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Fein

Es ist einsilbig, aber wer es benutzt, lobt mit ihm in den höchsten Tönen: das Wort "fein" ist klein, aber fein. Die verschiedenen Bedeutungen dieses Wörtchens gilt es allerdings fein säuberlich zu unterscheiden.

"Heute gehen wir mal richtig fein aus". Fein ausgehen heißt: "schick" ausgehen. Das kann teuer werden. Es gibt ganz teure Lokale, die sind mehr als schick, die sind "todschick". Auch dem Adjektiv "fein" hat man dann die entsprechende Steigerung zu verpassen: "piekfein". Das kommt wahrscheinlich aus dem Niederländischen: "puik" – das heißt "erlesen".

Guten Appetit!

In einem piekfeinen Lokal ist alles vom Feinsten: das Interieur – erstklassig, die Sauberkeit – tadellos, die Speisen – erlesen! Die Menschen – aufgetakelt--- Moment: nein, das sieht nur manchmal so aus. Die Menschen machen sich fein fürs feine Restaurant, und manchen gelingt es eben nicht. Die sitzen dann in merkwürdigem Aufzug im "Gourmet-Tempel" und gehen als unpassender Anblick dem feinfühligen Betrachter auf die Nerven. Möglicherweise. So lange die Geschmacksnerven nicht strapaziert werden ...

"Ein echter Feinschmecker", schrieb der französische Schriftsteller Anthelme Brillat-Savarin, "Ein echter Feinschmecker, der ein Rebhuhn verspeist hat, kann sagen, auf welchem Bein es zu schlafen pflegte." Tja, das sind Feinheiten für Feingeister. Ich persönlich kann gerade mal feine Leberwurst von grober Leberwurst unterscheiden. Auch fein. Also: auch schön.

Gold, Geld, Geschmeide

Meine Geschmacksnerven sind nicht so fein, auch in einem Feinkostladen sieht man mich darum selten, während eine Feinbäckerei mich häufiger sieht. Dort produziert der Feinbäcker – oder auch Konditor - vor allem Kuchen, Torten und allerlei andere süße Nasch(f)einheiten. Mmmh. Doch genug davon.

Schauen wir uns lieber die feinen Leute an. Kann man diese eigentlich verlässlich daran erkennen, was sie am Leibe tragen, wie viele Feinunzen Edelmetall ihre Handgelenke zieren? "Feine Leute sind solche, die nur in feiner Umgebung ordinär werden", schreibt der Autor Wolfgang Herbst. Das ist möglich. Zumindest macht der Satz deutlich: das Feine der feinen Leute muss nicht sichtbar sein.

Herr und Kerl

Selbst in konservativen Kreisen machen Geschmeide oder Kleider nicht notwendig den feinen Menschen aus. Hier erhält das Edelprädikat "fein", wer als kultiviert, kunstsinnig und vornehm gilt. So jemand ist eine feine Dame oder ein feiner Herr oder eben ein feiner Mensch. Das Feine ist übrigens nicht immer nur bei den feinen Leuten zu Hause. Ist jemand "ein feiner Kerl", dann kann der so Gelobte alles mögliche sein: ein Kind, ein Knecht, ein Hund. Aber eben ein sehr liebenswürdiger.

Manchmal nennt man eine Gesellschaft eine feine, und meint das sarkastisch, also negativ. "Fein" steht hier für das Gegenteil von "natürlich" oder „ehrlich“. Das Feine wird Selbstzweck, hohl. Wer gegen solch blutleer gewordene Etikette verstößt, der begeht einen Verstoß gegen die feine englische Art – allenfalls eine kleine, verzeihliche Sünde.

Genau unterscheiden

Vor rund einhundert Jahren dichtete Oskar Blumenthal: "Willst du gewinnen der Menschen Gunst, so musst du lernen die saure Kunst, zu sprechen stets mit feiner List, wie andern der Schnabel gewachsen ist." Das kann nicht jeder ...

Der Ton macht die Musik. Der „feine Kerl“ kann seinen Bedeutungsbonus der Ritterlichkeit verspielen. Wenn es in spöttischem Tonfall heißt: „Guck dir den feinen Kerl an!“, da mutiert der Ritter zur Mimose, zum feinen Pinkel. Ein „Du bist aber ein feines Früchtchen!“ ist selten anerkennend. Manchmal aber schon. Wann ist etwas diplomatisch geschickt und wann bloß spitzfindig. Was ist List, was Hinterlist? Ist einer herzlich oder affektiert? Da gilt es, fein zu unterscheiden!

Regenfein und Sonnenschein

Kann man sagen: Je feiner, desto hochwertiger? Ja, - ist aber falsch: Feinstaub, so klein er auch ist, man protzt ungern mit ihm. Und wer schon mal in ganz feinem, zerstäubendem Regen stand, weiß, wie unfein man sich darin fühlen kann. Dazu muss man nicht mal feinbesaitet sein. Und feinfühligen Personen, sensiblen Menschen also, kann man sowieso nichts vormachen. Aber wer ist das schon ständig.

Ein Sprichwort beruhigt: „Es ist nichts so fein gesponnen, alles kommt ans Licht der Sonnen.“ Der Sommer macht es dem Betrachter da leicht. Aber ich will nichts erzählen vom feinen Stoff, der feinen Seide, den Feinstrumpfhosen, die man da zu sehen kriegt.

Fein gesponnen

Aber im Gegenzug will ich auch schweigen von Feinrippunterwäsche. Erzählen möchte ich bloß über Feinwaschmittel. Aber ein andermal. Erst verfeinere ich meine Sinne. Ab zum Feinbäcker!

Fragen zum Text

Piekfein bedeutet …

1. überhaupt nicht fein.

2. grob.

3. ganz besonders fein.

Ein Feinbäcker ist ...

1. ein Bäcker mit schicker Kleidung.

2. ein Konditor.

3. ein Adliger.

Wenn man jemanden einen feinen Kerl nennt, dann …

1. beschimpft man ihn.

2. lobt man ihn.

3. ärgert man ihn.

Arbeitsauftrag

Was ziehen Sie an, wenn Sie sich fein machen? Beschreiben Sie Ihrer Klasse diese Kleidung in einem kurzen Vortrag.

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