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Afrika

"Fehlverhalten soll nicht vertuscht werden"

Nigerias Militär hat nach Informationen von Human Rights Watch in Baga Menschen getötet und Häuser niedergebrannt. Das Militär sagt, es habe dort gegen Boko Haram gekämpft. HRW verlangt Aufklärung.

Laut Human Rights Watch (HRW) hat das nigerianische Militär Mitte April Teile der nordnigerianischen Stadt Baga während einer Razzia verwüstet. Nigerias Präsident Goodluck Jonathan hat nach der Anschuldigung am Mittwoch (01.05.2013) versprochen, jeden Soldaten zu bestrafen, der an diesen Verbrechen beteiligt war.

Deutsche Welle: Herr Guttschuss, HRW hat Satellitenbilder analysiert und herausgefunden, dass mehr als 2000 Gebäude zerstört wurden. Welche anderen Beweise hat Ihre Organisation, um die Vorwürfe zu untermauern?

Eric Guttschuss: HRW hat Überlebende interviewt, die Baga nach dem Vorfall vom 16. April auf den 17. April verlassen hatten. Wir haben außerdem Satellitenbilder der Stadt vor und nach dem Angriff analysiert. Die Satellitenbilder zeigen, dass 2275 Häuser zerstört und 125 weitere schwer beschädigt wurden. Die Zerstörung ist auf Bagas südlichen Teil beschränkt - dort sind mehrere Wohngegenden, in denen Häuser in Brand gesteckt und zerstört wurden.

Was haben Ihnen die Bewohner von Baga berichtet?

Portraitfoto Eric Guttschuss, Human Rights Watch (Foto: HRW)

Eric Guttschuss, Nigeria-Experte von Human Rights Watch

Wir haben mit sieben Bewohnern gesprochen, die aus Baga geflohen sind. Diese haben wir einzeln befragt, nicht zusammen. Und sie sind alle in der Nacht der Razzia geflohen. Sie haben von lauten Schüssen und Feuer berichtet. Wir müssen noch ermitteln, wie sich das Feuer ursprünglich ausgebreitet hat. Nach Aussagen der Gemeinde-Vorsteher war es das Militär, das nach dem Tod eines Soldaten durch Boko-Haram-Mitglieder Feuer gelegt hat. Zwei der Überlebenden, mit denen wir gesprochen haben, waren am Morgen nach dem Angriff nach Baga zurückgekehrt und haben dort gesehen, wie Soldaten im südlichen Stadtteil Häuser niedergebrannt haben.

Und wie stehen Sie zu der Aussage des Militärs, das internationale Medienberichte über 180 getötete Menschen bestreitet?

Das ist wirklich sehr besorgniserregend für uns. Eine Woche nach dem Angriff auf Baga hat das Militär ein Statement des Truppenkommandeurs veröffentlicht, der darauf besteht, dass nur etwa 30 Häuser mit strohgedeckten Dächern abgebrannt wären. Das stimmt nachweisbar nicht. Und wir sind besorgt, dass dort versucht wurde, das Fehlverhalten der Sicherheitskräfte in Baga zu vertuschen.

Die Gemeinde-Vorsteher, mit denen wir gesprochen hatten, haben gesagt, dass sie am 18. April an einem Begräbnis von 183 Opfern teilgenommen haben. Außerdem haben Menschen, die die Gemeinde besucht haben, davon gesprochen, dass über 220 Menschen umgebracht wurden. Das Militär hingegen behauptet, dass lediglich 37 Menschen während des Angriffs gestorben seien - davon seien 30 Boko-Haram-Mitglieder gewesen. Wir brauchen hier dringend eine unabhängige und vorurteilsfreie Aufklärung um herauszufinden, was passiert ist und wie viele Menschen gestorben sind. Und es muss sichergestellt werden, dass diejenigen, die für diese Verbrechen verantwortlich sind, zur Rechenschaft gezogen werden.

Das Interview führte Asumpta Lattus.

Eric Guttschuss ist Nigeria-Experte der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in Washington DC.

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