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Wirtschaft

Fed rührt nicht am Leitzins

Wann strafft US-Notenbanchefin Janet Yellen wieder die Zinszügel? Diesmal blieben erwartungsgemäß Zinsschritte aus, doch Beobachter glauben, dass es schon im Juni mit den Zinsen weiter nach oben gehen könnte.

Die US-Notenbank Federal Reserve lässt ihren Leitzins unverändert bei 0,25 bis 0,5 Prozent. Das hat der Offenmarkt-Ausschuss der Fed unter Leitung von Notenbank-Chefin Janet Yellen am Mittwoch nach seiner März-Sitzung bekanntgegeben. Der Ausschuss begründete seine Zurückhaltung besonders mit Risiken in der Weltwirtschaft.

Die meisten Experten hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. Eine Umfrage des "Wall Street Journals" unter Volkswirten hatte eine Wahrscheinlichkeit von lediglich zwölf Prozent für eine Erhöhung ergeben. Der US-Leitzins hatte sieben Jahre lang auf einem Niveau nahe Null verharrt. Die letzte Erhöhung vor Dezember 2015 hatte fast zehn Jahre zurückgelegen. Das Klima in der US-Wirtschaft hatte sich nach der Zinsentscheidung vom Dezember leicht eingetrübt. Inzwischen ziehen Arbeitsmarkt und Wachstum aber wieder an.

Wie aus den Prognosen der Währungshüter hervorgeht, wollen sie die geldpolitischen Zügel dieses Jahr aber weiter straffen. Viele Beobachter sagen eine weitere Zinserhöhung für den Juni voraus. Für das Jahresende sagen sie im Mittel ein Zinsniveau von 0,875 Prozent voraus. Noch im Dezember waren 1,375 Prozent erwartet worden.

Gegenläufige Entwicklung

In Europa hatte die Europäische Zentralbank in einer gegenläufigen Entwicklung erst vergangene Woche die Geldpolitik weiter gelockert und den Leitzins auf Null gedrückt. Zudem gab Zentralbankchef Mario Draghi bekannt, das Programm zum Ankauf von Anleihen - eine weitere Maßnahme zum "Gelddrucken" - auszuweiten.

Die Mitglieder des Offenmarktausschusses der Federal Reserve haben bei ihrer Entscheidung neben den Daten aus der US-Wirtschaft vor allem die Situation der Weltwirtschaft im Auge. In China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt im Umbruch, die Eurozone hat weiter Schwierigkeiten, Ölförderländer kämpfen mit den niedrigen Rohstoff-Preisen, große Schwellenländer wie Brasilien sind in der Rezession. Hinzu kommen politische Risiken, etwa die Flüchtlingsproblematik und die Möglichkeit eines Austritts Großbritanniens aus der EU.

Ein weiteres Erstarken des US-Dollar über eine schnelle Erhöhung der Leitzinsen ist in den USA nicht gewünscht, weil es die Exporte verteuern und möglicherweise abwürgen würde. Der Dollar hat etwa gegenüber dem unter Brexit-Ängsten abgestürzten britischen Pfund Rekordstände erreicht. Der jüngst wieder leicht gestiegene Euro hat allerdings etwas den Druck genommen.

wen/wl (rtr, dpa)