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Kultur

Fatal Banal

Schweinegrippe, die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika und der Zusammenbruch des Kölner Stadtarchivs. Die Kabarettisten von "Fatal Banal" lassen kein Thema aus, das die Welt im letzten Jahr bewegt hat.

Kabarettisten in Kölner Karnevals-Kostümen (Foto: Dieter Kloubert, Fatal Banal)

Männer und Frauen in weißen Schutzanzügen stehen auf der Bühne, stöbern in Papierhaufen und sortieren Akten. Die Szenerie ist klar: Es geht um das Kölner Stadtarchiv, dessen Einsturz sich im nächsten Monat zum ersten Mal jährt. Aber was wäre, wenn es den Kölnern am Ende fast recht gewesen wäre, dass die Dokumente ein wenig durcheinander gekommen sind?

Kabarettisten in weißer Kleidung stehen auf der Bühne (Foto: Dieter Kloubert, Fatal Banal)

Auf diese Weise wäre es vielleicht möglich, auch die dunklen Flecken in der Kölner Geschichte nachträglich zu erhellen. "Jetzt können wir endlich Dokumente korrigieren", bringen es die Schauspieler von "Fatal Banal" auf den Punkt.

Frechheit siegt

In Köln gibt seit vielen Jahren eine kreative alternative Karnevalsszene. Zu den Klassikern gehört die traditionelle Stunksitzung, einst als Kontrast zur Prunksitzung aufgelegt, der Geisterzug am Karnevalssamstag, aber auch kleinere kabarettistisch geprägte Shows wie "Fatal Banal". Und hier darf eben noch über fast alles gelacht werden. Etwa über den Waschzwang einer Frau, die aus Angst sich mit Schweinegrippe anzustecken, nicht mehr aus dem Haus geht und völlig vereinsamt. Aber auch über die neue Regierung, die schon zu Beginn ihrer Amtszeit drei Kabinettsposten neu besetzen musste, "was dazu führte, dass die 32-jährige Christina Köhler Familienministerin wurde." Da kann man nur allen jungen Leuten raten, ruft der "Fatal Banal"-Präsident, Christoph Stubbe mit überschnappender Stimme: "Schnell rein in die CDU, da habt Ihr in den nächsten Jahren die besten Karrierechancen."

Nicht jedes Wort verstehen

Drei Tänzer ohne die für den Kölner Karneval typischen Kostüme (Foto: Dieter Kloubert, Fatal Banal)

Die Kölner mit ihrem Dialekt und ihren Gebräuchen, werden natürlich auch immer gern aufs Korn genommen. Eine durchaus feierlustige Hessin kann nicht verstehen, warum man in Köln am ersten Tag des Straßenkarnevals, an Weiberfastnacht also, schon um acht Uhr morgens in die Kneipe geht: "Man komme sonst nicht mehr rein", lautet die einfache Erklärung ihrer Kölner Freundin. Auch was man sonst so treibt im Karneval ist für Zugereiste nicht so leicht zu verstehen. "Danse", "hoppe", "schunkele", das erschließt sich vielleicht noch, aber was versteht man unter Stippeföttche“? Den berühmten Tanz, bei dem man gewissermaßen Popo an Popo tanzt, ist eine Kölner Karnevalsspezialität, die es jedoch angeblich schon in der Bronzezeit gegeben haben soll. Auch an der Jugendsprache mit neuen Ausdrücken wie "Opfer", "Vollhorst" und "Vollpfosten", was jeweils eine andere Bezeichnung für "Schwächling" ist, arbeiten sich die Kabarettisten von "Fatal Banal" einen Sketch lang ab.

Kunst und Karneval

In diesem Jahr stehen besonders viele kulturelle Themen auf der Agenda der Karnevalisten. Der als Bananensprayer bekannt gewordene Künstler Thomas Baumgärtel hat einen Mottowagen für den Rosenmontagszug entworfen, der zeigt, wie Mutter Colonia das Herz - die Kultur - entrissen wird. Die Schauspiel-Chefin Karin Beier, die sich, auch angesichts der Haushaltslage, gegen den 300 Millionen teuren Neubau des Theaters ausgesprochen hat, trägt auf einem anderen Wagen den Protestspruch: "Ihr seid die Künstler und wir nicht."

Autorin: Katja Lückert

Redaktion: Conny Paul

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