1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Alltagsdeutsch – Podcast

Fehlerteufel

Er ist überall und stets ungern gesehen, umso ärgerlicher jedoch wird es, wenn sich der Fehlerteufel in die Bücher einschleicht, die eigentlich erklären sollen, was richtig ist und was falsch: in die Schulbücher.

Sprecherin:
Eine Schule in Köln. Das Klingelsignal ertönt. Ende der Pause, der Unterricht geht weiter. Aber halt, da schleicht doch jemand über den Schulhof ins Klassenzimmer hinterher, der dort gar nichts zu suchen hat ...

Fehlerteufel:
"Wer hat mich denn da entdeckt? Ich bin doch unsichtbar. Nur meine Spuren kann man sehen: Die hinterlasse ich nämlich gerne. Sie wollen wissen, wer ich bin? Der Fehlerteufel natürlich. Hach, wie ich es liebe, die Menschen zu überlisten, und ihren Schriftstücken meinen Stempel aufzudrücken. Hihi, meistens merken sie es gar nicht, dass da plötzlich etwas Falsches geschrieben steht, zum Beispiel 'meit' statt 'meist' oder 'Rübel' mit 'b' statt 'Rüpel' mit 'p'. So etwas lasse ich mir einfallen. Da gibt es so viele, ach was sage ich, abertausende Fehler, die ich aus dem Ärmel schütteln kann. Und wie das Spaß macht, so richtig auf die Pauke zu hauen! Hihi.."

Sprecherin:
Ja, ja, der Fehlerteufel ist schon ein unangenehmes Kerlchen, das man ganz schwer zu fassen kriegt. Überall treibt er sein Unwesen. Besonders übel ist es aber, wenn er in Schulbüchern zuschlägt. Aus denen sollen die Kinder ja eigentlich etwas lernen. Das meint auch Gymnasiallehrer Manfred Baumgarten.

Manfred Baumgarten:
"Ich möchte nicht behaupten, dass die Schüler mit dem, ja, zugrunde liegenden Material auf keinen grünen Zweig kommen können, aber hier und da muss man den Verlagen sagen, dass sie auch sorgfältiger arbeiten müssen. Bei dem breiten Spektrum an Fehlern bekommt man oft den Eindruck, dass, ja, der Fehlerteufel nach wie vor hart zuschlägt."

Sprecher:
Der Fehlerteufel ist natürlich keine wirkliche Gestalt. Aber er kommt immer dann ins Spiel, wenn irgendwo Fehler auftauchen: Korrigiert man etwas auch noch so oft, irgendwo übersieht man doch etwas. Dann, sagt man, ist es die Schuld des Fehlerteufels. Er drückt Schriftstücken seinen Stempel auf: Er unterzeichnet also als Verantwortlicher – und das nicht nur im wörtlichen Sinne: Man kann einer Angelegenheit oder einer Idee auch im übertragenen Sinne seinen Stempel aufdrücken, sie also in seinem Sinne gestalten. Unser Fehlerteufel schüttelt gerne Fehler aus dem Ärmel, es ist für ihn ganz leicht und mühelos. Dieser Ausdruck erklärt sich aus der spätmittelalterlichen Mode der weiten taschenförmigen Ärmel, aus denen manch Überraschendes zutage gefördert wurde. Eine Mode, der sich Zauberkünstler auch heute noch zum Erstaunen ihres Publikums bedienen, um Verblüffendes aus dem Ärmel zu schütteln.

Sprecherin:
Wenn der Fehlerteufel zuschlägt, ist es gar nicht so einfach, beim Schreiben auf einen grünen Zweig zu kommen. Man bringt es einfach zu nichts. Diese Redensart spielt auf einen alten Rechtsbrauch an: Hatte jemand ein Grundstück gekauft, überreichte ihm der Vorbesitzer bei der Übergabe eine kleine Rasenscholle, in der ein grüner Zweig steckte. Wer also arm und ohne Besitz blieb, kam nie auf einen grünen Zweig. Wahrscheinlich hatte er auch keinen Grund, auf die Pauke zu hauen, ein rauschendes Fest zu feiern oder sich einer Sache überschwänglich hinzugeben. "Pauke" stammt vom mittelhochdeutschen Wort "puken" ab: "drauflosschlagen", "trommeln". Aber lassen wir einen Pauker zu Wort kommen, wie Schüler den Lehrer oft despektierlich nennen, denjenigen nämlich, der in früheren Zeiten den Hosenboden paukte, auf ihn schlug. Eine Sitte, die Gott sei Dank, der Vergangenheit angehört. Und weniger pauken die Schüler deswegen auch nicht: Sie lernen nicht weniger angestrengt.

