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US-Notenbank

Fed-Chef-Suche als Reality-Show

US-Präsident Trump inszeniert die Suche nach einem neuen Notenbank-Chef wie in der TV-Reality-Show "The Apprentice". Am Donnerstag will er seinen Kandidaten bekannt geben. Aus New York berichtet Jens Korte.

US-Präsident Donald Trump sucht nach einem geeigneten Anwärter für die Spitze der Federal Reserve Bank, der US-Notenbank, dem nach dem Präsidentenamt zweitwichtigsten Posten in den USA. Die Besetzung der Fed-Spitze erinnert an alte Zeiten, als Trump noch in der Reality-TV-Show "The Apprentice” den Immobilienmogul gab.

Aus einer Gruppe von Bewerbern wählte er damals mit dem größtmöglichen Spektakel einen aus, der dann für ihn als "Lehrling” arbeiten durfte. Als Präsident veranstaltet Trump nun das, was die Politik-Webseite "The Hill” spöttisch als "The Apprentice: Zentralbank-Ausgabe” bezeichnete.

Seit Monaten nennt er mögliche Namen wie etwa Gary Cohn, ehemals die Nummer zwei bei der Investmentbank Goldman Sachs, der sich einige Monate als Favorit sah - nur um die Betreffenden wieder fallen zu lassen. Er möge sie alle, ließ Donald Trump über seine Kandidaten wissen. Er ließ republikanische Senatoren spontan mit Handzeichen abstimmen, nur um klarzumachen, dass diese wichtige Entscheidung nur er zu treffen habe. Der Senat muss allerdings seiner Wahl zustimmen. Bei einem Interview bat der Präsident sogar den Moderator um dessen Meinung, ob er die bisherige Amtsinhaberin Janet Yellen im Amt lassen solle.

Suche war noch nie so öffentlich

Noch nie in der Geschichte der 1913 gegründeten Institution wurde die Besetzung der Fed-Spitze so öffentlich ausgetragen. In der Vergangenheit verzichteten die meisten Präsidenten darauf, überhaupt nur zu erwähnen, dass es mehrere Kandidaten gibt. Als zu heikel galt die Neubesetzung. Schließlich schauen weltweit die Finanzmärkte auf die Fed und ihre Zinsentscheidungen.

Trump darf auch nur am Personalkarussell drehen, weil Yellens Amtszeit im Februar 2018 endet. Seit dem Zweiten Weltkrieg wurde jeder Notenbankchef, der seine erste Amtszeit zu Ende gebracht hatte, für vier weitere Jahre bestätigt. Doch im Wahlkampf attackierte Trump die Fed-Chefin, die von seinem Vorgänger eingesetzt worden war, als "Niedrigzinsperson”. Im Juli kündigte er dann öffentlich an, dass er mehrere Kandidaten für ihren Job in Betracht ziehe. Spätestens da zeichnete sich ab, dass der amtierende Präsident mit der Tradition brechen dürfte.

USA Fed-Stellungnahme beschert Dow Jones Rekordhoch | Janet Yellen (Reuters/A. P. Bernstein)

"Niedrigzinsperson": die scheidende Fed-Chefin Janet Yellen

Verhältnis nicht immer ungetrübt

Das Verhältnis zwischen dem Präsidenten, der für die Fiskalpolitik zuständig ist, und seinem Fed-Chef, der für die Geldpolitik verantwortlich zeichnet, ist nicht immer ungetrübt. Jimmy Carter etwa kürte in den 1970er Jahren Paul Volcker zum Notenbankchef. Um der starken Inflation nach der Ölkrise zu begegnen, hob Volcker die Zinsen massiv an und löste damit eine vorübergehende Rezession aus. Die Inflationsgefahr war gebannt, aber Carter wurde nicht wiedergewählt.

Carters Nachfolger Ronald Reagan bestätigte Volcker dennoch im Amt. Auf Volcker folgte Alan Greenspan, der zur Notenbank-Legende wurde - angeblich hatte er die besten Ideen in der Badewanne. Greenspan diente unter vier Präsidenten: Ronald Reagan, George H. Bush, Bill Clinton und George W. Bush. Als Greenspan 2006 abtrat wurde Ben Bernanke, damals noch ein Republikaner, von George W. Bush zum Fed-Chef ernannt.

USA Washington DC Alan Greenspan (picture-alliance/dpa/M. Reynolds)

Notenbank-Legende Alan Greenspan

Barack Obama gab Bernanke nach seinem Wahlsieg weitere vier Jahre, bevor Bernankes Stellvertreterin Janet Yellen im Februar 2014 das Zepter übernahm. Ein Schaulaufen wie bei Trump gab es dabei nie.

