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Kultur

Feier in Rom: Heiligsprechung als Superlativ

In einer beeindruckenden Feier hat Papst Franziskus in Rom seine Vorgänger Johannes XXIII. und Johannes Paul II. heiliggesprochen. Hunderttausende waren gekommen, Millionen sahen zu. Ein Ereignis, das es so noch nie gab.

Jede Menge Rekorde im Vatikan: Die größte Heiligsprechungsfeier aller Zeiten. Erstmals überhaupt waren ein Papst und sein Vorgänger - Franziskus und Benedikt - zusammen bei einem Gottesdienst auf dem Petersplatz. Und noch nie wurden zwei Päpste gleichzeitig als Heilige anerkannt. Einer davon im schnellsten Heiligsprechungsverfahren der Neuzeit.

Papst Franziskus verlas die offizielle Formel, mit der die bislang seligen Päpste Johannes XXIII. (1958-1963) und Johannes Paul II. (1978-2005) "zur Ehre der Altäre" erhoben wurden. Damit können seit Sonntag (27.04.2014) Katholiken in aller Welt die beiden offiziell als Heilige verehren.

Die nun geehrten Päpste hätten, so Franziskus, in "unauslöschlicher Weise zur Entwicklung der Völker und zum Frieden" beigetragen. Diese Aussage erinnerte an die dramatische Lage im Ukraine-Konflikt, auch wenn der jetzige Nachfolger des Apostel Petrus sie nicht explizit ansprach. Noch am Samstag hatte er den ukrainischen Ministerpräsidenten Arseni Jazenjuk in Audienz empfangen. Und auf manchem Gebetszettel in den nächtlich geöffneten Kirchen Roms stand "Friede für die Ukraine".

Der Weltfrieden

Papst Franziskus während der Heiligsprechung zweier Päpste (Foto: Reuters)

Papst Franziskus während der Messe

Die Wahrung des Weltfriedens prägte das

Leben beider Vorgänger

. Johannes XXIII., der selbst als Sanitätssoldat die Schrecken des Ersten Weltkrieges erlebte hatte, veröffentlichte 1963, kurz nachdem sich die Großmächte in der Kuba-Krise gegenüberstanden, die bis heute beachtete Enzyklika "Pacem in terris" (Friede auf Erden). Johannes Paul II., bürgerlich Karol Wojtyla, der Papst aus dem damals kommunistischen Polen, trug massiv zum demokratischen Wandel in seiner Heimat und in Mittel- und Osteuropa bis hin zum Fall der Mauer bei. Die neuen Heiligen hätten die Tragödien des 20. Jahrhunderts erlebt, ohne davon überwältigt worden zu sein, so der jetzige Papst.

Vorrangig hob Franziskus seine Vorgänger als mutige Zeugen der Barmherzigkeit und kirchliche Erneuerer hervor. Und nannte Karol Wojtyla den Papst der Familie. Beide hätten danach gestrebt, die Kirche in "ihrer ursprünglichen Gestalt wiederherzustellen und zu aktualisieren". Spätestens da klang an, wie sehr sich der Papst aus Argentinien nicht nur als Erneuerer, sondern auch als

Bewahrer in der Spur der Vorgänger

sieht. Ihn prägt die Nahbarkeit und Natürlichkeit des einen, die Glaubenstiefe des anderen.

Die vier Päpste

Bis zu einer Million Menschen feierte diesen Tag in Rom, rund 500.000 auf dem Petersplatz und in den anliegenden Straßen, der Rest vor großen Bildschirmen auf Plätzen der Stadt.

Hunderttausende Polen

prägten die Szene auf dem Petersplatz. Aber ihr Jubel und Beifall brandete für jeden Papst auf. Zunächst für den emeritierten Benedikt, der, nun 87-jährig, eine knappe halbe Stunde vor Beginn der Messe langsam, doch sicheren Schrittes seinen Sitz einnahm. Er trat erstmals nach seinem Rücktritt vor 14 Monaten bei einer solch großen Feier auf dem Petersplatz auf. Kräftiger Beifall dann beim Einzug des heutigen Papstes Franziskus, schließlich für die neuen Heiligen, als deren Portraits groß auf die Bildschirme kamen. Viele der Polen waren auch vor acht Jahren hier in der Trauer um "ihren" Papst und riefen damals fordernd-flehend "subito santo", "sofort heilig". Dann kamen sie vor drei Jahren zur Seligsprechung. Und nun ist ihr Karol ziemlich subito santo geworden.

Zuschauer warten auf dem Petersplatz auf Heiligsprechung zweier Päpste (Foto: Getty Images)

Gläubige und andere Zuschauer warten auf dem Petersplatz auf die Zeremonie

Aber wer auch immer dabei war, hatte zuvor harte Stunden. Adam mit seiner Frau kam am Samstag per Auto aus einem Dorf in Breslau an, 1800 Kilometer in 22 Stunden, Jan aus Krakau trampte mit Freunden in zweieinhalb Tagen. "Es ist doch unser großer Papst", sagte er. Wie Zehntausende anderer verbrachten sie die Nacht vor der Feier an den Absperrungen rund um die Basilika Sankt Peter und kämpften sich am Morgen langsam voran. Vielen Pilgern stand die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben. Und schon vor Beginn der Messe bargen Sanitäter Notleidende auf Bahren und Decken. Das Ausmaß der Feier brachte Teilnehmer und Organisation an ihre Grenzen.

Enzo Cinellio aus einem Dorf bei Rom (Foto: DW)

Pilger Enzo Cinellio

Enzo Cinellio, Italiener aus einem Dorf bei Vicenza südlich von Rom, staunte. "So viele Polen, fast überall." Stolz präsentierte er seinen polnischen Nachbarn sein T-Shirt. Es zeigt ein Foto: Enzo in Polizeiuniform, direkt an der Seite von Johannes Paul II. "Das war am 8. Oktober 2003. Ich werde es nie vergessen." Nach dem Tod des polnischen Papstes pilgerte der nun 49-jährige Enzo von Rom nach Montecassino. Nun bricht er vom Petersplatz erneut auf, will am Donnerstag sein Ziel erreichen.

Wenn Cinellio nach Montecassino wandert, geht Franziskus bereits weiter auf seinem Weg der kirchlichen Erneuerung. An diesem Montag (28.04.2014) kommt er wieder mit acht Kardinälen aus aller Welt zusammen, seinem engsten Beraterkreis. Bei aller sonntäglichen Feststimmung - der Alltag und die Debatte um Reformen gehen weiter im Vatikan.

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