Fehlerteufel:
"Ah, hört doch mit dem Gequietsche auf. Das kann ja keiner aushalten. Ich wollte dem Pauker doch gerade eins auswischen, wenn er auf die Tafel schreibt."

Sprecherin:
Du hältst dich jetzt zurück, Fehlerteufel! Lehrer Baumgarten möchte uns über Fehler in Schulbüchern aufklären:

Manfred Baumgarten:
"Als Lehrer vertraut man oft darauf, dass Schulbücher sorgfältig gearbeitet sind, aber die sind auch nicht immer der wahre Jakob, das hat sich ja schon oft genug herausgestellt. Ja, man kann zwischen drei Gruppen unterscheiden von Fehlern in Schulbüchern: Zum einen gibt's da mal den klassischen Druckfehler, das ist dann, ja, diese Buchstabenverdreher, zum Beispiel 'udn' anstatt 'und', dann aber zum zweiten – und das ist schon gravierender – echte, ja, Nachlässigkeitsfehler. In einem Buch habe ich zum Beispiel entdeckt, ausgerechnet im Inhaltsverzeichnis: 'Regenwalt' mit 't' oder Referat als 'Refarat' geschrieben mit 'a'. Eine dritte, wirklich große Gruppe, was sehr oft falsch gemacht wird in Schulbüchern, ist das Methodische, worauf ja auch Wert gelegt werden sollte, dass zum Beispiel Karikaturen ohne Datum sind oder Statistiken auch eben unübersichtlich und ohne Quellenangaben."

Fehlerteufel:
Also, das mit der Methodik ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Das lasse ich mir nicht in die Schuhe schieben. Aber der 'Regenwalt' mit t', hihi. Fünfmal hat der Autor Korrektur gelesen und den Fehler doch nicht entdeckt. Der hatte wirklich Tomaten auf den Augen."

Sprecherin:
Etwas mehr Respekt bitte. Dein Benehmen ist auch nicht der wahre Jakob!

Sprecher:
Da ist er wieder: der wahre Jakob. Wenn etwas nicht der wahre Jakob ist, dann ist es nicht das, was man erwartet oder sucht. Der Legende nach soll der heilige Jakob, einer der Apostel Jesu und Schutzheiliger von Spanien, in Santiago de Compostela begraben sein. Deutsche Wallfahrer, die zu Ehren Jakobs bis Spanien wallfahrten, sahen verächtlich auf jene Gläubigen herab, die den weiten beschwerlichen Weg scheuten und lieber näher liegende Gräber von Heiligen gleichen Namens aufsuchten. Von denen war jedoch keiner der wahre Jakob.

Sprecherin:
Der Fehlerteufel behauptet, methodische Fehler in Schulbüchern seien nicht auf seinem Mist gewachsen, er hätte sie also nicht verursacht. Das Bild stammt aus der Landwirtschaft. Mist ist bekanntlich guter Dünger, der die Pflanzen besser gedeihen lässt. Wenn also ein anderer für methodische Fehler verantwortlich ist, wollen wir es nicht unserem kleinen Dämon anlasten. Wir sollten es ihm nicht in die Schuhe schieben – so wie ein Dieb in der Herberge das gestohlene Gut einem anderen in die Schuhe schmuggelt, aus Furcht erwischt zu werden. Möglicherweise will er auch jemandem eins auswischen, ihm Schaden zufügen. Aber vielleicht haben die Häscher ja Tomaten auf den Augen und bemerken die Beute gar nicht, sie können sie nicht sehen, sind sozusagen mit Blindheit geschlagen.

Schüler:
"Guten Morgen, Herr Lehrer."

Fehlerteufel:
"Hihi, ich bin auch wieder da. Heute bereiten sich die Schüler nämlich auf Auswahltests vor. Mal gucken, ob ich ihnen die Suppe versalzen kann und das Handbuch ein wenig manipuliere..."

