive Einschätzung der islamischen Welt. Ihr großes Engagement für die Rechte der Frauen und anderer benachteiligter Gruppen - beispielsweise richtete sie Schreibwerkstätten ein - brachte ihr aber zugleich viel Bewunderung ein.

se/rb (epd, dpa, el mundo)