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DFB-Pokal

FCB will Kritik in Motivation umwandeln

Schon im Achtelfinale des DFB-Pokals kommt es zum Duell der Sieger der beiden Vorjahre: Bayern München gegen VfL Wolfsburg. Erstmals könnte dabei eine neue Regel greifen: Ein vierter Spieler kann eingewechselt werden.

Die Revolution beginnt mitten in der Saison: Zum Achtelfinale des laufenden DFB-Pokals treten neue Regeln in Kraft, die den Wettbewerb verändern sollen - und das soll erst der Anfang sein. Aber der Reihe nach: Im Achtelfinale des Pokals des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Dienstag und Mittwoch kann erstmals in der Verlängerung ein vierter Spieler eingewechselt werden – das soll für mehr Spannung und taktische Varianten in den K.o.-Spielen sorgen. Zugleich dürfte es auch ein Zugständnis an die steigende Spielbelastung der Erstligateams sein. Und wenn es nach den Top-Klubs Deutschlands geht, gehen die Reformen des Vereinspokals noch weiter. Der Deutsche Fußball-Bund und die Deutsche Fußball Liga beraten über eine Reform des DFB-Pokals. Der Kern des Vorstoßes: Die Großen Vereine wollen gerne die erste Runde im Pokal überspringen, um stattdessen zum Beispiel Zeit für Marketingtouren durch Asien oder die USA zu haben. Die Amateur-Vereine fürchten dagegen den Verlust der Duelle David gegen Goliath.

Der Patt dürfte nicht so einfach aufzulösen sein, denn im deutschen Fußball haben die Amateurvereine über den DFB ein durchaus gewichtiges Wort mitzureden. "Die mögliche Reform des DFB-Pokals ist das Schwierigste, was uns noch bevorsteht", sagt daher auch DFL-Präsident Reinhard Rauball. "Ich habe Verständnis für die wirtschaftlichen Anliegen der Bundesligisten und verstehe, dass sie vor der Saison auch in die anderen Märkte wollen", sagte Rainer Koch, als DFB-Vizepräsident zuständig für die Amateure: "Aber für mich ist auch ganz klar und eindeutig: Wer Landespokalsieger wird, hat einen großen Traum - nämlich gegen einen der ganz Großen spielen zu können."

Duell der beiden letzten Pokalsieger

Bevor die Gespräche richtig in Gang kommen, rollt zunächst der Ball. Am Dienstag kommt es dabei gleich zum Duell zwischen dem Sieger 2016 und dem Sieger 2015: Titelverteidiger FC Bayern München strebt gegen den VfL Wolfsburg (Dienstag, 20:45 Uhr MEZ) den Einzug ins Viertelfinale an. Die Münchner gelten in ihrer Partie zu Hause als klarer Favorit, auch wenn sie am vergangenen Wochenende gegen den FC Schalke 04 Punkte liegen ließen.

"Meine Spieler haben verstanden, dass wir kompakter stehen müssen. Gegen Schalke war dies das Problem", sagte Trainer Carlo Ancelotti, der einräumte, dass die zuletzt aufkommende Kritik an der Mannschaft sogar positive Effekte auf die FCB-Elf haben könnte - als Motivationshilfe. Die hohe Spielbelastung sei kein Problem: "Wir sind bereit, alle drei Tage zu spielen." Gegner Wolfsburg steht nach einer weiteren Pleite in Köln auf Tabellenplatz 14 und braucht in München eine gewaltige Steigerung, um eine Chance auf das Viertelfinale zu haben.

