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Sport

Felix Neureuther: "Ein Schlag ins Gesicht"

Weil er angeblich einen Torfehler ignoriert hatte und weitergefahren war, musste sich Skirennfahrer Felix Neureuther scharfe Kritik anhören. Der Vorwurf war haltlos, aber die Lockerheit dahin - zumindest vorübergehend.

Skirennfahrer Felix Neureuther auf der ISPO München. Foto: Stefan Nestler

Felix Neureuther

"Für mich ist das Thema abgehakt!" Felix Neureuther ist es leid, immer wieder auf die so genannte "Einfädler-Affäre" angesprochen zu werden. "Wir haben uns im Skizirkus ausgesprochen und damit ist es auch wieder vergessen", sagt Deutschlands erfolgreichster Slalomfahrer der vergangenen Jahre auf der Sportartikelmesse ISPO in München. "Ich konzentriere mich jetzt nur noch auf meine Leistung - und am Ende der Saison werden wir sehen, was dabei herausgekommen ist."

Videobeweis für Unschuld

Neureuther, Hirscher und Kostelic auf dem Siegerpodest in Zagreb. Foto: dpa-pa

Neureuther, Sieger Hirscher, Kostelic (v.l.)

Was war geschehen? Beim Slalom in Zagreb am 5. Januar hatte Neureuther hinter dem Österreicher Marcel Hirscher den zweiten Rang belegt. Es war sein zweiter Podestplatz in diesem Weltcup-Winter. Eine österreichische Zeitung berichtete anschließend, sowohl Hirscher als auch Neureuther hätten bei ihren Läufen "eingefädelt", also eine Slalomstange zwischen die Beine bekommen, wären aber trotzdem weitergefahren. Das Reglement schreibt vor, nach einem Torfehler das Rennen sofort zu beenden.

Der in Zagreb Drittplatzierte, der Kroate Ivica Kostelic, fühlte sich um den Sieg betrogen und kritisierte seine Konkurrenten scharf: "Es ist nur ein Rennen, aber die Schande währt ewig." Video-Aufzeichnungen des Rennens in Zagreb belegten schließlich, dass die Vorwürfe unberechtigt waren.

Siegchance nur bei 100 Prozent Leistung

Neureuther beim Slalom in Kitzbühel. Foto: dpa-pa

Zweiten Lauf verpasst

Der Verdacht, er sei ein "Schummel-Felix", ging an Neureuther nicht spurlos vorüber: "Das war schon ein großer Schlag ins Gesicht. Im Nachhinein ärgere ich mich darüber, dass ich mich so aus der Fassung habe bringen lassen." Auch auf der Rennpiste verlor der 27-Jährige seine Lockerheit: "Da lässt man sich durch so ein paar blöde Sachen ablenken und ist nicht hundertprozentig konzentriert bei der Sache. Das macht das Ganze nicht einfacher."

Beim Slalom in Kitzbühel, wo er 2010 einen seiner bisher zwei Weltcupsiege gefeiert hatte, verfehlte Neureuther den Finaldurchgang der 30 Besten. In Schladming wurde er nach dem ersten Lauf wegen eines Torfehlers disqualifiziert. Die Leistungsdichte im Slalom der Männer sei extrem hoch, sagt Neureuther. "Man kann sich nicht den kleinsten Fehler erlauben, wenn man vorne landen will."

In der Weltspitze angekommen

Rosi Mittermeier und Christian Neureuther beim Weltcup-Finale in Garmisch-Partenkirchen 2010 Foto: dpa-pa

Stolz auf den Sohn: Rosi Mittermeier (l.) und Christian Neureuther

Wenn er über die "Slalomartisten" redet, glänzen seine Augen. "Es macht mich froh und auch ein bisschen stolz, dass ich diese Zeit ein wenig prägen kann", sagt der Sohn der deutschen Skilegenden Christian Neureuther und Rosi Mittermaier bescheiden. Dabei kann sich die Liste seiner Erfolge durchaus sehen lassen: Team-Weltmeister 2005, WM-Vierter im Slalom 2009, zwei Weltcup-Siege, vier zweite, sechs dritte Plätze. Felix Neureuther gehört zu den Besten der Welt zwischen den Slalomstangen.

Ein ausgefallenes Hobby gönnt sich der Skirennläufer. Im Sommer-Trainingslager auf Neuseeland kauft er sich mit einigen Kollegen aus den USA und Schweden alljährlich für umgerechnet weniger als 200 Euro ein billiges Auto. "Dann bauen wir eine Schanze und gehen mit dem Auto springen. Der Rekord liegt bei 35 Metern." Die Ski-Trainer sind davon nicht gerade begeistert, drücken aber ein Auge zu. "Wir sind Extremsportler beim Skifahren", sagt Neureuther, "und dieses extreme Dasein lebt jeder Skifahrer auch so ein bisschen nach außen."

Autor: Stefan Nestler
Redaktion: Arnulf Boettcher

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