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Aktuell Amerika

FBI: Attentäter von Orlando war kein IS-Kämpfer

Der Anschlag auf den Nachtclub in Orlando wurde nach FBI-Ermittlungen nicht durch ein Terror-Netzwerk gesteuert. Der Attentäter soll sich selbst radikalisiert haben. Unterdessen verschärft das Massaker den US-Wahlkampf.

Der schlimmste Terrorangriff in den USA seit dem 11. September 2001 geht nach Ermittlungen der Bundespolizei FBI nicht auf ein internationales Netzwerk zurück. Dies teilten US-Präsident Barack Obama und FBI-Direktor James Comey mit. Der Todesschütze habe sich während der Attacke in drei kurzen Telefonaten sowohl zur Terrormiliz "Islamischen Staat" (IS) bekannt, sich hinter die Attentätern des Boston-Marathons gestellt und bekannte sich außerdem zur Al-Nusra-Front. Vor einigen Jahren habe er gesagt, er sympathisiere mit der libanesischen Hisbollah-Miliz und mit Al-Kaida. Diese Organisationen rivalisieren miteinander, die Boston-Attentäter hatten mit dem IS nichts zu tun. Comey sagte, die Angaben passten nicht zueinander.

"Psychisch labil und gewalttätig"

Laut Obama und Comey hat sich der Täter vermutlich selbst radikalisiert. Er sei von verschiedenen Quellen über das Internet extremistisch inspiriert worden. Täter, die sich auf diese Art radikalisierten, vor einem Anschlag ausfindig zu machen, sei extrem schwierig. Der IS-Radiosender Al-Bajan und eine IS-nahe Agentur hatten behauptet, der Attentäter sei ein Kämpfer der IS-Terrormiliz gewesen.

Untersuchungen zum Attentat am Club Pulse in Orlando, Florida (Foto: rtr)

Der Ort des Anschlags: Die Schwulen-Diskothek 'Pulse' in Orlando, Florida

Der 29-jährige Omar Mateen (Artikelbild), ein US-Bürger mit afghanischen Eltern, hatte in der Nacht zum Sonntag in Orlando in dem Schwulen-Club "Pulse" 49 Menschen getötet und 53 verletzt, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Von den Verletzten befinden sich fünf noch in ernstem Zustand. Das FBI hatte Mateen in der Vergangenheit drei Mal wegen islamistischer Tendenzen vernommen, die Ermittlungen aber aus Mangel an Beweisen eingestellt. Trotz der Vernehmungen arbeitete der spätere Todesschütze bei einer der größten Sicherheitsfirmen in den USA und hatte zwei Waffenscheine, mit denen er sich Tage vor dem Massaker seine beiden Waffen kaufte. Nach Aussage seiner Ex-Frau war er gewalttätig und psychisch labil.

Donald Trump fordert Einreise-Stopp für Muslime

Donald Trump bei einem Wahlkampf-Auftritt in New Hampshire (Foto: rtr)

Donald Trump fordert ein Einreiseverbot für Muslime

Fünf Monate vor der Präsidentschaftswahl wird das Massaker Gegenstand des erbitterten Präsidentschafts-Wahlkampfs und verschärft die schon jetzt heftige Auseinandersetzung der politischen Lager. Der Kandidat der Republikaner, Donald Trump, nutzte den Terrorakt in Orlando für scharfe Angriffe auf seine Rivalin Hillary Clinton von den Demokraten."Hillary Clinton hat noch immer keine Ahnung, was radikaler Islamismus bedeutet", sagte Trump bei einer Wahlkampfkundgebung in der Stadt Manchester im Bundesstaat New Hampshire.

Trump erneuerte seinen Vorschlag, Muslimen vorübergehend die Einreise in die USA zu verweigern. "Wir können nicht weiterhin Tausenden und Abertausenden Menschen erlauben, in unser Land zu strömen, von denen viele das gleiche Gedankengut haben, wie dieser brutale Killer", sagte Trump mit Blick auf das Massaker von Orlando.

Gedenken an die Opfer vor der US Botschaft in Berlin (Foto: LSVD)

Das Massaker in Orlando hat weltweit Entsetzen ausgelöst, in Berlin legten Menschen Blumen vor der US-Botschaft nieder

Clinton erinnerte die Amerikaner angesichts des Massakers in dem Nachtclub an den Zusammenhalt nach den Terrorangriffen 2001 in New York und Washington. Alle politischen Kräfte hätten gemeinsam nach Lösungen gesucht, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit. "Präsident (George W.) Bush ging nur sechs Tage nach den Angriffen in ein muslimisches Zentrum", sagte Clinton. Die amerikanischen Muslime müssten einbezogen werden in den Kampf gegen den Terror.

Hillary Clinton mahnt härteres Waffenrecht an

Bei einer Wahlkampfrede in Washington kündigte Clinton an, sie werde den Kampf gegen den als "einsamen Wolf" bezeichneten Tätertypus zu ihrer "obersten Priorität" machen. Sie sprach sich außerdem erneut für ein strengeres Waffengesetz aus. Zwar hätten gesetzestreue Bürger ein Recht, eine Waffe zu tragen, sagte Clinton dem Fernsehsender CNN. "Aber wir können Maßnahmen ergreifen, damit Waffen nicht in die Hände von Kriminellen und Terroristen fallen."

cw/fab (dpa, afp, rtr)