Köln und der alternative Weg nach Europa

Deutschland Fußball Bundesliga - 1. FC Köln vs. Hamburger SV (picture-alliance/dpa/M. Becker)

Anthony Modeste trifft für den FC derzeit in Serie - übrigens auch beim letzten Duell mit dem HSV (3:0 für Köln)

Ganz anders ist die Lage in Köln. Der 1. FC steht derzeit blendend da und schielt inzwischen nicht nur träumerisch-selbstironisch, sondern durchaus ernsthaft und berechtigt nach Europa. Dies kann entweder über die Liga (aktuell liegt Köln auf Rang sieben) oder aber sogar über einen Erfolg im DFB-Pokal gelingen. Nächster Schritt für diesen "Plan B": Ein Sieg beim Hamburger SV (18:30 Uhr MEZ). Das krisengeplagte Kellerkind aus dem Norden verschaffte sich aber jüngst mit einem Sieg gegen Leverkusen etwas Luft im Abstiegskampf. Beide haben also aktuell das Momentum auf ihrer Seite und dürften diese Partie und die Perspektive Pokalfinale sehr ernst nehmen. "Ich denke, dass wir ein sehr intensives und kampfbetontes Spiel erleben werden", prognostizierte FC-Trainer Peter Stöger.

Fürth setzt auf Gladbacher Schwäche

Das gilt auch für Zweitligist SpVgg Greuther Fürth. Die Franken hoffen auf eine anhaltende Schwächephase des Bundesliga-11. Borussia Mönchengladbach (20:45 Uhr MEZ). "Wichtig ist, wir müssen da sein, wenn Gladbach schwächelt. Dann müssen wir funktionieren", sagte Trainer Janos Radoki am Montag vor dem Achtelfinalspiel. "Wir werden die Sache mit Beharrlichkeit und Fleiß angehen." Im Pokal gebe es Situationen, in denen der Gegner merke, "es wird doch nicht so einfach", meinte der Fürther Coach weiter. Schonen will Radoki nach dem imponierenden 4:1 in der 2. Bundesliga gegen Hannover 96 niemanden.

Borussia-Trainer Dieter Hecking sieht seine Elf nach dem jüngsten Erfolg gegen Freiburg auch im Pokal in der Verantwortung. "Die Favoritenrolle liegt bei uns, diese Rolle müssen wir annehmen. Wir dürfen aber nicht glauben, dass wir einen Deut weniger machen können, als in einem normalen Bundesliga-Spiel."

Feierabendkicker von Astoria Walldorf hoffen auf Sensation

Deutschland FC-Astoria Walldorf - Trainer Matthias Born (picture allaince/dpa/U. Ansbach)

"Umfeld und Bedingungen sind top hier" - FC-Astoria Walldorf-Trainer Matthias Born

Und dann gibt es in dieser Runde des DFB-Pokals auch noch einen "Kleinen": Der FC Astoria Walldorf ist der letzte verbliebene Amateurklub im Wettbewerb und trifft am Dienstag auf Zweitligist Arminia Bielefeld (18:30 Uhr MEZ). Die "Feierabendfußballer" aus dem 15.500-Einwohner-Ort südlich von Heidelberg wollen als Viertligist die nächste Überraschung: den Einzug ins Viertelfinale.

"Umfeld und Bedingungen sind top hier, das weiß man als Trainer zu schätzen", sagt der 44 Jahre alte Coach Matthias Born. Seinen Schreibtischstuhl hat er einst aus Hoffenheim mitgebracht. Born spielte früher bei den Amateuren des FC Bayern München, unter anderem mit dem heutigen Schalke-Coach Markus Weinzierl sowie bei 1899 Hoffenheim unter Joachim Löws späterem Co-Trainer Hansi Flick. Dort leitete er dann bis 2009 das Nachwuchszentrum – "als wir noch klein waren". Klein, das will man in Walldorf auch bleiben: Drittliga-Ambitionen äußern die Verantwortlichen von Astoria nicht. Benannt ist der Klub übrigens nach dem in Walldorf geborenen Emigranten und später reichsten Mann Amerikas, Johann Jacob Astor. Ob der kleine Verein im Pokal ähnlich groß rauskommt? Es wäre nicht die erste Sensation in diesem Wettbewerb, der zwischen Tradition und Modernisierung weiter seine zukünftige Identität sucht.