Manfred Baumgarten:
"In einem Buch über Bewerbungstraining für, ja, Berufssuchende der 9. und 10. Klasse, da war also ein ganzes breites Spektrum an Aufgaben drin für Auswahltests an den Firmen, also einfache Mechanik, einfache Algebra, Textaufgaben, Dezimalrechnung und so weiter und so fort, und in diesem Beispiel war halt die Lösung definitiv falsch angegeben. Nun mag man sich ja auch zunächst als Lehrer nicht direkt die Blöße geben, dass man das nicht verstanden hat, rätselt erst mal herum und probiert, ja, hast du dich vielleicht vertan. Tatsächlich war dieses Lösungsbeispiel für das gesamte Kapitel falsch. Ich habe dann flugs mit einigen, ja, handgeschriebenen Sätzen das Ganze dem Autor über den Verlag geschickt. Tatsächlich kam nach wenigen Tagen schon die Antwort, also ganz, ganz krude Begründung, nach dem Motto: Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts."

Fehlerteufel:
"Sag ich ja, bei diesem Handbuch hab' ich nicht auf der faulen Haut gelegen, sondern ganze Arbeit geleistet. Schade, dass der Lehrer den Braten gerochen hat."

Sprecherin:
Wer hat dich denn gefragt. Musst du immer deinen Senf dazugeben?

Sprecher:
Der Fehlerteufel kann wohl nicht anders: Er gibt immer seinen Senf dazu, er gibt also ungefragt seine Meinung zum Besten. Das Gewürz Senf muss jeder einer Speise nach eigenem Geschmack hinzufügen. Wer unaufgefordert seinen Senf dazugibt, reizt zum Widerspruch. Aus der Küche stammt auch die Redewendung jemandem die Suppe versalzen, jemandem etwas gründlich verleiden. Und die Formulierung den Braten riechen bedeutet, etwas rechtzeitig zu erahnen und aufzudecken.

Sprecherin:
Wer sich eine Blöße gibt, verrät eine Schwäche – ebenso wie ein Fechter, der seine Deckung aufgibt. Das kann natürlich besonders leicht passieren, wenn man viel auf der faulen Haut liegt, nämlich einfach faul ist und müßig geht. Dass man nicht einfach sagt, jemand sei faul, verdanken wir dem römischen Geschichtsschreiber Tacitus. Der hat nämlich den Germanen unterstellt, sie würden auf Bärenhäuten faulenzen.

Fehlerteufel:
"Mit Tacitus habe ich nichts am Hut. Außer vielleicht: 'errare humanus est'. Hihi. Da hab' ich schon in manchem Lateinheft zugeschlagen. Und hinterher handele ich immer nach der Devise: Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts."

Sprecherin:
Bevor wir hier irgendeine Formulierung erklären, stellen wir erst mal eins klar. Es heißt natürlich: errare humanum est, irren ist menschlich. Mit so plumpen Fehlern wollen wir nämlich nichts am Hut haben, wir wollen nichts damit zu tun haben. Was der Fehlerteufel sich da leistet, geht wirklich über die Hutschnur, es geht zu weit. Die Hutschnur war früher ein Maß für den Wasserstrahl. Das Wasser sollte nicht stärker aus der Leitung fließen als eine Hutschnur breit ist.

Sprecher:
Meine Name ist Hase, ich weiß von nichts
. Diese Redensart gilt als etwas zweifelhafte Beteuerung, mit einer verdächtigen Angelegenheit nichts zu tun zu haben.

Fehlerteufel:
"Hihi, da lassen die sich einen ganz schönen Bären aufbinden. Ich muss aber jetzt wieder an die Arbeit, heute versuche ich mich mal am Mathematikbuch."

O-Töne:
"Ich finde es echt cool, wenn ich Fehler finde. Manchmal haben die in den Büchern wohl 'n Brett vorm Kopf." / "Das ist schon ein Hammer, wenn noch nicht mal die Autoren von Schulbüchern richtig rechnen können."

Manfred Baumgarten:
"Stoßen die Schüler auf solche Beispiele, dass in dem Schulbuch im Text oder in der Abbildung oder auch im Rechenbeispiel Dinge falsch dargelegt sind, passt denen das natürlich sehr in den Kram, dass sie nun auch mal auch dem Lehrer oder dem vermeintlich immer wahrheitsgetreuen Schulbuch so richtig schön einen zurückgeben können, denn auf solche Sachen springen die an und machen dann oft den Lehrer darauf aufmerksam. Man kann also nicht die Schüler unbedingt alle über einen Kamm scheren, dass sie nur konsumieren, sondern dass sie auch doch in hohem Maße selbständig denken und gerade sich auf solche Beispiele stürzen. Das soll aber jetzt nicht dazu verleiten, dass man die Bücher jetzt extra mit Fehlern versieht, damit die Schüler aufmerksamer werden, wäre ja auch ein methodischer Zugang, Aufmerksamkeit durch Fehler."

