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Kultur

FC Liverpool krönt Aufholjagd

Nach 21 Jahren ist der englische Fußball-Club FC Liverpool wieder auf dem Thron des europäischen Fußballs angelangt. Das Team schlug in einem denkwürdigen Finale der Champions League den AC Mailand im Elfmeter-Schießen.

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Nach verloren geglaubtem Spiel war der Jubel besonders groß

Nach einer der packendsten Aufholjagden in der Geschichte des Fußball-Europapokals ist der FC Liverpool 21 Jahre nach seinem letzten Triumph im Landesmeister-Wettbewerb auf den Thron zurückgekehrt. Der englische Rekordmeister gewann am Mittwoch (25.5.) in Istanbul ein denkwürdiges Champions League-Finale gegen den AC Mailand mit 3:2 im Elfmeterschießen und eroberte zum fünften Mal nach 1977, 1978, 1981 und 1984 die wertvollste europäische Club-Trophäe. Zum Helden des Abends wurde Liverpools Keeper Jerzy Dudek, der den Schuss von Andrea Pirlo parierte, nachdem Serginho den ersten Elfmeter weit über das Tor geschossen hatte.

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Der letzte Elfmeter des Spiels - gehalten von Liverpools Jerzy Dudek

Kopf aus der Schlinge gezogen

Nach 120 hochdramatischen Minuten hatte es vor 69.500 Zuschauern im ausverkauften Atatürk-Stadion 3:3 (3:3, 0:3) gestanden. Steven Gerrard (54.), Vladimir Smicer (56.) und Xabi Alonso mit einem im Nachschuss verwandelten Foulelfmeter (60.) rissen für Liverpool ein schon verloren geglaubtes Spiel noch aus dem Feuer und schossen ihr Team in die Verlängerung. Europacup-Veteran Paolo Maldini (1.) in seinem siebten Finale und Hernan Crespo (39./43.) hatten die Italiener scheinbar uneinholbar mit 3:0 in Führung gebracht.

Die "Reds", bei denen der deutsche Nationalspieler Dietmar Hamann nach seiner Einwechslung ab der 46. Minute einige offensive Akzente setzte, konnten erst im zweiten Durchgang an ihre in den Halbfinals gegen Chelsea gezeigten Leistungen anknüpfen. Dem spanischen Coach Rafael Benitez gelang ein Jahr nach dem Gewinn des UEFA-Pokals mit dem FC Valencia erneut der ganz große Wurf. Nach dem Champions League-Sieg darf der Tabellen-Fünfte der Premier League auch in der kommenden Saison in der europäischen Königsklasse an den Start gehen.

Blitzstart

Im torreichsten Europacup-Finale seit 1962 gelang den favorisierten Mailändern ein Auftakt nach Maß. Nach nur 51 Sekunden nutzte Maldini die Unordnung in Liverpools Abwehr und verwandelte eine Freistoßflanke des eine Halbzeit lang überragenden Pirlo per Direktabnahme zur umjubelten Führung. Die als Defensiv-Künstler bekannten Italiener blieben die tonangebende Mannschaft und setzten weiter in der Offensive Akzente. In der 14. Minute verhinderte Xabi Alonso bei einem Kopfball von Hernan Crespo das 0:2 für die Engländer, die auf dem Weg ins Finale in sieben Spielen ohne Gegentor geblieben waren.

Die rund 20.000 Anhänger aus Liverpool, die die italienischen Fans in ihrer Zahl deutlich übertrafen, mussten fast eine halbe Stunde warten, ehe sie zaghafte Gegenangriffe ihrer Mannschaft sahen. In der 38. Minute reklamierten die Engländer vergeblich einen Strafstoß, als Alessandro Nesta der Ball bei einer Abwehraktion an die Hand sprang. Doch der spanische Schiedsrichter Manuel Gonzalez erkannte beim Milan-Abwehrspieler keine Absicht und ließ weiterspielen. Als Andrej Schewtschenko seinem Stürmerkollegen Crespo im direkten Gegenzug mustergültig das 2:0 auflegte, schien die Entscheidung gefallen. Nach dem schönsten Spielzug über den Brasilianer Kaka gelang dem Argentinier zwei Minuten vor der Pause sogar noch das dritte Tor.

Hamanns Auftritt

Doch mit der Einwechslung von Hamann nach der Halbzeit ging ein Ruck durch Liverpools Team, das aus dem Drei-Tore-Rückstand innerhalb von sechs Minuten ein nicht mehr für möglich gehaltenes 3:3 machte. Das Signal zur Aufholjagd gab Gerrard, der eine Flanke des Norwegers Jon Arne Riise unbedrängt von Jaap Stam per Kopf im Mailänder Tor unterbrachte. Keine 120 Sekunden später musste Dida nach einem 20-Meter-Aufsetzer des ebenfalls eingewechselten Smicer zum zweiten Mal hinter sich greifen. Als Gennaro Gattuso im Strafraum Gerrard zu Fall brachte, gelang Xabi Alonso sogar der Ausgleich. Nachdem Dida den Schuss des Spaniers pariert hatte, traf dieser im Nachschuss. In der Folgezeit hatten beide Torhüter noch reichlich Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Die letzte Gelegenheit, die Partie in 90 Minuten zu entscheiden, vergab für Milan Kaka (88.), dessen Kopfball knapp am Tor vorbei flog.