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Fußball

FC Bayern München auf USA-Reise

Der deutsche Rekordmeister ist auf einer zwölftägigen Werbetour durch die Vereinigten Staaten. Sportliche Aspekte stehen dabei eher im Hintergrund, es geht um Präsenz, Geld und die Marke FC Bayern.

Carlo Ancelotti, Trainer des FC Bayern München (Foto: picture-alliance/dpa/M. Hitij)

Bayern-Coach Carlo Ancelotti reist mit seiner Mannschaft zu einer PR-Tour in die USA

Als der FC Bayern am Montagmittag vom Münchener Flughafen nach Chicago aufbrach, waren auch Weltmeister Thomas Müller und Superstar Arjen Robben dabei - allerdings nur als fünf Meter große Aufkleber auf der Außenwand der neugestalteten Chartermaschine. Müller und der erneut verletzte Robben fehlen auf der PR-Reise der Münchener ebenso wie Torhüter Manuel Neuer, EM-Entdeckung Joshua Kimmich, die Neuzugänge Mats Hummels und Renato Sanches, Torjäger Robert Lewandowski sowie Flügelflitzer Douglas Costa. Trotzdem will der deutsche Fußball-Rekordmeister auf seinem US-Trip mit drei Spielen gegen namhafte Gegner ordentlich Werbung in eigener Sache betreiben.

"Dass es Testspiele ohne die Nationalspieler sind, die bei der EM waren, ist sekundär. Entscheidend ist, dass solche Spiele dort in Amerika stattfinden. Die Amerikaner stehen auf solche Events", sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bei Sport1. Der Vorstandschef unterstrich noch einmal das primäre Ziel der Reise: Präsenz zeigen, die Marke FC Bayern stärken, Geld verdienen - auch wenn man lediglich mit einem Rumpfkader um Kapitän Philipp Lahm, die Spanier Xabi Alonso und Javi Martinez sowie Franck Ribery unterwegs ist.

AC und Inter Mailand, dazu Real Madrid - die Testspielgegner versprühen Glanz. Trainer Carlo Ancoletti freute sich daher auf die zwölftägige Reise: "Die Tour ist gut für uns. Es ist Zeit für uns zu spielen." Der ehemalige Milan-Spieler und -Trainer Ancelotti trifft am 27. Juli in Chicago auf seine alte Liebe, in Charlotte wartet drei Tage später Inter Mailand. Zum Abschluss in New York werden am 3. August gegen Ancelottis Ex-Klub Real Madrid über 80.000 Fans erwartet. Das Spiel am "Big Apple" ist der Höhepunkt der Reise. Dass das Training wegen zahlreicher PR-Termine, insgesamt 15.000 Flugkilometern und bis zu sieben Stunden Zeitverschiebung zu kurz kommen wird, erwähnte der 57-Jährige nicht. Bei zehn fehlenden Stammspielern wird sich auch der Erkenntnisgewinn aus den Testspielen in Grenzen halten. Kein Wunder, dass Lahm zugab, dass er "am liebsten zu Hause" bleibe, wenngleich es "schon etwas Besonderes" sei, so weit weg von München vor so vielen Fans zu spielen. Holger Badstuber nannte die Reise "kräftezehrend".

Ein Fanklub pro Stern

Karl-Heinz Rummenigge beim Interview (Foto: picture-alliance/dpa/A. Gebert)

Bayern-Boss Rummenigge will mehr Fans in den USA gewinnen

Aus Sicht der Bayern-Bosse ist sie dennoch notwendig. 160 Millionen Euro nahm die Bundesliga in der vergangenen Saison aus dem Ausland ein, angepeilt sind mittelfristig aber 250 Millionen. Um zahlungskräftige Märkte auf anderen Kontinenten zu erobern und die Fans dort zu pflegen, reist der FC Bayern - genau wie einige andere Bundesligavereine - nicht zum ersten Mal in die Ferne. 2012 und 2015 ging es nach China, wo sich in diesem Sommer Borussia Dortmund aufhält, 2014 in die USA, wo der FC Bayern damals seine Dependance in New York eröffnete.

Durch den Besuch in diesem Jahr sollen die Marke und der Umsatz weiter wachsen. Die Globalisierung geschieht nicht zufällig, sondern ist strategisch geplant. Erste Erfolge: Aus neun US-Fanklubs 2014 sind inzwischen über 100 in 37 Bundesstaaten geworden. "Es gibt ja diese Sterne auf der amerikanischen Flagge. Es wäre schön, wenn wir jeden Stern zumindest mit einem Fanklub besetzt hätten", sagte Rummenigge.

Ribery voller Spielfreude

Hoffnung auf ein sportlich erfolgreiches Jahr macht aus Münchener Sicht die gute Frühform von Franck Ribery, der in den vergangenen Jahren eines der Sorgenkinder der Bayern war. Zahlreiche Verletzungen und die Unzufriedenheit mit seiner Rolle unter Ex-Coach Pep Guardiola machten dem sensiblen Franzosen zu schaffen. Seit dem Abschied Guardiolas wirkt der 33-Jährige wie befreit. Unter Trainer Carlo Ancelotti spüre er "endlich wieder Vertrauen", sagt der Bayern-Star im Interview mit dem "Kicker". Zu Guardiola hatte Ribery ein zwar professionelles, aber kühles Verhältnis. "Ich fühle mich frei, voll motiviert", sagte Ribery weiter. Ancelotti gebe ihm "Vertrauen, Respekt und Nähe" Es sei so wie früher unter Jupp Heynckes und Ottmar Hitzfeld. "Ich brauche dieses Vertrauen, um meine Stärken auszuspielen", so Ribery. "Dann fresse ich Gras für den Trainer."

Franck Ribery beim Testspiel (Foto: picture-alliance/L. Perenyi)

Franck Ribery hat der Trainerwechsel von Guardiola zu Ancelotti sichtlich beflügelt

Zu sehen war das eindrucksvoll beim Testspiel der Bayern gegen Guardiolas neuen Klub Manchester City vor einer Woche. Ribery war beim 1:0-Sieg der Bayern bester Mann auf dem Platz. Er zerriss sich vor den Augen des ungeliebten Katalanen förmlich - schon nach zehn Minuten musste er sein zerfetztes Trikot wechseln. Ancelotti sieht Ribery, den er 2009 bereits zum FC Chelsea lotsen wollte, als "fantastischen Spieler. Ich mag seinen Stil, mag es, wie er fokussiert ist. Er hat große Qualität und Erfahrung, kann noch sehr wichtig werden für uns." Ribery gab das Lob zurück. "Er ist ein großartiger Trainer. Ich brauche Menschen wie ihn", sagte er.

Und der FC Bayern braucht Ribery - obwohl der inzwischen auch schon 33 Jahre alt ist. Mit Arjen Robben und Douglas Costa fallen zwei der vier offensiven Außen noch Wochen aus. Auf der USA-Tour fehlt zudem noch EM-Teilnehmer Kingsley Coman.

asz/sw (dpa, sid, Kicker)

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