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Politik

FC Deutschland 06

Die deutsche Fußballnationalmannschaft bestimmt ja bekanntermaßen, wer der nächste Bundeskanzler wird - oder nicht. Gerhard Schröder hat darum für die Wahl 2006 alle Register gezogen - und Sönke Wortmann verpflichtet.

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Marcel Fürstenau

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat einen Traum: Deutschland gewinnt im Sommer 2006 die Fußball-Weltmeisterschaft (WM) und er selbst wenige Wochen später die Bundestagswahl. Damit aus dem Traum Wirklichkeit werde, dafür soll eine sündhaft teure Image-Kampagne sorgen, die vordergründig für den Standort Deutschland geplant ist. Presseberichten zufolge will sich das Schröder-Team die ganze Chose bis zu 100 Millionen Euro kosten lassen. Des Kanzlers treuester Kumpel, Innenminister Otto Schily, so heißt es, plant aus seiner Schatulle ein Zehntel der Kosten zu übernehmen.

Zweifel von Eingeweihten

Den Löwen-Anteil soll aber die Wirtschaft beisteuern, schließlich wäre sie der größte Profiteur der Image-Kampagne mit dem unfassbar originellen Namen "FC Deutschland 06". Ob die Firmenbosse so mitspielen, wie es sich der Kanzler erhofft, wird von Eingeweihten bezweifelt. Die Angst ist groß, als Passgeber Schröders wahrgenommen zu werden. Unverblümte Wahlkampfhilfe für den fußballverrückten Sozi und seinen grünen Koalitionspartner wittern denn auch Oppositionspolitiker. Das wollen sich die Herren Manager dann doch nicht nachsagen lassen.

Aufzuhalten ist die Offensive des Kanzlers aber sowieso nicht mehr. Der hat sich längst die Dienste des ausgewiesenen Fachmanns in Sachen Fußball und Gefühle, Sönke Wortmann, gesichert. Der Regisseur des Kinoklassikers "Das Wunder von Bern" soll dem "FC Deutschland 06" die richtige Taktik einflößen, um den angestrebten Doppel-Erfolg feiern zu können. Zwar sieht sich Wortmann lediglich als Dienstleister am Standort Deutschland, aber er wird kaum verhindern können, auch als Spielmacher des Schröder-Teams vereinnahmt zu werden.

Gesetz der Serie

Ein Blick in die Historie belegt, dass deutsche Erfolge auf dem Rasen stets den politisch Mächtigen nützten. Nach dem WM-Sieg 1954 triumphierte Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) bei der folgenden Bundestagswahl mit einer absoluten Mehrheit, 1974 folgte auf den Titel-Gewinn der deutschen Kicker die Titel-Verteidigung Helmut Schmidts (SPD) im Kanzler-Amt zwei Jahre später. Sein damals unterlegener Herausforderer Helmut Kohl (CDU) durfte sich 1990 auf das Gesetz der Serie verlassen: Deutschlands Fußballer wurden zum dritten Mal Weltmeister und der seit 1982 amtierende Regierungschef Kohl zum dritten Mal Kanzler.

Kampagne hin oder her

Diese geradezu beängstigende Gesetzmäßigkeit lässt nur eine Schlussfolgerung zu: Werden Deutschlands Fußballer in zwei Jahren Weltmeister, bleibt Schröder Bundeskanzler. Schaffen sie es nicht, heißt der nächste Kanzler - ja wie denn nun? Angela Merkel, Edmund Stoiber, Roland Koch, Christian Wulff? Dieses Ergebnis ist mindestens so offen, wie der Ausgang der Fußball-Weltmeisterschaft – Image-Kampagne hin oder her.