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Kultur

F.C. Gundlach - 90 Jahre, 90 Fotos

Bekannt ist er für seine Modefotografien aus aller Welt - vor den Pyramiden von Gizeh, über den Dächern von Manhattan, im Hamburger Hafen. F.C. Gundlach ist nun 90 und stellt in Berlin 90 seiner Fotografien vor.

Anlässlich seines 90. Geburtstags zieht Fotografen-Legende F.C. Gundlach eine sehr persönliche Bilanz: mit einer Ausstellung in der Contemporary Fine Arts Gallery in Berlin. "F.C. Gundlach - 90 Jahre, 90 Fotos" heißt die Bilderschau, die der Hamburger Fotograf allein zusammengestellt hat - ausgesucht aus tausenden von Fotoarbeiten der letzten Jahrzehnte. Mit zehn hat er angefangen, zu fotografieren. Das fotografische Handwerk lernte er auf einer privaten Fotografieschule in Kassel.

Gundlach ist vor allem für seine künstlerischen Modefotografien bekannt geworden, aber auch für seine experimentellen Arbeiten. Kreativ und mit künstlerischem Auge verbindet er Mode, Natur und moderne Architektur in fast grafischen Momentaufnahmen. Er porträtiert in radikal ausgeleuchteten Schwarz-Weiß-Fotos berühmte Gesichter: Filmstars wie Yves Montand, Simone Signoret oder Romy Schneider. Und er hält immer wieder seine Umgebung in märchenhaften Bildern fest.

Deutschland Ausstellung F.C. Gundlach 90 Jahre 90 Fotos CFA Berlin

Modefotografie von 1960: "Flamingo-Man"

Meister der Eleganz

Insbesondere seine Modefotografien der 1950er, 1960er und 1970er Jahre verschafften ihm auch internationales Ansehen als deutscher Modefotograf: Er wurde zum vielbeschäftigten Starfotografen der westdeutschen Modeszene. Die Ausstellung "90 Jahre, 90 Fotos" in Berlin lädt ein zu einer Zeitreise durch die Modewelt - mit Abstechern nach Afrika, Asien, Nord- und Südamerika.

Zu sehen sind Arbeiten aus den 1950er Jahren in Berlin, Haute Couture Schauen der Pariser Modehäuser sowie eindrucksvolle Architektur, Naturlandschaften und Künstlerporträts, aufgenommen auf verschiedenen Kontinenten.

Doch F.C. Gundlach ist nicht nur Fotograf, sondern auch Galerist, Sammler, Hochschullehrer, Kurator und Stifter. Er initiierte 1999 in Hamburg die Triennale der Photographie und wurde im September 2003 zum Gründungsdirektor für das "Haus der Photographie" in den Hamburger Deichtorhallen ernannt.

OpArt Fashion: Models vor Cheops-Pyramide. aus: Brigitte 10/1966 © F.C. Gundlach

Fotografie-Ikone: Op-Art-Fashion vor Cheops-Pyramide

Geboren wurde er am 16. Juli 1926 als Franz Christian Gundlach in einem kleinen Dorf in Hessen. Sein Interesse an der Fotografie wurde früh geweckt - schon als Kind bekam er seine erste Kamera: eine Agfa-Box mit Selbstauslöser. "Mein erstes Foto habe ich im Alter von zehn Jahren gemacht. 1936 habe ich eine Box mit einem Sitz aus Silber geschenkt bekommen. Man konnte sich erstmals selbst fotografieren, ein Selfie!", erzählt der berühmte Modefotograf in einem Interview.

Leben im Krieg

Zwei Jahre später, 1938, richtete er sich im Badezimmer seiner Eltern eine Dunkelkammer für die Entwicklung seiner Fotos ein - hinter dem Duschvorhang. Als Hitlers "letztes Aufgebot" musste der Hobbyfotograf im Zweiten Weltkrieg Militärdienst ableisten. Direkt nach seinem Kriegsabitur wurde er 1943 als Luftwaffenhelfer an der Front eingesetzt. Im April 1945 kam er als junger Soldat in amerikanische Kriegsgefangenschaft, in ein französisches Lager bei Nancy. Im März 1946 wurde er dann in das Kriegsgefangenenlazarett Göppingen verlegt und kurz danach entlassen.

Erste Fotoreportagen

Trotz Kriegsgefangenschaft ließ sich der angehende Fotograf von seinem Traumberuf nicht abbringen. Von 1947 bis 1949 durchlief er eine professionelle Ausbildung zum Fotografen an der privaten Lehranstalt für Moderne Lichtbildkunst bei Rolf W. Nehrdich in Kassel. Zusammen mit einer Mitschülerin eröffnete er 1948 ein eigenes Fotoatelier.

Im Sommer 1949 arbeitete er in der amerikanischen Besatzungszone als Fotograf in den Filmstudios in Wiesbaden, wo seinerzeit Hollywoodstars ein- und ausgingen. In jenem Jahr veröffentlichte er auch seine ersten Theater- und Filmreportagen, in westdeutschen Magazinen wie der "Deutschen Illustrierten", "Quick", "Film-Revue" und dem "Stern". Ab 1953 spezialisierte er sich auf Modefotografie im journalistischen Stil und begann, für die in Hamburg erscheinende Zeitschrift "Film und Frau" zu arbeiten.

Immer auf Reisen…

Seinen Durchbruch schaffte F.C. Gundlach schließlich in den 1950er und 1960er Jahren mit seinen außergewöhnlichen Modereportagen von Filmstars und seinen Künstlerportraits - unter anderem fotografierte er bekannte Schauspielerinnen wie Nadja Tiller und Hildegard Knef, aber auch den französischen Regisseur Jean-Luc Godard.

F.C. Gundlach lebte eine Zeit lang in Frankreich, angezogen von der Existentialisten-Szene - "als Paris vielleicht die wichtigste Stadt in Europa war, was Kunst und Atmosphäre betrifft", wie er später in einem Interview erklärte. Schon damals begeisterte er mit seinen Fotografien aus völlig verschiedenen Ländern und Kulturen, in denen er seine Models posieren lässt. Seine Reportagereisen führten ihn in den Nahen, Mittleren und Fernen Osten und nach Mittel- und Südamerika. Seine fotografische Handschrift ist auf Anhieb zu erkennen.

In den Jahren 1966 und 1976 gründete F.C. Gundlach die Firmen CC ("Creative Color GmbH") und PPS ("Professional Photo Service"). Diese Firmen sind mit Schwarz-Weiß- und Farb-Laboren, Equipment-Handel, Mietstudios und Fachbuchhandlungen ausgestattet. Die 1976 eröffnete "Galerie F.C. Gundlach" war eine der ersten Galerien für Fotografie in Deutschland. In den folgenden zwei Jahrzehnten präsentierte der Künstler dort mehr als 100, zum Teil wegweisende, Ausstellungen.

Arbeit als Professor und Kurator

1988 bekam er einen Ruf als Professor an die Hochschule der Künste in Berlin und begann 1992 seine Tätigkeit als Kurator für deutsche und internationale Galerien und Museen. Und er konzentrierte sich auf das Sammeln fotografischer Werke. Im Jahre 2000 gründete er die Stiftung F.C. Gundlach, die sein fotografisches Lebenswerk verwahrt und immer wieder ausstellt.

Die aktuelle Ausstellung "F.C. Gundlach - 90 Jahre, 90 Fotos" ist vom 25. Juni bis zum 10. September 2016 in der Contemporary Fine Arts Galerie in Berlin zu sehen.

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