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Faul

Faul sein ist wunderschön ... das wissen wir spätestens seit Pippi Langstrumpf. Aber doch nur, wenn damit das Faulenzen gemeint ist und nicht etwa der faule Kompromiss oder gar der faule Apfel.

Alle – oder fast alle – täten es gerne, haben aber einfach nicht die Zeit dazu. Das ist schlimm. Denn der Mensch braucht Erholung und muss auch mal richtig faul sein dürfen.

Da ist doch was faul!

Um es vorweg zu sagen: Nicht jeder Faulenzer ist faul; und Faulenzer sind auch nicht ausschließlich arbeitsunwillige Arbeitslose. Gar nicht faul, sondern fleißig und gewissenhaft, gehen wir "faul" auf den Grund und stellen fest, dass unser Stichwort gar nichts mit "arbeitsscheu" oder "träge" oder auch "lustlos" zu tun hat. "Faul" bedeutet eigentlich "stinkend", "modrig". Faul bezeichnet einen Zustand, der durch einen chemischen Prozess hervorgerufen wurde: nämlich den der Zersetzung durch Bakterien.

Da nahezu alles von der Zersetzung befallen werden kann, gibt es jede Menge fauler Sachen. Denken wir an Lebensmittel, faules Obst zum Beispiel. "Ein fauler Apfel macht zehn neben ihm auch faul", heißt es schon 1520 in der deutschsprachigen Ausgabe des "Narrenschiffs" von Johann Geiler von Kaisersberg. Wenn man also nicht aufpasst und die faulen Stellen herausschneidet oder faule Früchte auf den Komposthaufen wirft, verfaulen sie alle und sind dahin. Es ist so ähnlich wie mit dem faulen Zahn. Je fauler desto fleißiger der Zahnarzt – wenn man denn Angst und Faulheit überwunden hat und sich mit dicker Backe in die Praxis begibt.

Stinkend faul

Auch Holz fault, es riecht dann faulig oder modrig, nasses Laub wird glitschig, es fault. Stehendes Wasser kann faulig werden und schmeckt dann dementsprechend. Von faulen Eiern und ihrem unverwechselbaren Gestank wollen wir gar nicht reden. Stinkfaul oder stinkend faul sind als übertragene Bedeutungen zur treffenden Charakterisierung eines lieben Mitmenschen auf diesen Zusammenhang zurückzuführen. Vor dem "Stinkend-Faulsein" kommt aber zunächst das normale Faulsein oder die alltägliche Faulheit. Etwas Faules bewegt sich nicht. Der tote Fisch rührt sich ebenso wenig wie der vom Baum gefallene vor sich hinfaulende Apfel.

"Faul" und "faulen" sind Worte, die sich in der Umgangssprache geradezu anbieten, um im bildhaften Ausdruck etwas abzuwerten. Ganz allgemein sagen wir: "Da ist etwas faul." Was es genau ist, wissen wir nicht, aber wir wissen, dass etwas nicht stimmt, nicht in Ordnung ist. Da gibt es faule Kompromisse, also unbefriedigende, nicht ganz saubere Übereinkünfte. Wir kennen die berühmten faulen Ausreden, von denen jeder weiß, dass sie schlecht erfunden sind, aber man sie dennoch nicht Lüge nennen kann. Wenn wir spüren, dass an einem Geschäft etwas faul ist, sollten wir die Finger davon lassen. Wenn wir feststellen, hier oder auch da stimmt etwas nicht; ist etwas ganz oder gar nicht in Ordnung, zitieren wir Shakespeare und sagen unbekümmert: "Da ist etwas faul im Staate Dänemark." – Hamlet 1. Akt, 2. Szene.

Wie faulenzen Faultiere?

Aber Dänemark beziehungsweise Hamlets Faulheit hat nichts mit dem zu tun, was wir unter Müßiggang oder Nichtstun verstehen. Und was das Recht auf Faulheit beziehungsweise Faulsein betrifft: Wir nehmen es uns einfach, zumindest im Urlaub. Da sind wir, wenn wir es überhaupt noch können, so richtig faul, verwandeln uns in zufriedene Faulpelze und legen uns auf die sprichwörtlich faule Haut, sind maulfaul und reden nur das Nötigste.

Mit der faulen Haut und dem Faulpelz hat es eine besondere Bewandtnis. "Faulpelz" ist ein altes Wort für die dicke Pilzschicht, die die faulenden Stoffe mit der faulen Haut überzieht. "Faulpelz" klingt ganz nett für einen Menschen, der stundenlang, nur so als Beispiel, in der Hängematte liegt. Der Faulenzer ist allerdings einer, der grundsätzlich arbeitsscheu ist. Ganz böse ausgedrückt: jemand, der vor Faulheit stinkt. "Faulenzen" stammt von "vulenzen", was in der mittelhochdeutschen Sprache "faulig schmecken" bedeutete. Zu Faulenzer wäre noch zu sagen, dass man auch Stützen für Angelruten und besonders bequeme Liegestühle so nennt. "Und was ist mit dem Faultier?", fragen Sie. Nun, das sieht nur so aus.


Fragen zum Text

Was bedeutet faul im eigentlichen Sinne?

1. geschmackvoll und appetitlich

2. gesund und munter

3. stinkend oder modrig

Wenn jemand sagt: "Da ist etwas faul", dann meint er, dass da …

1. etwas nicht stimmt

2. alles in Ordnung ist

3. etwas schlecht riecht

Wer oder was ist ein Faulenzer?

1. eine bestimmte Art von Hängematte

2. ein arbeitsscheuer Mensch

3. ein faules Ei

Arbeitsauftrag

In der Hängematte unter Palmen oder auf dem Sofa vor dem prasselnden Kaminfeuer – wie sind Sie am liebsten faul? Beschreiben Sie einen Tag, an dem Sie nichts zu tun haben, außer die Seele baumeln zu lassen.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Shirin Kasraeian

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