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Kultur

Fast vergessene Früchte für ein besseres Klima in Afrika

Mit steigenden Temperaturen werden die landwirtschaftlichen Erträge in Afrika stetig sinken. Doch es besteht Hoffnung: Im Westen unbekannte afrikanische Nutzpflanzen könnten Hungersnöte und Armut abwenden.

Baobab-Bäume, afrikanische Affenbrotbäumen

Pflanzen wie der Baobab-Baum wachsen auch in trockenen Gebieten

Ein Bericht des nationalen Forschungsrates in den USA propagiert, eine ganze Reihe afrikanischer Nutzpflanzen systematisch zu erforschen und deren Anbau zu fördern. Das Werk nennt sich "The Lost Crops of Africa". Dazu liegt nun der vom nationalen Forschungsrat der USA in Auftrag gegebene dritte und letzte Band vor. Dieser befasst sich – nach den Getreidearten in Band eins und Gemüse in Band zwei – nun mit Obst.

Die Nutzpflanzen Afrikas sind nicht nur hochwertige Nahrungsquellen und sollen für zusätzliche Verdienstmöglichkeiten durch regionale Vermarktung sorgen. "Neu angepflanzte Bäume würden außerdem das Lokalklima beeinflussen“, davon ist Hans Herren, Empfänger des Welternährungspreises 1995 überzeugt. Er hat an der Liste der 24 besonders viel versprechenden Früchte mitgearbeitet und betont die Vorteile dieser Früchte: "In Zeiten, in denen alles trockener wird, können Pflanzen wie Baobab oder Butterfruit auch in trockenen Gebieten angebaut werden - also auch trotz des Klimawandels."

Beliebt wie Zucchini und Tomaten

trockenes Flussbett des Niger

Das frühere Flussbett des Niger verdeutlicht die Auswirkungen langer Trockenheit

Von Baobabs, den Affenbrotbäumen, hat jeder gehört, der das Buch "Der kleine Prinz" von St. Exupery gelesen hat. Doch die meisten anderen Sorten sind unbekannt: Die Früchte des Marula-Baumes etwa sind besonders reich an Vitamin C. Butterfruit, zu deutsch Samptapfel, enthält viel Protein und ist in West- und Zentralafrika so beliebt wie Zucchini und Tomaten in Europa. Der Samtapfel sei ein gutes Beispiel dafür, dass diese so genannten "Lost Crops" noch nicht ganz so verloren sind, erklärt Jane Guyer, Anthropologin an der Johns Hopkins Universität: "Man könnte meinen, diese Früchte würden derzeit nicht angebaut und erst jetzt wieder neu entdeckt. Doch im Gegenteil: Sie sind bekannt und recht weit verbreitet." Das einzige Problem sei, dass die Information über diese Pflanzen nirgendwo zentral und griffig zusammengefasst worden sind.

Es gibt demnach keine wissenschaftlichen Daten über Vermehrung, Genetik oder bevorzugte Bodenbeschaffenheit. Doch das sei notwendig, wenn man die Obstbäume und -sträucher nutzen will, erklärt Hans Herren. Man müsse erst einmal analysieren, was genau diese Pflanzen ausmache, um die Sorten verbessern zu können. Hierfür müssten die Variationen der Züchtung zunächst einmal verringert werden. Dann könnten bessere Erträge erzielt und Prognosen über Qualität und Ertrag aufgestellt werden. Es braucht also moderne Züchtungsprogramme. Doch das sagt sich leicht. Die Vermehrung vieler afrikanischer Obstpflanzen ist kompliziert.

Aus der Geschichte lernen

Die Anthropologin Jane Guyer schlägt vor, zu weiterer Informationsbeschaffung auch in der kolonialen Geschichte Afrikas nachzublättern. In Nigeria etwa gebe es die um 1910 für landwirtschaftliche Forschung gegründete Moor-Plantage: "Die dort beschäftigten Wissenschaftler waren Beamte und haben dort sehr lange gelebt. Sie wussten also, wie die Afrikaner ihre Nutzpflanzen anbauten", vermutet Guyer. Genau dieses Wissen der kolonialen Forscher fehle uns heute, bedauert die Anthropologin und hofft, es noch in den Archiven zu finden.

Regionale Märkte aufbauen und Arbeitsplätze schaffen

Afrikanische Frau trägt Schale mit Lebensmitteln auf dem Kopf

Der Handel mit den exotischen Früchten würde Arbeitsplätze schaffen

Die geförderten Früchte, Gemüse und Getreidesorten sollen die Ernährung bereichern und dabei helfen, regionale Märkte aufzubauen und Arbeitsplätze zu schaffen. Die Ernte sei ein aufwändiges Unterfangen betont Guyer. Bei der Egusi-Ernte beispielsweise müsse man die Melonen-Frucht abschneiden und zu Brei schlagen. Dann brauche man ein ganzes Team, um die Samen einzusammeln, zu waschen und zum Trocknen aufzulegen. Jemand müsse Wache stehen, um zu melden, wenn es regnet. Würden die Samen nämlich nass, begännen sie zu keimen. Dies würde ihren Marktwert verringern. "Man braucht Leute, die das alles machen", betont Guyer zuversichtlich.

Vorsichtiger Optimismus

Der Anstoß zur intensiveren Kultivierung unbekannter Pflanzen hat bisher allerdings nur zu wenigen konkreten Projekten geführt. Nimmt man Band eins über Getreidearten und Band zwei über Gemüse als Maßstab, dann besteht eher Grund für Pessimismus. Dass Forscher wie Hans Herren sich dennoch als "vorsichtig optimistisch gestimmt" bezeichnen, liegt an der Hoffnung, dass die Furcht vor dem Klimawandel vielleicht doch genug Anreiz darstellt, neue Wege einzuschlagen.

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