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Welt

Felipe: vom Prinzen zum König

Spanien und sein neues Staatsoberhaupt: König Felipe VI. hat die Nachfolge seines Vaters Juan Carlos angetreten. Der 46-Jährige ist perfekt ausgebildet und auf das Amt vorbereitet. Kann er die Monarchie neu legitimieren?

Er galt einmal als Europas begehrtester Junggeselle: Nun kann sich Felipe einen seriöseren Titel anheften - er wird König von Spanien. Die Abdankung seines 76-jährigen Vaters

Juan Carlos

kam für Experten völlig überraschend. "Es ist für mich sehr schwer zu verstehen," sagt Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert. "Da hat mit Sicherheit das Vorbild des Papstes eine große Rolle gespielt." Die spanische Verfassung sieht einen solchen Thronwechsel nicht vor, das

Abgeordnetenhaus

hat die Abdankung deshalb nachträglich zu billigen.

Trotz des ungewöhnlichen Vorgehens könnte der Wechsel genau zur richtigen Zeit kommen. Denn das Ansehen der spanischen Monarchie hatte in den vergangenen Jahren heftig gelitten. So hatte Juan Carlos viel Kritik geerntet, als er mitten in einer der schwersten Wirtschaftskrisen seines Landes eine teure Elefantensafari in Afrika unternahm. Auch ein

Korruptionsskandal

hatte den Hof beschäftigt. Zusätzlich ist Juan Carlos gesundheitlich sehr angeschlagen. "Ich glaube, dass Juan Carlos den Zeitpunkt richtig gewählt hat - viel tiefer konnte er nicht sinken", glaubt Seelmann-Eggebert.

Der am besten vorbereitete König

Spaniens König Juan Carlos. (Foto: Reuters)

Ein König geht in Rente: Mit seiner Abdankung betritt Juan Carlos Neuland

Nun hat Felipe die Aufgabe, das raponierte Image der Monarchie zu kitten. "Felipe soll die Monarchie stabilisieren und den Nationalstaat zusammen halten", sagt auch Adelsexperte Michael Begasse. Das wirtschaftlich angeschlagene Land hat eine Reihe von Problemen zu lösen, etwa beim Umgang mit den Separationsbewegungen in Katalonien und im Baskenland.

Der einzige Sohn von Juan Carlos und Sofia gilt mit seinen 46 Jahren zwar als relativ junger König, doch auf den Job seines Lebens ist er exzellent vorbereitet. Seit seinem neunten Lebensjahr, als er den Thronfolger-Titel "Prinz von Asturien" erhielt, wurde er auf diese Rolle geeicht. "Er wird eines Tages der am besten vorbereitete König Spaniens sein", erklärte sein Vater. Tatsächlich ist er der erste spanische Monarch mit Hochschulabschluss: Nach seinem Jura-Studium an der Universität in Madrid legte er noch einen Master in Internationalen Beziehungen an der Universität Georgetown in den USA nach. In der Armee durchlief er die Offizierslaufbahn bei Luftwaffe, Marine und Heer.

Humorvoll, intelligent, sportlich….

Spaniens Königsfamilie. (Foto: dpa)

Felipe neben Eltern und Ehefrau: Das Königshaus hatte viele Skandale zu verkraften

Auch in seiner Freizeit setzt er auf Vielfalt: Nach eigenem Bekunden mag er schnelle Autos und Motorräder, Skifahren, Tanzen und Segeln. Der fast zwei Meter große athletische Mann zeigte bei dem Wassersport soviel Talent, dass er sogar an den olympischen Spielen teilnahm. "Felipe ist ein sehr humorvoller Mann, er ist intelligent und super sportlich", sagt Adelsexperte Michael Begasse.

Daneben widmet sich Felipe auch intensiv seiner Familie. Gemeinsam mit der bürgerlichen Fernsehjournalistin Letizia Ortiz hat er zwei Töchter: die achtjährige Leonor und die siebenjährige Sofia. "Es gibt ganz strenge Regeln, so gibt es zum Beispiel am Wochenende nie Termine, weil er da nicht König oder Kronprinz sein will, sondern ganz einfach nur Papa", sagt Begasse. Die Ehe gilt trotz einiger Krisengerüchte als stabil. "Sie haben Höhen und Tiefen, was ganz normal ist in einer zehnjährigen Ehe", teilte ein Palastsprecher dieses Jahr mit. In ihrer Freizeit zeigt sich das Paar auch bürgernah. Immer wieder werden sie zum Beispiel beim Einkauf gesichtet.

….aber auch zurückhaltend und blass

Felipe und Leitizia. (Foto: Getty Images)

Trotz Gerüchten beständig: Felipe ist seit zehn Jahren mit Letizia verheiratet

Der Tausendsassa ist beliebt bei der Bevölkerung. Der freundliche, aber sehr ruhige Felipe bietet aber auch kaum Angriffsfläche: "Sein Vater hatte diese hemdsärmelige herzliche spanische Art - die hat Felipe nicht, er ist viel zurückhaltender", sagt Seelmann-Eggebert. Der 46-Jährige soll das Gemüt seiner Mutter Sofia geerbt haben - ruhig und diszipliniert. "Auf mich wirkt er, obwohl er ja schon einige Repräsentationserfahrungen hat, schüchtern", so Seelmann-Eggebert weiter. Für ihn ist klar: Ehefrau Letizia muss mit ihrer offenen und fröhlichen Art die Lücke künftig füllen.

Auch für Begasse ist Felipe schwer greifbar. "Er ist relativ farblos, man weiß nicht, wofür der neue König steht." Das birgt natürlich auch Vorteile - im Gegensatz zu seinem lebensfrohen Vater hat Felipe Fettnäpfchen bislang vermieden, Skandale und Affären scheinen ihm fremd. Trotz dieser Herausforderungen: Felipe hat einen guten Ratgeber in ähnlicher Position. Denn auch niederländische König Willem-Alexander hat den Thron recht früh bestiegen. "Da können sich Felipe und Letizia eine Menge abgucken: Was es heißt, nicht nur Blumen entgegen zu nehmen und Bänder durchzuschneiden, sondern mit Visionen ein Land nach vorne zu bringen," sagt Journalist Begasse.

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