Trump muss Erfolge vorweisen

Dass der Präsident die Fed-Besetzung zum Spektakel macht, hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass er Erfolge vorweisen muss. Seit der Amtsübernahme im Januar konnte Donald Trump noch kein großes Projekt umsetzen. Die Reform beziehungsweise die Abschaffung der Gesundheitsreform ist vorerst im Kongress gescheitert. Von den angekündigten Infrastrukturmaßnahmen in Höhe von rund einer Billion Dollar wurde bisher noch kein großes Projekt gestartet. Die Steuerreform wird derweil im Kongress verhandelt. Die Nominierung des Notenbankchefs soll nun in dieser Woche zu einem großen Triumph für den Präsidenten werden.

Einen Vorteil hat Trumps Show "Finde den neuen Notenbankchef”: Den US-Bürgern wird vor Augen geführt, welche Bedeutung der Posten hat. Die Diskretion von Trumps Vorgängern sollte nicht zuletzt auch den Schein wahren, bei der Fed handele es sich um eine politisch neutrale Einrichtung. Dabei sind die Maßnahmen alles andere als unumstritten.

Als nach dem Kollaps von Lehman Brothers die Weltfinanzmärkte 2008 von der größten Krise seit den 1930er Jahren erfasst wurden, antwortete die US-Notenbank mit bis dahin einmaligen Maßnahmen. Es wurden mehrere Billionen Dollar aufgebracht, um die Märkte zu stabilisieren. Der Leitzins wurde radikal auf null Prozent gesenkt. Die Fed kaufte für über vier Billionen Dollar Anleihen auf, um so die Banken und die Kreditmärkte zu stützen. Die Europäer schlossen sich dem amerikanischen Vorbild an.

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Wirtschaft_plus: provokant. Persönlich

Geldpolitik vor Normalisierung

Nun, fast zehn Jahre später, versucht die Notenbank, die Geldpolitik wieder in normalere Bahnen zu lenken. Das ist nicht ohne Risiko. Die Finanzmärkte haben sich an die Flut billigen Geldes, den die Notfallmaßnahmen schufen, gewöhnt. Schon mehrfach kam es zu Panikattacken an den Aktien- und Anleihemärkten, wenn die Fed ankündigte, die Zinsen anzuheben und die Anleihen wieder abzustoßen. Werden die Zinsen jedoch zu stark angehoben, könnte das Wachstum abrupt gestoppt und eine Rezession ausgelöst werden.

Andererseits: Werden die Zinsen nicht rechtzeitig stark genug angehoben, droht eine Hyperinflation. Zudem beraubt sich die Notenbank ihrer Mittel, auf eine neue Krise durch Zinssenkungen zu reagieren. Die Fed operiert auf unbekanntem Terrain. Und der oder die Fed-Vorsitzende muss sie dabei lenken. So ist Trumps Behauptung, es handele sich um eine seiner wichtigsten Entscheidungen, nicht übertrieben.

USA Politiker - Jerome Powell (Reuters/J. Roberts)

Er ist möglicherweise Trumps Favorit: Jerome Powell

Bekanntgabe am Donnerstag

Ausgerechnet da kommt ihm die Russland-Affäre seines ehemaligen Wahlkampfchefs Paul Manafort in die Quere. Seit Montag redet kaum noch jemand über die Notenbank. Die Schlagzeilen werden von den Geldwäschevorwürfen und möglichen Verbindungen des Weißen Hauses zu Russland bestimmt.

Dass Spekulationen zutreffen, Donald Trump könnte die Nominierung des neuen Notenbankchefs in dieser Woche als Ablenkungsmanöver nutzen, ist unwahrscheinlich. Eher verhält es sich so, dass die Manafort-Anklage sein "Season Finale”, den Höhepunkt der "Fed-Apprentice”-Show vermasselt hat.

An diesem Donnerstag, vor seiner Asien-Reise, will Trump nun endlich seinen neuen Fed-Chef benennen. Insider gehen davon aus, dass Jerome Powell das Amt übernehmen wird. Powell, ein Republikaner, der 2012 von Obama zu einem der Fed-Gouverneure ernannt wurde, gilt als Geldpolitiker, der Yellens Kurs fortsetzen wird. Dem Präsidenten bietet die Wahl Powells den Vorteil, dass er den Finanzmärkten Kontinuität signalisiert - und Yellen sein berühmtes "Sie sind gefeuert!” sagen kann.

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