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Politik

Feiertag ist Einkaufstag

Am 11. November soll in den USA der Kapitulation Deutschlands im Ersten Weltkrieg gedacht werden. Tatsächlich ist der "Veterans Day" beliebter Anlass, einkaufen zu gehen. Wie jeden Feiertag.

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Wahre Schlachten toben in dieser Woche in Boutiquen, Schuh- und Möbelgeschäften, in Warenhäuern und Läden für Kinderspielzeug : Nur geht es nicht um Krieg oder Frieden, sondern um Schnäppchen. Günstigerweise findet man meist alles unter einem Dach. Einem großen Dach.

Von D über A nach U?!

Zum Beispiel in Tysons Corner Center in der Nähe von Washington. Mit 32.500 Quadratmetern Fläche eines der größten Einkaufszentren in den USA. 290 Geschäfte auf diversen Ebenen bieten alles, was das Herz begehrt. Wer hier zum ersten Mal einkaufen geht sollte, wenn möglich, einen Amerikaner mitnehmen. Die Einheimischen können in der Regel helfen, die gröbsten Fehler zu vermeiden. Erste Falle: Parkhaus. Mit Raum für mehrere Tausend Autos ist die Herausforderung nicht so sehr einen Platz zu finden, sondern den richtigen Platz zu finden. Wer jemals auf Ebene D geparkt und später festgestellt hat, dass sein Zielgeschäft auf Ebene A im Abschnitt U liegt, weiß, was das bedeutet.

Regel No 1: Im Zweier billiger

Ebene A, Abschnitt U. Hat man keinen Einheimischen dabei und auf Ebene D geparkt, kann man diesen Fehler zumindest teilweise wieder ausbügeln, indem man zunächst ein Schuhgeschäft ansteuert. Ein bequemes Paar Turnschuhe für den Rückweg kann nur helfen. Und zum Veteranen-Tag gibt es gute Angebote. Wer jetzt ein Paar kauft, zahlt für das zweite nur die Hälfte. Eigentlich braucht man das zweite Paar zwar gar nicht, aber irgendwie hört es sich gut an, wie der Verkäufer sagt: “Je mehr Sie kaufen, desto mehr können Sie sparen”. Außerdem kaufen andere gleich vier Paar.

Damit man nach dem ohnehin nicht gewollten Schuhkauf nicht auch noch ziellos durch das Einkaufszentrum irrt, empfiehlt es sich, einen der Informationsstände mit farbenfrohen Übersichtskarten anzulaufen. Etwa 15 Minuten konzentriertes Studium des Plans reichen meist aus, um einen groben Überblick zu bekommen.

Ebene A, Abschnitt K: Designer-Kleidung ist in den USA viel günstiger zu bekommen als in Europa. Zum Veteranen-Tag gibt es den Calvin-Klein-Mantel für 80 Dollar. Und die nette Dame an der Kasse legt noch einen Gutschein dazu über weitere 15 Dollar. Den kann man zwar nur beim Kauf eines weiteren Mantels einlösen, aber eigentlich wollte man ja schon immer auch noch einen Trenchcoat haben. Zuhause merkt man, das der doch nicht so gut sitzt, aber er war wirklich günstig! Außerdem kaufen andere auch gleich mehrere Mäntel.

Ebene C, Abschnitt A: CDs und Bücher sind auch im Angebot. Zuhause stellt man später zwar fest, … klar: Dass man das Anastacia-Album schon hat. Aber es war ja um 30 Prozent billiger, weil man ja noch zwei andere CDs gekauft hat.

Regel No. 2: Ein Feiertag ist immer

Der Aufruf zum Kaufrausch ist in den USA keineswegs auf den Veteranen-Tag beschränkt. Es gibt Ausverkäufe zum Jahresende und Ausverkäufe zum Jahresanfang. Drei Wochen danach hat Martin Luther King Geburtstag, gefolgt von George Washington im Februar. Tag der amerikanischen Truppen, Tag für die gefallenen Soldaten, Unabhängigkeitstag, Columbus Tag und so weiter. Alle sind in Amerika Anlass zum Einkaufen. Meist mehr als man braucht, oft auf Pump.

Regel No. 3: Puf Pump? Kein Thema!

Eins fällt auf in den Schlangen vor den Kassen. Fast niemand hat Bargeld dabei. Offizielles Zahlungsmittel in den USA sind Kredit- und Einkaufskarten der diversen Warenhauser. Der Markt zwingt Händler und Banken dazu, mit immer neuen Angeboten auf Kundenfang zu gehen. Rabatt- und Gutschein-Aktionen sollen dafür sorgen, dass die Käufer wiederkommen. Gut für die Kunden, die aus einem großen, oft sehr günstigen Angebot wählen können. Und sie tun es auch. Allerdings kann man dabei auch die Übersicht verlieren.

Einige Möbelgeschäfte zum Beispiel bieten Zahlpausen von bis zu zwei Jahren an. Soll heißen, die neue Couch ist fast schon wieder reif für den Sperrmüll, bevor die erste Rate überwiesen ist. Rund 55.000 Dollar brutto bekommt ein Durchschnitts-Verdiener in Washington jährlich. Laut Statistik hat er oder sie allerdings bis zu vier Kreditkarten gleichzeitig. Zu oft abenteuerlichen Zinsen. Amerikaweit stehen zur Zeit 2.161 Milliarden Dollar in Kreditkarten-Rechnungen offen.

Auch als Tourist wird man sehr wahrscheinlich mit einer etwas größeren Kreditkartenrechnung nach Hause kommen. Und mit Blasen an den Füßen. Zumindest, wenn man auf Ebene D geparkt hat.

  • Datum 10.11.2005
  • Autorin/Autor Sandra Wolter
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  • Permalink http://p.dw.com/p/7RDD
  • Datum 10.11.2005
  • Autorin/Autor Sandra Wolter
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