Sprecherin:
Schulbücher absichtlich mit Fehlern zu versehen, das wäre ein Hammer! Es wäre unüberbietbar, sehr eindrucksvoll, ein Knüller. Wer einen Knüller nicht erkennt, hat wahrscheinlich ein Brett vorm Kopf, er ist dumm und einfältig. Das erinnert an das Joch des Zugochsen, der immer als besonders dumm galt. Solch einem dummen Menschen kann man leicht einen Bären aufbinden, man kann ihm etwas vormachen, ihn anlügen. Es gibt zwei Erklärungen für diese Redewendung. Zum einen stammt "Bär" vom dem Ausdruck "bar" ab, was so viel wie Last oder Abgabe bedeutet. Zum anderen sollen Jagdgesellen früher dem Wirt einen lebendigen Bären an die Theke gebunden haben – als Pfand für ihre Zechschuld.

Sprecher:
Ob das dem Wirt in den Kram gepasst haben mag? Ob ihm das gelegen kam, ob es erwünscht war? Wohl kaum. "Kram" nannte man früher die Ware des Krämers, des Kaufmanns, und dieser lehnte es ab, eine Ware zu führen, die nicht in seine Branche passte, nicht in seinen Kram, denn dann war sie schwer zu verkaufen. Alles über einen Kamm scheren bedeutet, alle Menschen oder Dinge gleich zu behandeln oder zu beurteilen - ähnlich wie ein Friseur, der allen Männern den gleichen Haarschnitt verpasst.

Sprecherin:
Aber zurück zu den Schulbüchern. Kann man die alle über einen Kamm scheren? Oder machen bestimmte Verlage mehr Fehler als andere? Dazu noch mal Lehrer Manfred Baumgarten:

Manfred Baumgarten:
"Insgesamt kann man nicht behaupten, dass sich die Fehler auf ein bestimmtes Fach oder einen bestimmten Verlag beziehen, sondern sie sind doch in allen Schulbüchern in allen Sparten zu finden. Meines Erachtens ist der Hintergrund, dass eben nicht wie früher die Schulbücher einigermaßen gepflegt Generationen weitergegeben wurden und so eben der Verlag Möglichkeit hatte, bei derselben Ausgabe, die ja oft jahrelang verwendet wurde, dann in den neueren Ausgaben halt Fehler zu korrigieren, sondern der Hintergrund ist, dass eben großer Konkurrenzkampf herrscht und immer mehr Bücher mit immer neuen methodischen Zugängen ja regelrecht auf den Markt geworfen werden, denn die Verlage müssen ja am Drücker bleiben, um etwas zu verdienen."

Sprecherin:
Bleiben
Sie auch am Drücker, wenn es darum geht, den Fehlerteufel aufzuspüren. Seien Sie ständig auf der Hut. Sonst spielt er Ihnen und uns wieder einen Streich.

Fehlerteufel:
"Jetzt wird wieder mir die Schuld in die Schuhe geschoben. Dabei hat der Lehrer selbst gesagt, die Verlage arbeiten unter Zeitdruck. Sehen Sie, mich trifft also gar keine Schuld. Der Mensch macht seine Fehler selbst. Wie sag' ich immer: 'Errare humanus est'. Ich helfe eben nur ein kleines bisschen nach..."


Fragen zum Text:

Wer es zu nichts bringt,...?
1. gibt sich keine Blöße.
2. kommt auf keinen grünen Zweig.
3. lässt sich einen Bären aufbinden.

Was gibt jemand umgangssprachlich dazu, wenn er ungefragt seine Meinung äußert?
1. seine Suppe
2. seinen Braten
3. seinen Senf

Jemand, der ein Brett vor dem Kopf hat, ist...?
1. sehbehindert, blind
2. begriffsstutzig, dumm
3. stur, dickköpfig


Arbeitsauftrag:
Schreiben Sie einen beliebigen Text ab und bauen Sie dabei Fehler ein. Lassen Sie diesen Text von Ihrem Nachbarn korrigieren.

Audio und Video zum Thema

Downloads