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Haiti

Favorit Moïse gewinnt Präsidentenwahl in Haiti

Die ersten Ergebnisse sind eindeutig: Neuer Präsident Haitis wird wahrscheinlich der Unternehmer Jovenel Moïse. Nach Angaben der Wahlkommission erhielt er in der ersten Wahlrunde knapp 56 Prozent der Stimmen.

Nach vorläufigen Ergebnissen gewann Jovenel Moïse auf Anhieb mit fast 56 Prozent die absolute Mehrheit. Auf dem zweiten Platz landete Jude Celestin, der Kandidat der Oppositionspartei LAPEH, mit fast 20 Prozent. Wie die Wahlkommission weiter mitteilte, bekam Moise Jean Charles elf Prozent und die Ärztin Maryse Narcisse neun Prozent. Das endgültige Ergebnis will die Behörde erst am 29. Dezember bekanntgeben.

Der 48-jährige Moïse hatte bereits bei der Wahl im Jahr 2015, die später annulliert wurde, das beste Ergebnis erzielt. Danach war die Wahl mehrfach verschoben worden. Der Wunschkandidat des ehemaligen Staatschefs Michel Martelly ist ein erfolgreicher Agrarunternehmer - seine Anhänger nennen ihn den "Bananen-Mann". Er will als Präsident die Wirtschaft ankurbeln und Jobs schaffen.

Gewaltsame Proteste

27 Kandidaten waren am Sonntag der Vorwoche bei der Präsidentenwahl angetreten, bei der es nur wenige kleinere Zwischenfälle gab. Zwei Tage später kam es in dem Karibikstaat aber zu gewaltsamen Zusammenstößen. Tausende Anhänger der Partei Fanmi Lavalas, die Ex-Präsident Jean-Bertrand Aristide gegründet hatte, gingen auf die Straßen und verlangten die sofortige Veröffentlichung der Wahlergebnisse. Die Demonstranten zündeten in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince Reifen an. Die Polizei feuerte Tränengas ab.

Der völlig verarmte Karibikstaat leidet unter einer politischen Dauerkrise. Die Wahl 2015 war wegen Manipulationsvorwürfen annulliert worden. Die Europäische Union und die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hielten die Abstimmung hingegen für grundsätzlich frei und fair. Sie vermuteten, dass die Opposition mit ihren Protesten das für sie ungünstige Ergebnis kippen wollte. Seit Staatschef Michel Martelly im Februar ohne gewählten Nachfolger aus dem Amt schied, regiert Übergangspräsident Jocelerme Privert das Land.

Schwierige Bedingungen

Die Abstimmung fand ohnehin unter schwierigen äußeren Bedingungen statt. Haiti leidet unter Gewalt, Korruption, Armut und den Folgen einer Naturkatastrophe. Nur sechs Wochen vor der Wahl verwüstete der Wirbelsturm "Matthew" große Teile der Karibikinsel. Nach offiziellen Angaben kamen 546 Menschen ums Leben. Hilfsorganisationen gehen von mehr als 1.000 Toten aus. In einigen Ortschaften wurden mehr als 90 Prozent der Häuser zerstört. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind 1,4 Millionen Menschen auf Nothilfe angewiesen.

Haiti ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Drei Viertel der Bevölkerung leben von weniger als zwei Dollar am Tag. "Diese Wahl ist sehr wichtig für die politische Stabilität in Haiti", sagte Interimspräsident Privert. Seit dem schweren Erdbeben 2010 ist das Land von internationaler Entwicklungshilfe abhängig.

kle/se (dpa, ape, afpe, rtre, epd)

 

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