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Aktuell Amerika

Fehlanalysen des FBI Grundlage für Todesurteile?

Die US-Justizbehörden haben schwere Pannen eingeräumt: Jahrzehntelang lieferten Experten der Bundespolizei FBI vor Gericht falsche kriminaltechnische Analysen - auch in Verfahren, die zu Hinrichtungen führten.

Experten der US-Bundespolizei FBI haben nach einem Bericht der "Washington Post" jahrzehntelang massenhaft falsche kriminaltechnische Analysen geliefert. Dem Bericht zufolge wurden bei mehr als 95 Prozent der bisher untersuchten 268 Fälle fehlerhafte Analysen festgestellt, die die Argumente der Anklage begünstigt hätten. Grundlage für diese Vorwürfe seien neue Untersuchungen unter anderem von Anwälten. Bei den betroffenen Prozessen habe es auch Todesurteile gegeben. Die Zeitung spricht von einem der "größten forensischen Skandale" in den USA.

Mindestens 60 Todesurteile betroffen

Das Justizministerium und das FBI haben bereits Fehler eingeräumt. FBI-Mitarbeiter hätten bei der Analyse von Haaren unter dem Mikroskop und bei der Erstellung von Laborberichten Fehler gemacht, erklärte das FBI. Es reagierte damit auf einen Bericht des US-Justizministeriums, dem zufolge mindestens 60 Todesurteile auf fehlerhaften wissenschaftlichen Gutachten oder zweifelhaften Zeugenaussagen basiert haben könnten. Drei der Verurteilten wurden demnach bereits hingerichtet.

Das FBI versicherte nun, diese Fehler würden künftig vermieden. Zusätzlich zur Analyse von Haaren unter dem Mikroskop werde künftig eine DNA-Analyse vorgenommen. Das Justizministerium und das FBI würden sich verpflichten, künftig größtmögliche Genauigkeit bei Haaranalysen und anderen Analysen zu gewährleisten. Dafür würden "bedeutende Mittel" aufgewandt werden.

Kritik am FBI bereits vor 18 Jahren

Die betroffenen Todeskandidaten würden über die erfolgten Fehler informiert, und es werde dafür gesorgt, dass ihnen Gerechtigkeit widerfahre, hieß es in der FBI-Mitteilung. Das US-Justizministerium hatte bereits 1997 in einem Bericht auf schwere Fehler bei Analysen aus einem FBI-Labor hingewiesen. In dem neuen Bericht kritisiert das Ministerium auch, dass die Bundespolizei daraus nicht die nötigen Lehren gezogen habe.

sti/wl (afp, dpa)